Blitze trafen Menschen, sorgten für Brände und Probleme im Zugverkehr: Heftige Unwetter haben am Freitagabend (27.07.2012) in NRW dem sommerlichen Wetter der vergangenen Tage ein jähes Ende bereitet.

© Userfoto vom Unwetter über Bochum
Acht Züge steckten zwischen Dortmund und Köln fest, nachdem ein Blitz in ein Stellwerk bei Solingen eingeschlagen war. Weitere Züge mussten umgeleitet werden, berichtete ein Sprecher der Deutschen Bahn. Ein Techniker sei gerufen worden, um die Störung in dem Stellwerk zu beheben. Ab 22.00 Uhr wurde der Betrieb wieder aufgenommen. Probleme gab es auch auf der Strecke der Rurtalbahn. Bäume waren auf die Gleise gefallen, außerdem funktionierten mehrere Schranken nicht mehr. Die Zugstrecke zwischen Untermaubach und Nideggen war fast fünf Stunden nicht befahrbar. Als Ersatz wurden Busse eingesetzt.
Stromschlag bei LöschversuchMehrere Brände machten hingegen Feuerwehr und Polizei zu schaffen. Im sauerländischen Olsberg schlug ein Blitz in den Dachstuhl eines Einfamilienhauses ein und setzte diesen in Brand. Der Hauseigentümer erlitt bei seinem Löschversuch einen Stromschlag, sein Bruder zog sich eine Rauchgasvergiftung zu. Beide wurden schwerverletzt in ein Krankenhaus eingeliefert. Den Sachschaden schätzt die Feuerwehr auf rund 20.000 Euro.
Über 500 Feuerwehreinsätze im Raum KölnIn Leverkusen wurde ein 39-Jähriger von einem Blitz getroffen. Er hatte gemeinsam mit seiner sechs Jahre alten Tochter Schutz unter einem Baum gesucht. Laut Polizei erlitt der Familienvater einen Stromschlag, schwebte am Samstag (28.07.2012) jedoch nicht in Lebensgefahr. Glimpflich davon kamen die Bewohner eines Hauses ebenfalls in Leverkusen, in dem nach einem Blitzeinschlag ein Kühlschrank in Brand geriet. Niemand wurde verletzt. Insgesamt rückte die Polizei allein im Bereich Köln zu mehr als 500 Einsätzen aus.
Motorradfahrer stirbt nach KollisionIn Ennepetal schlug ein Blitz in einen Wald ein. 3.000 Liter Wasser waren nötig, um das Feuer, das an einem Steilhang ausgebrochen war, zu löschen. In Jülich verlor ein 31-Jähriger auf regennasser Fahrbahn die Kontrolle über seinen Wagen und stieß mit einem entgegenkommenden Motorrad zusammen. Der 48-jährige Kradfahrer erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen. Auf der A1 in Richtung Köln wurde ein Motorradfahrer vom Blitz getroffen und schwer verletzt. Er prallte gegen ein Auto und stürzte auf die Fahrbahn, teilte die Polizei mit.
Windhose deckt Hausdächer abIm westfälischen Bönen entwickelte sich ein Gewitter zu einer Windhose. Drei Hausdächer wurden abgedeckt. Strom und Gas wurden vorsorglich abgestellt. Verletzt wurde niemand. Drei brennende Häuser durch Blitzeinschlag und viele voll gelaufene Keller - so lautet die Bilanz des Unwetters in Südwestfalen. Besonders traf es den südlichen Märkischen Kreis. In Lüdenscheid, Meinerzhagen, Plettenberg, Kierspe und in Teilen Halvers hatte die Feuerwehr bis 23.00 Uhr etwa 190 Einsätze. Im Kreis Olpe musste sie vor allem in Attendorn ausrücken. Im Rest Südwestfalens gab es vor allem starke Regenfälle.
Reihenweise ÜberflutungenAm heftigsten seien die Unwetter rund um die Kleinstadt Kierspe im Sauerland gewesen, berichtete der WDR-Wetterdienst. Innerhalb von zwei Stunden seien dort 80 Liter Regen pro Quadratmeter heruntergekommen. Es habe "reihenweise Überflutungen" gegeben, sagte Meteorologin Rebekka Krampitz. In der Nacht habe es am Niederrhein besonders stark geregnet. In Issum fielen binnen einer Stunde 28 Liter Regen pro Quadratmeter - ein Drittel des Monatssolls.
Boote in NotIm Kreis Düren rückte die Feuerwehr zu 35 Einsätzen aus. Bäume waren wegen der starken Regenfälle umgestürzt, weshalb laut Polizei einige Straßen kurzzeitig gesperrt wurden. Ein Baum kippte nach Angaben der Feuerwehr auf ein parkendes Auto. Auf dem Rursee gerieten vier Boote mit insgesamt neun Menschen in Not. Die Feuerwehr holte sie aus dem Wasser. Verletzte gab es nicht.
Hochsommer macht PauseIn der Nacht zu Samstag beruhigte sich das Wetter weitgehend, doch auch am Vormittag gab es noch kräftige Schauer und vereinzelt Gewitter. Am Nachmittag setzt sich von Westen her trockeneres Wetter mit etwas Sonnenschein durch. Die Temperaturen liegen zwischen 20 bis 24 Grad, im Bergland um 19 Grad. Es bläst ein kühler und böiger Nordwestwind. Am Sonntag (29.07.2012) wechseln sich Sonne und Wolken ab. Bei Temperaturen um 21 Grad gibt es noch einige Schauer. In der nächsten Woche beruhigt sich das Wetter weiter, doch es wird vorerst nicht mehr hochsommerlich.
Kommentare von Lesern
für unseren Newsletter an