Das sagen die lokalen CDU-Politiker unisono zum Rücktritt von Christian Wulff: Nun müsse man einen „überparteilichen“ Kandidaten finden, also einen Bundespräsidenten, auf den sich alle politischen Fraktionen einigen können. Wobei sich dann sofort die Frage stellt: Warum hat man das nicht schon vor einem halben Jahr getan? Das hätte das Trauerspiel gar nicht erst entstehen lassen.


Gregor Sickel, Vorsitzender der Kreuznacher CDU, hält den Rücktritt für bedauerlich, aber konsequent - „nach den ganzen Dingen, die passiert sind“. Sein Favorit sei Wulff nicht gewesen, er hätte seinerzeit Joachim Gauck bevorzugt. Zu Wulff sagt Sickel diplomatisch: „Ich schätze Wulffs Arbeit, aber ich denke mal, ein Bundespräsident muss auch aufpassen, dass er eine gewisse Würde ausstrahlt.“ Die letzten Geschehnisse hätten dem Amt des Bundespräsidenten „nicht unbedingt genutzt“. Sickel fügt hinzu, Wulff sei auch „mehr oder weniger an den Medien gescheitert“, wobei er das gar nicht einmal als Medienschelte versteht, sondern als Kritik an einem Politikstil, der sich zu sehr an medialer Repräsentanz orientiere. Denn wenn man stets die Nähe der Medien suche, um sich „schön darzustellen“, müsse man sicht nicht wundern, wenn die Medien auch dann ein besonderes Interesse an der Person zeigten, wenn es um negative Aspekte gehe. Eine „gewisse Zurückhaltung“ sei da schon angebracht, und eins komme hinzu: „Man sollte auch nach Möglichkeit ehrlich sein, dann passieren solche Sachen auch nicht.“ Und wenn einmal Zweifel in der Öffentlichkeit auftauchten, müsse man diese möglichst offen aufklären - nicht „scheibchenweise“, so seine leise Kritik am Wulffs Umgang mit den gegen ihn erhobenen Vorwürfen.

CDU-Veteran Peter Anheuser bringt es auf den Punkt: „Man lässt sich auf solche Sachen wie diesen Kredit einfach nicht ein, ich sag immer: Wehret den Anfängen!“ Auch als Lokalpolitiker habe man ja ständig mit solchen Dingen „zu tun“, aber „ich hab von Anfang an gesagt: keinen Pfennig, keinen Cent, mal essen gehen, ja, aber sonst nichts“.

Mirko Helmut Kohl, Vorstandsmitglied der CDU, hält den Rücktritt für den „richtigen Schritt“, denn Wulff habe „das Vertrauen der breiten Mehrheit nicht mehr gespürt“. Es sei zwar zum jetzigen Zeitpunkt „vielleicht schwierig, das einzugestehen, aber ich hätte damals auch Wulff gewählt“. Kohl erinnert daran, dass nach dem vorzeitigen Ausscheiden des im Politikgeschäft nicht beschlagenen Horst Köhler auch ein Kandidat erwünscht war, dem dieses „Geschäft“ nicht fremd sei. Er begrüße es, dass nun ein überparteilicher Konsens gefunden werden soll - auf die Frage, warum man das nicht schon vor einem halben Jahr getan habe, sagt er: „Ja, das ist aber doch immer so, dass die Regierungsparteien zunächst einmal ihren Kandidaten aussuchen.“

Die CDU-Landtagsabgeordnete Bettina Dickes erklärt, sie bedauere es menschlich, was mit Wulff geschehen sei, auch für seine Frau. Politisch habe er nicht mehr anders handeln können, er habe keine Chance mehr gehabt, deswegen gebühre ihm für sein Handeln Respekt. Dickes ist der Auffassung, so mancher, ob Medien oder Bürger, müsse sich fragen, ob er über Wulff tatsächlich moralisch von einem „hohen Roß“ herab urteilen könne. „Die selben Leute, die mich nach kostenlosen Eintrittskarten fragen oder darum bitten, ihren Kindern unter der Hand einen Schulplatz zu besorgen, reden jetzt davon, wie unanständig Wulff sei.“