
Der Anstieg des C-14-Anteils in den entsprechenden Jahresringen ist derart hoch, dass die Forscher unter Fusa Miyake von der japanischen Nagoya University schlussfolgern, dass der Anteil von C-14-Isotopen in der Erdatmosphäre plötzlich innerhalb nur einen Jahres um 1,2 Prozent angestiegen war. Dies entspricht etwa dem Zwanzigfachen der damaligen Durchschnittswerte. Auch internationale Kollegen wie etwa Daniel Bake vom Laboratory for Atmospheric and Space Physics an der University of Colorado stimmten mit Miyake überein und postulierten: "Um 775 muss es zu einem sehr energiereiche Ereignis gekommen sein."
In den historischen Aufzeichnungen fanden die Forscher bislang jedoch weder Hinweise auf eine damals sichtbare Supernova, also eine Sternenexplosion, noch auf durch eine hohe Sonnenaktivität ausgelöste auffallend starke Polarlichter.
Von einem Bericht über die ungewöhnliche Entdeckung der japanischen Wissenschaftler inspiriert, machte sich der Biochemiker Jonathon Allen von der University of California, Santa Cruz, selbst auf die Suche nach einer passenden historischen Aufzeichnung.
Tatsächlich wurde der in einer angelsächsischen Chronik aus dem 8. Jahrhundert fündig, die das Erscheinen eines "roten Kruzifix" beschreibt, wie es im Jahre 774 am Himmel über den britischen Inseln zu sehen gewesen sein soll. "Ich wusste, dass aus einer derart frühen Zeit nur vergleichsweise wenige niedergeschriebene historische Aufzeichnungen vorhanden sind. Alles was ich bis dahin kannte, waren religiöse Texte und Chroniken, die die Abfolge von Herrschern darstellen", erinnert sich Allen. "Alles was ich dann gemacht habe, war eine Internetsuche im 'Avalon Projekt', einem freizugänglichen Online-Archiv historischer Dokumente, das von der Yale University zur Verfügung gestellt wird. Hier suchte ich unter dem Jahr 774 und fand einen Hinweis auf ein "rotes Kruzifix", das immer nach Sonnenuntergang am Himmel auftauchte. Das erinnerte mich doch sehr an eine Art kosmisches Ereignis."
Die bislang unbekannte mögliche Supernova könnte sich, so Allen weiter, hinter einer kosmischen Staub- und Gaswolke abgespielt haben, was die Röte der Erscheinung ebenso erklären könnte wie auch den Umstand, dass modernen Astronomen die Reste dieser Sternenexplosion bislang noch nicht als solche entdeckt bzw. identifiziert haben, berichtet das Fachmagazin Nature.
"Allen könnte da wirklich auf etwas gestoßen sein", bestätigt auch Geza Gyulk, Astronom am Alder Planetarium in Chicago, der angelsächsische Chroniken nach astronomischen Ereignissen hin untersucht. "Die Beschreibung im Text legt nahe, dass das Objekt am westlichen Himmel kurz nach Sonnenuntergang zu sehen war. (...) Dies würde bedeuten, dass es sich weiterhin hinter die Sonne bewegt hatte, von wo es dann, durch die Drehung der Erde um die Sonne, nicht mehr gesehen werden konnte. Zusammen mit der Lichtschwäche dieses möglichen 'Neuen Sterns' hinter der ihn verbergenden Wolke, könnte erklären, warum die Erscheinung nicht auch anderen Ortes gesehen und niedergeschrieben wurde."
Kritiker verweisen indes schon jetzt auf den Umstand, dass derartige historische Chroniken nur schwer zu interpretieren seien und es für das "rote Kruzifix" auch andere natürliche Erklärungen, etwa Polarlichter oder die Reflexion von Sonnen- und/oder Mondlicht in Eispartikeln in hohen Atmosphärenschichten geben könnte. (Eine Auswahl historischer Abbildungen, die auf sogenannte Halo-Erscheinungen zurückgeführt werden können, finden Sie HIER. Fotos moderner Halo-Erscheinungen finden Sie HIER.)
grenzwissenschaft-aktuell.de
Quelle: scientificamerican.com, nature.com



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