Das Klima brachte vor rund 4.000 Jahren die alte Harappa-Hochkultur im Nordwesten des Indischen Subkontinents zu Fall. Sie gilt als eine der drei großen frühen Zivilisationen der Menschheit und erstreckte sich über eine größere Fläche als Ägypten und Mesopotamien zusammen. Jetzt hat ein internationales Forscherteam herausgefunden, dass ein immer schwächer werdender Monsun die Indus-Kultur erst ermöglichte, dann aber zum Niedergang verurteilte. Die zunehmende Trockenheit habe die Flusslandschaft im Indusgebiet erst soweit stabilisiert, dass die Bewohner dort intensive Landwirtschaft betreiben und ihre großen Städte bauen konnten. Diese Phase habe aber nur rund 2.000 Jahre gedauert, berichten die Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences". Dann wurde das Klima noch trockener und zwang Harappa zum Aufgeben ihrer Städte und Felder.
Bisher gab es nur Spekulationen über das rätselhafte Schicksal der Harappa-Zivilisation, wie Liviu Giosan von der US-amerikanischen Woods Hole Oceanographic Institution und seine Kollegen berichten. Diese faszinierende Kultur habe in ihrer Blütezeit eine Million Quadratkilometer Fläche und bis zu zehn Prozent der gesamten Weltbevölkerung umfasst. Ihr Siedlungsgebiet konzentrierte sich in einer ausgedehnten Ebene östlich des Indus, die von zahlreichen Flüssen durchströmt wurde, dem sogenannten Ghaggra-Hakra-Flusssystem.
Monsun statt Himalaya-Gletscher als Wasserquelle
Die neuen Untersuchungen mit Hilfe von Satellitendaten und Bohrungen vor Ort zeigen nun, dass dieses Flusssystem - im Gegensatz zum Indus und Ganges - nicht durch die Gletscher des Himalaya gespeist wurde, sondern vornehmlich durch die Regenfälle während des Monsuns. Das habe die Harappa, deren Felder entlang dieser Flüsse lagen, extrem abhängig von diesen jährlich wiederkehrenden Regenzeiten gemacht, sagen die Forscher. Die fruchtbare Flussebene bot ihnen lange Zeit optimale Bedingungen, um reiche Ernten zu erzielen. Gegen Ende der Harappa-Blütezeit seien jedoch immer mehr dieser Flüsse ausgetrocknet oder hätten nur noch zeitweise Wasser geführt, weil sich der Monsun weiter nach Osten verlagerte.

Geologie, Klimaforschung und Archäologie kombiniert
Für ihre Studie erstellte das internationale Team zunächst aus Satellitendaten ein digitales Geländemodell des ehemaligen Siedlungsgebiets der Indus-Bewohner. In Ausgrabungen vor Ort, Bohrungen und zahlreichen Sedimentproben erkundeten sie dann, wie sich dieses Gebiet und vor allem die dortigen Flussläufe im Laufe der Zeit verändert haben. "Nachdem wir einmal diese geologischen Informationen hatten, konnten wir sie mit dem kombinieren, was wir über die Siedlungen, das Klima und die von den Indus-Bewohnern angebauten Pflanzen wussten", erklärt Mitautor Dorian Fuller vom University College London.

(doi: 10.1073/pnas.1112743109)
(Proceedings of the National Academy of Sciences, NPO)




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