
Bisherige Untersuchungen der Massen von Galaxien und ihrer Schwarzen Löcher hatten bislang eine direkte Verbindung zwischen der Masse des zentralen Schwarzen Lochs einer Galaxie und der Masse ihrer Sterne aufgezeigt. Demnach kommt das Schwarze Loch dabei in der Regel nur auf einen winzigen Bruchteil der Gesamtmasse der Galaxie.
Wie das Astronomenteam um Remco van den Bosch vom Max-Planck-Institut für Astronomie (MPIA) aktuell im Fachjournal Nature berichtet, ist es nun mit Hilfe von Beobachtungen mit dem Hobby-Eberly Telescope und archivierten Bildern des Weltraumteleskops Hubble jedoch gelungen, ein supermassereiches Schwarzes Loch ausfindig zu machen, das diese allgemein akzeptierte Beziehung zwischen Schwarzloch- und Galaxienmasse ins Wanken bringen könnte - eine Beziehung, die zugleich aber auch eine wichtige Rolle in allen derzeit gängigen Modellen der Galaxienentwicklung spielt.

Die große Überraschung für Astronomen und Astrophysiker besteht nun darin, dass die Masse des zentralen Schwarzen Lochs 14 Prozent der Gesamtmasse von "NGC 1277" ausmacht - im Vergleich mit üblichen Werten rund um 0,1 Prozent. Das schlage den bisherigen Rekord um einen Faktor von mehr als zehn. Astronomen hätten ein Schwarzes Loch dieser Größe in einer mindestens zehn Mal größeren strukturlosen (elliptischen) Galaxie erwartet - nicht jedoch in einer kleinen Scheibengalaxie wie "NGC 1277".
Während zunächst vermutet wurde, dass das derart überraschend massereiche Schwarze Loch vielleicht nur eine seltene Laune der Natur oder gar die absolute Ausnahme sein könnte, weisen vorläufige Analysen weiterer Daten schon jetzt in eine andere Richtung: "Bis dato hat die Suche von van den Bosch und seinen Kollegen noch fünf weitere Galaxien zu Tage gefördert, die vergleichsweise klein sind, aber dennoch ungewöhnlich massereiche zentrale Schwarze Löcher beherbergen dürften. Definitiv wird sich dies aber erst sagen lassen, wenn detaillierte Abbildungen dieser Galaxien vorliegen."
Bestätigen sich diese weiteren Fälle und gibt es in der Tat noch mehr Schwarze Löcher wie das im Zentrum der Galaxie "NGC 1277", so müssen die Astronomen ihre Modelle der Galaxienentwicklung grundlegend überdenken: "Insbesondere müssen sie dabei das frühe Universum ins Auge fassen: Die Galaxie 'NGC 1277' hat sich anscheinend vor mehr als 8 Milliarden Jahren gebildet und seither nicht sehr verändert. Wie immer dieses gigantische Schwarze Loch entstanden ist - es muss vor langer Zeit passiert sein."
Quelle: mpia.de



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