Sie sollten es sich vielleicht noch einmal überlegen, falls Sie in diesem Jahr Ihren Urlaub an einem der Strände Floridas verbringen wollten: Immerhin befürchtet man in diesem Sommer dort eine Invasion riesiger Steckmücken, die 20 Mal größer als andere Mücken sind und deren Stiche sich wie Stechwunden anfühlen.
Riesenmücken
© University of Florida/Russia TodayVergleich einer "Riesenmücke" mit einer "normalen" Mücke.
Diese angriffslustigen Mücken greifen Fische, wildlebende Tiere und Haustiere an. Ihre Larven sind so aggressiv, dass sie kleine Fische und Kaulquappen fressen können. Aufgrund ihrer Körpergröße, die einer Vierteldollarmünze (Durchmesser 24,26 Millimeter) entspricht, dringt der
Stechrüssel dieser Insekten durch die Kleidung. Diese Tiere sind dafür bekannt, praktisch zu jeder Tageszeit anzugreifen.

»Man hat das Gefühl, als würde man mit einem Messer gestochen«, berichtete ein Einwohner Floridas gegenüber dem lokalen Fernsehsender Fox Orlando, als er den Stich der so genannten Gallinipper-Stechmücke (Psorophora ciliata) beschrieb. Und genau diese riesigen Stechmücken sollen Florida in diesem Sommer heimsuchen.

In der Regel tauchen diese großen Mücken nach heftigen Regenstürmen oder Sturmfluten auf. Bereits im vergangenen Jahr waren diese Tiere in erheblicher Anzahl in Florida gefunden worden, und man rechnet in diesem Jahr mit noch weitaus größeren Zahlen. Nach dem tropischen Wirbelsturm Debby kam es zu zahlreichen wolkenbruchartigen Regenfällen, wobei in einigen Gebieten Floridas im vergangenen Juni mehr als 50 Zentimeter Regen fielen. Damit boten sich den Gallinipper-Mücken ideale Brutverhältnisse für kommende Generationen. Die Folgen dieser »geburtenstarken Jahrgänge« werden in diesem Sommer im »Sonnenschein-Staat«, wie Florida auch genannt wird, deutlich zu spüren sein, und man rechnet damit, dass diese riesigen blutsaugenden Insekten viele Opfer mit quälend juckenden und schmerzhaften Stichen plagen werden.

»Aufgrund der Wetterereignisse des letzten Jahres und der idealen Schlupfbedingungen für die Mückeneier müssen wir wieder mit extrem großen Populationen dieser Mücken rechnen«, erklärte der Insektenexperte Phil Kaufman von der Universität von Florida gegenüber der Zeitung Gainesville Sun. »Wir raten der Bevölkerung und den Gästen, Oberbekleidung und Hosen mit langen Ärmeln bzw. Beinen zu tragen. Aber das allein wird möglicherweise nicht ausreichen, um sich vor dieser Stechmückenart zu schützen. Man sollte zusätzlich auf bekannte Insektenschutzmittel zurückgreifen, um die Mücken davon abzuhalten, auf einem zu landen. Ich kann Ihnen versichern, dass ein Stich dieses Insekts wirklich schmerzt.«

Anders als die anderen in der Region üblichen Mücken, die in der Regel nur in der Morgen- oder Abenddämmerung stechen, sind die Gallinipper-Mücken Tag und Nacht aktiv. Aufgrund ihrer Größe könnte es auch sein, so vermuten einige Wissenschaftler, dass sich die Tiere von herkömmlichen Insektenschutzmitteln nicht abschrecken lassen - selbst nicht von denen, die das verbreitete Insektenschutzmittel Diethyltoluamid (DEET) enthalten. »Diese Mücken stechen selbst durch feste Leinenshorts hindurch«, erklärte der in Florida lebende Ken Clark gegenüber dem Internet-Nachrichtenportal Ann Arbor News. »Wir haben noch nie eine Mücke gesehen, die ein solches Material durchstechen konnte.«

Diese aggressive Mückenart wurde erstmalig Ende des 19. Jahrhunderts erwähnt. Damals wurde sie als »die schlauste, gemeinste und giftigste« aller bekannten Mückenarten bezeichnet. Die Stiche dieser Mücke sind zwar nicht tödlich, und es werden auch keine für den Menschen gefährlichen Krankheiten übertragen, aber ihre Stiche fühlen sich an, als rührten sie von einem »Messer« her und hinterlassen Spuren, die sich nur langsam zurückbilden.

Der Verwaltungschef der Gesundheitsbehörde im Landkreis Alachua, Paul Myers, warnt die Bevölkerung vor einem »sehr rauen Sommer«. Zusammen mit der Zunahme der Zahl der »burmesischen Python« (Python molurus bivittatus), die sich seit Ende des letzten Jahrhunderts verstärkt vor allem in der Sumpfregion der Everglades ansiedelt, könnte die Mückenplage dieses Sommers durchaus dazu führen, dass es sich Ferienreisende zweimal überlegen, ob sie in diesem Jahr wirklich im Sonnenschein-Staat Urlaub machen sollten.

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