Leipzig. Schlechte Beschilderung, waghalsige Wendemanöver oder Orientierungslosigkeit: Immer wieder sind auf den Autobahnen Geisterfahrer unterwegs. Der Trip in die entgegengesetzte Richtung endete am Wochenende tödlich, als ein 81-Jähriger auf der A 14 die Auf- mit der Abfahrt verwechselte. „Dabei reagieren ältere Menschen noch gut im Straßenverkehr“, sagt Andreas Grünewald vom Landesverband Sächsischer Fahrlehrer.

Dass Senioren am Steuer mehr Unfälle bauen, kann Grünewald nicht bestätigen. „Oft überschätzen sich sogar die jüngeren Leute.“ Von verpflichtenden Eignungstests hält der Fahrlehrer nichts. „Das sind Empfehlungen, die freiwillig sind und auch bleiben sollten.“ Einen Rat hat Grünewald jedoch: Ältere Verkehrsteilnehmer sollten regelmäßig zum Augenarzt gehen und ihre Sehkraft untersuchen lassen. „Im Gegensatz zur Reaktion ist die nachlassende Sehkraft ein typisches Altersmerkmal.“

Ein Blick auf die Unfallzahlen in Sachsen zeigt: Die Zahl der Verkehrsunfälle mit verletzten oder tödlich verunglückten Personen bei Jüngeren liegt deutlich höher. Laut Statistischem Landesamt Kamenz waren 2010 von insgesamt 8961 Unfällen in Sachsen 2023 PKW-Fahrer 18 bis 25 Jahre alt. 1148 Unfälle verursachte die Altersgruppe ab 65 Jahren, wobei bei den 75-jährigen Autofahrern und Älteren die Zahl leicht stieg. Insgesamt verursachten die 21- bis 25-Jährigen die meisten Unfälle.

„Sich selbst in die Pflicht nehmen“

„Jeder hat eine Vorsorgepflicht gegenüber den anderem“, betont Falk Forhoff vom ADAC. Der Automobilclub bietet vom Kindes- bis ins hohe Rentneralter mehrere Kurse an, um die Fahrsicherheit auf den Straßen zu erhöhen. „Jeder muss sich dabei selbst in die Pflicht nehmen.“

Viele nutzen die Angebote im Fahrsicherheitszentrum in Leipzig-Halle. „Oft kommen die Älteren und wollen das Kompakttraining. Ganztagskurse hingegen dauern vielen zu lang“, sagt Mitarbeiterin Christina Wagner. 70 bis 80 Prozent der Interessierten seien über 50 Jahre alt.

Aktion „Fit im Verkehr“ für mehr Sicherheit

Spezielle Sicherheitskurse nutzen auch Senioren über den Fahrlehrerverband Sachsen. Mehr als 500 Fahrschulen beteiligen sich an der Aktion. Unter dem Motto „Fit im Verkehr“ werden Einparken, Fahren bei Nacht, Ausweichmanöver sowie Fahrten auf der Autobahn geübt.

„Zu den Kursen kommen die Älteren häufig gemeinsam, meistens sind es Frauen“, beobachtet Andreas Grünewald. Als Vorsitzender des Landesverbandes Sächsischer Fahrlehrer leitet er auch Fahrsicherheitsstunden. „Vor allem bei kontrollierten Bremsaktionen merken viele, wie schwierig das ist.“ Grünewald ist als Fahrlehrer auch oft an den zwei Autobahnkreuzen Rippachtal und Schkeuditzer Kreuz sowie am Autobahndreieck Parthenaue unterwegs. Er betont: „Solche speziellen Schulungen sollen katastrophale Unfälle, wie eben auch durch Geisterfahrer verursacht, verringern.“