Vor etwa 230 Millionen Jahren starben sie in einem Tropfen Harz: Zwei Gallmilben und ein zweiflügliges Insekt wurden auf diese Weise im Bernstein für die Ewigkeit konserviert. Sie sind nun die ältesten bekannten Zeugnisse von Gliederfüßern, zu denen alle heutigen Insekten, Krebse und Spinnentiere gehören. Entdeckt wurden die winzigen Botschafter aus dem Erdzeitalter Trias von einem internationalen Forscherteam in Bernsteintröpfchen aus den italienischen Dolomiten. Sie sind 100 Millionen Jahre älter als alle bisherigen Funde dieser Tiergruppe, berichten Alexander Schmidt von der Universität Göttingen und seine Kollegen.
Bernsteine sind aus dem Harz urzeitlicher Bäume entstanden. Die meisten stammen aus der Kreidezeit vor etwa 130 Millionen Jahren. Deshalb sind auch die meisten bisher entdeckten eingeschlossenen Arthropoden Vertreter dieses Erdzeitalters. Aus diesem Grund hatten sich die Forscher gezielt auf die Suche nach Einschlüssen in Bernsteinen gemacht, die aus der Trias stammen: Sie blickten in die transparenten Strukturen von insgesamt 70.0000 Bernsteintropfen aus den Dolomiten. Nach sechs Jahren akribischer Suche kamen dabei neben Spuren von Mikroorganismen und Pflanzenresten die drei Gliederfüßer zum Vorschein.
Urzeitliche Baum-Parasiten

Bei dem dritten Bernsteineinschluss handelt es sich um die Spuren eines Zweiflüglers, also eines Insekts. Leider ist eine genauere Zuordnung nicht möglich, da die meisten Körperteile nicht vollständig erhalten sind. Das Fossil zeigt aber, dass auch Insekten in ungewöhnlich alten Bernsteinen enthalten sein können, sagen die Forscher. In den edlen Steinen könnten also noch viele weitere Geheimnisse schlummern. „Nach dem größten Massensterben der Erdgeschichte am Ende des Perm vor etwa 250 Millionen Jahren gab es in der darauffolgenden Trias große Veränderungen in der Pflanzen- und Tierwelt", erklärt Schmidt. Für das Verständnis der Evolution sei die Zeit der Trias daher besonders wichtig. Die Bernsteinfunde können Fenster in diese Ära öffnen, sagen die Wissenschaftler.
Alexander Schmidt (Universität Göttingen und seine Kollegen) et al.: PNAS, doi: 10.1073/pnas.1208464109




Kommentare von Lesern
für unseren Newsletter an