Washington - Der Tanz der Bienen weist erstaunliche Ähnlichkeiten mit den Signalen im Gehirn auf, die einer Entscheidungsfindung vorausgehen. Das geht aus einer Studie der Cornell University in New York hervor, die in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science Express veröffentlicht wurde. Dafür beobachtete ein Team um Thomas Seeley die Vorgänge in der Zeitspanne unmittelbar vor der Neugründung eines Bienenstocks.
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© AFP, Frank Rumpenhorst
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Bienen verständigen sich durch den sogenannten Schwänzeltanz über ausgekundschaftete Futterquellen oder geeignete Orte für die Anlage von Bienenstöcken. In groben Zügen sind die Bedeutungen dieses Rundtanzes längst entschlüsselt. Es gelingt den Insekten dabei, ihren Artgenossen durch die Ausrichtung der Tanzbewegungen genaue Hinweise über die Entfernung bestimmter Objekte vom Bienenstock und die anzusteuernde Himmelsrichtung zu übermitteln.

Messungen von Gehirnaktivitäten bei Affen hatten in der Vergangenheit gezeigt, dass bei Entscheidungsprozessen der Primaten zahlreiche Nervenzellen (Neuronen) aktiv sind. Einigen Nervenzellen kommt dabei die Aufgabe zu, die anderen zu "stoppen". Die Entscheidung fällt schließlich für die Variante mit dem geringsten Widerstand. Das Forschungsteam von der Cornell University gewann den Eindruck, dass die Bewegungsabläufe der Bienen während ihres Tanzes diejenigen der Nervenströme in den Gehirnen der Primaten "imitieren".

Die Versuchsanordnung bestand darin, dass auf einer Insel vor der Küste des US-Bundesstaates Maine, wo es für die Bienen keinen natürlichen Standort für einen Bienenstock gab, zwei künstliche Standorte ohne Qualitätsunterschied geschaffen wurden. Die Kundschafterinnen des Bienenstocks, die zu den beiden Standorten ausschwärmten waren farblich unterschieden, so dass die Forscher wussten, welche Bienen welchen Stock erkundet hatten.

Mit Video- und Tonaufnahmen wurde die Nachrichtenübermittlung der Bienen nach den Erkundungsflügen dokumentiert: Informierten Kundschafterinnen ihre Artgenossinnen über ihre Erkenntnisse, stellten die Wissenschaftler fest, dass andere Kundschafterinnen, die den konkurrierenden Ort für einen Bienenstock aufgesucht hatten, mittels "Stoppsignalen" - einem Stoßen mit dem Kopf und einem gleichzeitigen leichten Brummen - dem Schwänzeltanz der anderen Einhalt geboten. Das bedeute soviel wie: "Warte mal, hier ist noch etwas anderes zu bedenken" und entspreche den Stoppsignalen der Neuronen, sagte der Ko-Autor der Studie, Kirk Visscher.

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