Wäre es somit denkbar, dass diese frühen Zivilisationen einen Weg fanden, allem nachfolgenden Leben der Galaxis einen ganz persönlichen »Stempel« aufzudrücken, eine kosmische Botschaft, die neu aufblühende Zivilisationen erst zu viel späteren Zeiten entdecken könnten? Einige Astrophysiker halten dies für durchaus möglich.
Ausgerechnet um den 1. April ging ein leichtes Rauschen durch den naturwissenschaftlichen Blätterwald, das eine ziemlich ungewöhnliche Idee mit sich trug: Uralte außerirdische Zivilisationen sollen angeblich einen komplexen Code in unsere Gene eingepflanzt haben, als unauslöschliche galaktische Botschaft. Verschlüsselt in unserem Erbgut befinden sich mathematische Muster, die nach Ansicht einiger Wissenschaftler nicht durch die natürliche Evolution entstanden sein können.
Das klang doch alles nach einem Aprilscherz! Wer aber auf Quellensuche ging, wurde diesbezüglich enttäuscht. Oder entschädigt, je nachdem. Denn die Aussagen basieren auf einer wissenschaftlichen Arbeit, die bereits am 26. Juni 2012 zur Publikation an Icarus übermittelt wurde, eines der führenden Fachmagazine zur Planetenforschung, zu dessen Herausgeberkreis immerhin auch der berühmte Astrobiologe Carl Sagan zählte. Icarus akzeptierte am 12. Februar dann die Veröffentlichung. Damit nahm eine eher fantastisch anmutende Grundthese ihren Einzug in den »Mainstream«.
Vladmir I. Tscherbak von der Mathematischen Fakultät der Al-Farabi-Universität und sein Kollege Maxim A. Makutow vom Fesenkow-Institut für Astrophysik, beides in Almaty, Kasachstan, diskutieren nicht nur eine neue Möglichkeit für die Suche nach außerirdischem Leben (SETI - Search for Extraterrestrial Intelligence), sondern wollen mit ihrer Studie sogar aufzeigen, dass unsere Gene nicht auf natürlichem Wege entstanden sein können. Damit führt ihre Theorie letztlich zum Konzept der gelenkten Panspermie, einer von fremden Intelligenzen gezielt im All verbreiteten Lebenssaat.
Am 15. August 1977 registrierte der Astrophysiker Jerry R. Ehman während seiner Arbeit am SETI-Projekt der "Ohio State University" ein Aufsehen erregendes Signal, das aus dem Sternbild Schütze stammte. Dieses Signal war mit rund zehn Kilohertz auffallend engbandig und gegenüber dem Hintergrundrauschen sehr stark, wobei die Frequenz ziemlich exakt bei der charakteristischen Wellenlänge der Spin-Umkehr von neutralem Wasserstoff lag, das heißt: des Elektronen-Spin-Flips mit einer Abstrahlung bei genau 21,10611405413 Zentimetern Wellenlänge und somit im Mikrowellenbereich.
Dieser Hyperfeinstruktur-Übergang wurde 1959 von zwei US-Astronomen unter anderem wegen seiner Universalität als die beste SETI-Frequenz definiert, womit auch die wissenschaftliche SETI-Forschung geboren war. Ein großer Vorteil dieser Strahlung beruht auf ihrer Eigenschaft, ausgedehnte Wolken interstellarer Materie zu durchdringen, die im sichtbaren Licht undurchdringlich sind. Der an sich seltene, aber in kosmischen Dimensionen eben doch häufig stattfindende Übergang ermöglichte auch, erste Karten der Verteilung von neutralem Wasserstoff HI in unserer Galaxis zu erstellen, und offenbarte dann ab 1952 zunehmend ihre Spiralstruktur.
Und nun, an jenem 15. August 1977, traf im »Big Ear«, dem Radioteleskop der Staatsuniversität von Ohio, genau auf besagter Wellenlänge ein bemerkenswertes Signal ein. In seinem gesamten Charakter entsprach es ziemlich präzise den Erwartungen, wie sie Wissenschaftler an einekünstliche Signalquelle im All knüpften. Ein echter Versuch interstellarer Kommunikation, unternommen von einer fremden Zivilisation?
Dr. Ehman war sofort alarmiert, geradezu elektrisiert. In seiner Begeisterung umrandete er die entsprechende Zeichenfolge (»Code 6EQUJ5«) rot und notierte daneben schlichtweg »WOW« - »TOLL«! Und so wurde dieser Fund als das »WOW-Signal« bekannt. Nur leider tauchte es nie wieder auf - so blieb auch die Herkunft ungeklärt. Bis heute aber gilt es als eines der aufregendsten Signale, die von SETI empfangen wurden. Leider. Denn über die vielen Jahre wurden keine faktischen Botschaften bekannt, aus welchen Gründen auch immer. Aber das wäre eine eigene Diskussion.
Nun überlegen SETI-Forscher schon lange, welche Möglichkeiten neben der üblichen radioastronomischen Fahndung noch bestehen, Botschaften Außerirdischer aufzuschnappen. Denn trotz der gegenüber den Anfängen radikal verbesserten Technologien und der Möglichkeit, zahllose Frequenzen parallel abzutasten, blieb der Erfolg aus, so dass sich die Fachleute zwangsläufig Gedanken über alternative Methoden machen mussten. So begann man unter anderem auch nach optischen Signalen zu suchen oder über bewegte Gammastrahlenquellen nachzudenken, die auf Raumschiffe mit sehr fortschrittlichen Antriebsquellen hindeuten könnten. Utopische Ideen, nur, dass solche fremden Intelligenzen für »Postkopernikaner« alles andere als abwegige Utopien sein sollten.
