Fast zehn Prozent aller in China verkaufter Produkte für Kinder enthalten auch übermäßig viel Blei, eines der schädlichen Schwermetalle, die eine Bedrohung für die Gesundheit darstellen, sagte Greenpeace nach einer aktuellen Untersuchung.
Prüfung auf SChwermetalle von spielzeug
© UnbekanntWährend einer Nachrichtenkonferenz, die von Greenpeace China am Mittwoch in Beijing veranstaltet wurde, prüft Joe DiGangi mit einem Fluoreszenz-Röntgestrahl den Bleigehalt einer Schultasche, die in Wuhan, Provinz Hubei, gekauft wurde. DiGangi ist wissenschaftlicher und politischer Berater für das International POPs Elimination Network, ein globales Netzwerk, das sich für die Beseitigung persistenter organischer Schadstoffe einsetzt.

Nach dem Zufallsprinzip erwarb Greenpeace China im November 500 Produkte für Kinder in Einkaufszentren, Supermärkten und Großmärkten der fünf Städte Beijing, Shanghai, Guangzhou, Wuhan und Hong Kong. Greenpeace untersuchte diese Proben und stellte dabei fest, dass zehn Prozent nicht der nationalen Norm für den Bleigehalt entsprachen, und dass mehr als 30 Prozent davon insgesamt fünf weitere gefährliche Schwermetalle enthalten.

Getestet wurde auf Blei, Antimon, Arsen, Cadmium, Chrom und Quecksilber. Alle diese Schwermetalle können schwere Schäden am Nervensystem verursachen und in den Körper durch die Atemwege, die Haut, die Schleimhäute und kontaminierte Lebensmittel gelangen.
"Zum Beispiel löst Blei, das sehr giftig und kumulativ ist, Blockaden in der geistigen und körperlichen Entwicklung sowie der Lernfähigkeit bei Kindern aus", sagte Wu Yixiu, eine Aktivistin gegen Giftstoffe, die für Greenpeace China arbeitet.

"Tierversuche haben gezeigt, dass Gesundheitsprobleme, die in der Kindheit dadurch verursacht wurden, dass man Kontakt mit Schwermetallen hatte, sich wahrscheinlich im Laufe des ganzen Lebens fortsetzen", sagte Zhang Yunhui, außerordentlicher Professor an der Fudan University School of Public Health.

Ein Dokument über Bleivergiftungen bei Kindern des United States Center for Disease Control and Prevention warnt, es gebe gar keinen sicheren Grenzwert für Bleigehalt im menschlichen Körper, und Kinder sollten keinerlei Kontakt mit dem Metall haben.
Eine verbindliche nationale Norm für Spielzeugbeschichtungen, die von Chinas Qualitätsüberwachungsbehörde gemeinsam mit der nationalen Behörde für Standards mit Wirkung vom Oktober 2010 herausgegeben wurde, setzt Grenzwerte für diese Stoffe fest. In China darf der Gesamtgehalt von Blei maximal 600 mg pro Kilogramm betragen - auch bei löslichen Inhaltsstoffen gibt es Grenzwerte für acht andere Metalle.

Aber Greenpeace stellt die Standards an sich infrage. Die Behörden haben nur eine Obergrenze für den Blei-Gesamtgehalt gesetzt, nicht aber den Level von anderen Metallen eingeschränkt.

"Zwar gibt es die Möglichkeit, dass Kinder ein Spielzeug verschlucken, es ist aber normaler, dass sie es anfassen, kauen oder schnupfen", sagte Wu.

In einigen Ländern, darunter die USA und Kanada, liegt der Grenzwert des Bleigehalts in Spielzeugbeschichtungen bei nur 90 mg pro Kilogramm, was nur das 0,15-fache des geltenden chinesischen Grenzwerts ist.

Huang Ning, einer der Verfasser der nationalen Normen und ein Experte des nationalen Normenausschusses für Farben und Pigmente, versteht die Aufregung nicht. Er beschreibt die chinesischen Standards als „eine Kombination aus internationalen Standards und solchen, die sich chinesische Spielzeughersteller selbst geben. "Die für acht Schwermetalle festgelegten Grenzwerte sind vergleichbar mit denen, die in der Europäischen Union verwendet werden", behauptet Huang außerdem. Tatsächlich dürfen laut der Europäischen Norm EN 71-3 maximal 90 mg Blei aus einem Kilogramm Spielzeugmaterial frei gesetzt werden, bei bestimmten Spielzeugen wie Fingerfarben sogar nur 25 mg pro Kilogramm.

Bei den jüngsten Stichproben von Spielzeugen im Mai fand die chinesische Qualitätskontrollbehörde Blei und Chrom. Zwei der 242 Proben übertrafen sogar den vergleichsweise hohen nationalen Grenzwert von 600mg löslicher Schwermetalle pro Kilogramm.

Ein Manager eines in Shenzhen ansässigen Herstellers von Kunststoffspielzeug, der seinen Namen nur mit Jin angab, sagte er, er wisse, dass einige Spielzeughersteller ein Selbsttestsystem etabliert haben, nachdem die neuen Normen für Spielzeugbeschichtungen im Oktober 2010 herauskamen. "Wir führen eine vierteljährliche Stichprobe von Beschichtungen durch", so Jin. "Wir wagen es nicht, die Qualität der Rohstoffe zu verringern, weil wir uns die Folgen von Qualitätsproblemen nicht leisten können."