meteorit
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Dieser Stein, etwa fünf Zentimeter lang und 400 Gramm schwer, lag in einer kleinen Mulde.
Rätsel um seltsamen Fund auf einer Wiese

Schneeberg. Was hält der Mann, der auf einer großen, schneebedeckten Wiese in der Nähe des Filzteichs in Neustädtel steht, in seiner rechten Hand? Der etwa fünf Zentimeter lange Stein gibt Rätsel auf. Sicher ist bisher nur: Es handelt sich um kein gewöhnliches Exemplar.

Experten schließen nicht aus, dass es sich bei dem kleinen Brocken um einen Meteoriten handelt, der gut vier Milliarden Jahre lang mit einer Geschwindigkeit von 50 Metern in der Sekunde bei 270 Grad Minus durch das Weltall gerast ist, schließlich die Erdatmosphäre durchbrochen hat - und vor kurzem auf dem Grundstück von Peter Schöffler aus Schneeberg landete. Jenem Mann, der das Teil jetzt in seinen Händen hält. Beweise für die Theorie gibt es noch nicht. Aber Anhaltspunkte. Inzwischen beschäftigen sich Experten der Sternwarte Schneeberg, der Bergakademie Freiberg und ein Astronom aus Potsdam mit dem Fall.

Schöffler war über seine Wiese spaziert, auf der er fast jeden Grashalm kennt. "Auf einmal sah ich diesen merkwürdigen Brocken, der kurz vorher noch nicht dort gelegen hatte", berichtet er. Schöffler nahm das Stück in die Hand und merkte, dass es im Verhältnis zu seiner Größe relativ schwer war. Zudem fühlte es sich wie Metall an. Er entdeckte eine Mulde, in der das Gestein gelegen hatte. Und auch die war vorher noch nicht da. "Wie soll dieser Stein dorthin gekommen sein - außer von oben?", fragte sich Schöffler irritiert. Er telefonierte mit der Sternwarte. Und schon wenig später stand Mitarbeiter Mike Behnke am Fundort in Neustädtel. Er bekommt oft Steine gezeigt, von denen behauptet wird, sie kämen aus dem All. Meistens sieht er auf den ersten Blick, dass das aus der Luft gegriffen ist. Diesmal lag die Sache anders.

"Für die Meteoriten-Theorie spricht die Mulde, in der das Gestein lag. Sie kann durch den Aufprall entstanden sein. Dazu lag Material um den Stein herum, das möglicherweise - ebenfalls durch den Aufprall - absplitterte", sagt Mike Behnke. Einschläge von Himmelskörpern in Deutschland sind selten. Im Erzgebirge wurde im Jahr 1724 in Steinbach zum letzten Mal ein Meteorit gefunden. Doch Behnke relativiert: "Jeden Tag kann etwas herunterkommen. Viele Meteoriten bleiben unentdeckt, weil sie im Meer oder im Wald landen." Allerdings kam in Deutschland ein Meteorit auch schon gefährlich nahe: 1987 krachte er in Berlin in ein Gewächshaus.

Es gibt aber eine weitere Theorie: Diese vertritt der Astronom André Knöfel aus Potsdam. Er hat inzwischen Fotos vom vermeintlichen Meteoriten aus Neustädtel gesehen. "Ich schließe nicht aus, dass das Teil tatsächlich aus dem Weltall kommt. Doch es kann auch aus der Erde stammen. Vor 300 Jahren wurde in der Gegend Eisenerz verhüttet." Vielleicht sei der Stein eine Mischung aus Schlacke und Metall, die bei der Verhüttung übriggeblieben ist. "Und nach oben gedrückt wurde." Die Bergakademie Freiberg plant eine chemische Analyse. Bis dahin bleibt er spannend - der mutmaßliche Fall aus dem Weltall.