Er zündete Granaten und schoss gezielt auf Passanten: Ein Bewaffneter hat im belgischen Lüttich mehrere Menschen erschossen und Dutzende verletzt, dann richtete er sich selbst. Einen terroristischen Hintergrund schließt die Polizei mittlerweile aus - der Täter war für die Behörden offenbar kein Unbekannter.
lüttich, belgien
© ReutersEinsatzkräfte transportieren verletzte Menschen ab, auf Fernsehbildern waren Blutlachen zu sehen. Der Attentäter warf am Mittag eine oder mehrere Blend-Granaten in die Menschenmenge an einer Bushaltestelle, danach eröffnete er das Feuer.

Ein Blutbad mit mehreren Todesopfern und Dutzenden Verletzten hat die belgische Stadt Lüttich in einen Schockzustand versetzt - die Behörden haben aber einen terroristischen Hintergrund ausgeschlossen. Nach jüngsten Angaben der Behörden wurden die Angriffe von einem Einzeltäter begangen. Der Attentäter tötete drei Menschen - darunter zwei Jugendliche - und sich selbst. Mindestens 75 weitere Personen wurden verletzt.

Der Mann habe einen Gerichtstermin gehabt, teilte die Staatsanwaltschaft mit und korrigierte damit Berichte, die eine Verbindung zu einem laufenden Justizverfahren zuvor ausgeschlossen hatten. Belgische Medien präzisierten die Angaben: Der Mann sei für ein Verhör vorgeladen gewesen - angeblich wegen eines Sittlichkeitsdelikts.

Einen terroristischen Hintergrund hatte das Innenministerium ausgeschlossen. Zwischenzeitlich war von bis zu drei Tätern die Rede gewesen.

Doch es war wohl ein einzelner Täter, der am Mittag nach Angaben der Staatsanwaltschaft eine oder mehrere Blend-Granaten in eine Menschenansammlung an einer Bushaltestelle nahe des Weihnachtsmarkts warf und dann das Feuer auf die Menge eröffnete. Dabei starben nach Angaben der Staatsanwaltschaft zwei junge Männer im Alter von 15 und 17 Jahren und eine 75-jährige Frau. Einer der Jugendlichen starb noch am Tatort.

Medienberichten ist der 32-jährige Mann für die Behörden kein Unbekannter. Demnach wurde er 2008 zu 58 Monaten Gefängnis verurteilt, nachdem bei ihm neben fast 3000 Cannabis-Pflanzen ein Dutzend Waffen und fast 10.000 Waffenteile gefunden worden waren. Die Tageszeitung La Meuse beschreibt den Attentäter in ihrer Online-Ausgabe als "Waffenspezialisten, der in der Lage ist, verschiedene Modelle auseinanderzubauen, zu reparieren und neu zusammenzusetzen."

Unter den Verletzten soll sich auch ein Kleinkind befinden, das um sein Leben ringt. Zur Versorgung der Verletzten wurden Rettungskräfte aus den Niederlanden angefordert. Im Hof des Justizpalastes unweit des Anschlagsortes wurde eine Notversorgungsstelle eingerichtet.

"Die Zustände sind chaotisch", sagte der Vater eines verletzten Kindes dem Fernsehsender RTL nach den Angriffen. Einem Augenzeugen zufolge holte der Täter auf der Place Saint-Lambert im Herzen der Innenstadt eine Handgranate aus seinem Rucksack und zündete sie. Dann habe er das Feuer auf die Menschenmenge eröffnet, die an einer Bushaltestelle nahe des gut besuchten Weihnachtsmarkts stand. Anschließend habe er sich mit einem Kopfschuss selbst das Leben genommen, sagte der Augenzeuge dem Sender RTL. "Es war grauenhaft, alle versuchten, sich panisch in Sicherheit zu bringen." In anderen Berichten war von vier Granaten die Rede, die gezündet worden wären.

Auf Fernsehbildern waren Blutlachen zu sehen. Mehrere Medien hatten zunächst über eine Verfolgungsjagd mit einem mutmaßlichen Komplizen berichtet. Die Polizei dementierte dies später, genauso wie die Flucht eines möglichen weiteren Komplizen.

Die Innenstadt von Lüttich - rund 40 Kilometer südwestlich von Aachen gelegen - wurde nach dem Angriff vollständig abgeriegelt. Gegen 15 Uhr meldete die Polizei, sie habe die Lage unter Kontrolle.

Der belgische Premierminister Elio Di Rupo sagte, seine Gedanken seien bei den Opfern, ihren Familien und Freunden - und bei der Bevölkerung von Lüttich. Gemeinsam mit Innenministerin Joëlle Milquet, dem Ministerpräsident der Wallonischen Region Rudy Demotte und dem belgischen Königspaar wollte Di Rupo am späten Nachmittag den Tatort besuchen.

dapd/grc/gba