Tscherbak und Makukow halten weit fortgeschrittenes Leben in der Galaxis ebenfalls für wahrscheinlich und denken noch weiter, wenn es um SETI geht. Ihr spezielles Vorgehen zur Suche nach außerirdischer Intelligenz führt sie allerdings nicht in die Tiefen des Alls, sondern in die Tiefen unseres eigenen Körpers, mitten hinein in die Zellen und die Erbsubstanz als unvergleichlichem Informationsträger. Hier nämlich glauben sie auf Hinweise darauf gestoßen zu sein, dass das irdische Leben seinen eigentlichen Ursprung lange vor der Entstehung von Sonne und Planetensystem nahm, vielleicht irgendwo auf einer fernen Welt, in den Laboratorien einer hochentwickelten Superspezies. Blanker Unsinn? Nun, immerhin befasst sich mittlerweile die Fachwissenschaft ernsthaft mit dieser Frage. Vor allem das Weiterdenken, das Sinnen über das Undenkbare, hat die Welt vorangetrieben. Also, warum hier Halt machen? Nach dieser Devise entstand dann auch die Arbeit mit dem bezeichnenden Titel »The ›Wow! Signal‹ of the terrestrial genetic code«. Wer diese wissenschaftliche Veröffentlichung einsehen will, kein Problem. Denn zumindest die Vorabpublikation lässt sich auf der arxiv-Plattform online einsehen.
Zusammengefasst geht es zunächst einmal um die grundsätzliche Erkenntnis, dass sich die DNS als Träger der Erbsubstanz auch hervorragend als beständige »Zeitkapsel« für eine außerirdische Botschaft eignet. Wie die beiden Forscher betonen, handelt es sich um eine Speicherform, die sogar über kosmische Zeitskalen Bestand hat - es sei das »dauerhafteste bekannte Konstrukt« und somit ein außerordentlich verlässlicher Speicher für eine intelligente Signatur. Tscherbak und Makukow diskutieren ein Szenario, bei dem eine uns um Millionen oder gar Milliarden Jahre voraus entwickelte galaktische Zivilisation ihre ganz individuelle »Herstellermarke« in unseren Genen hinterlassen hat, in Gestalt einer mathematischen undsemantischen Nachricht, die sich mithilfe der natürlichen Evolution im Sinne von Darwin & Co. nicht erklären ließe. Unter dieser Prämisse müsse man sich also auf eine »biologische SETI« begeben.
Genau dies sei der nächste Schritt ihrer Arbeit gewesen, wobei eine detaillierte Analyse des menschlichen Genoms exakt eine nicht natürlich erklärbare, logische Struktur ergeben habe. Wie sie in ihrer Studie näher erläutern, gebe es innerhalb des genetischen Codes ein Ensemble von arithmetischen und ideographischen Mustern einer symbolischen Sprache. Darin finde sich die Dezimalschreibweise, außerdem logische Transformationen sowie der Gebrauch des abstrakten Symbols für Null. »In ihrer akkuraten und systematischen Ausprägung erscheinen diese zugrundeliegenden Muster als das Produkt von präziser Logik und nichttrivialer Rechenoperationen«, so die beiden Autoren.
Ihre Schlussfolgerung: Es scheine, der genetische Code sei »bereits vor mehreren Milliarden Jahren außerhalb des Sonnensystems erfunden worden«. Dann hätte ihn jene derzeit natürlich noch hypothetische Zivilisation als Lebenssamen über die Galaxis verbreitet, entsprechend dem schon länger bekannten Szenario einer gelenkten Panspermie, die ebenfalls von einer gezielten »Infektion« des Kosmos, fremder Planeten und schließlich auch der Erde mit mikrobiellen Lebensformen ausgeht, initiiert von (mindestens) einer sehr hoch entwickelten fremden Zivilisation. Zum Beispiel über interstellare Wolken gelangte die Basis irdischen Lebens ins Innere von Kometen und Meteoriten, erreichte unsere Welt und startete hier eine neue Entwicklung, wenn auch mit sehr gezielten Vorgaben von außen.
Zunächst scheint es so, als ob das Problem der Lebensentstehung mit solchen scheinbar weit hergeholten Thesen oder Theorien lediglich verschoben worden wäre. An einen anderen Ort im All, hin zu einem anderen, uns unbekannten Planeten und einer anderen, uns völlig unverständlichen Zivilisation.
Das ist der alte Vorwurf an die Panspermie-Idee. Und diesem Vorwurf werden sich auch die Väter des neuen Gedankens ausgesetzt sehen. Allerdings wird das Phänomen der Lebensentstehung im All - einmal völlig abgesehen von einer gencodierten außerirdischen Botschaft - durch dieses Konzept auf eine breitere Basis gestellt und zudem möglicherweise doch auch in einen größeren Zeitrahmen, wie er für den Start intelligenten Lebens in der Galaxis erforderlich gewesen sein könnte.
Nachdem genügend massereiche Sterne erster Generation die in ihrem Inneren synthetisierten schweren Elemente zur Planetenentstehung quer durch die Galaxis verteilt hatten, standen den ersten Zivilisationen noch viele Milliarden Jahre zur Verfügung. Anhand des Berylliumanteils von galaktischen Kugelsternhaufen, riesiger Ansammlungen alter Sterne, ermittelten Astronomen für »unsere« Sternenspirale ein "Alter von rund 13,6 Milliarden Jahren". Sie ist demnach sehr alt und bildete sich sehr bald nach dem heute vermuteten "Zeitpunkt X", an dem das uns bekannte Universum entstanden zu sein scheint, auf welche Art und Weise auch immer.
Natürlich ist die Altersbestimmung auf so riesige Zeiträume mit einiger Unsicherheit behaftet, doch bestätigte eine unabhängige Methode ähnliche Werte. Die ältesten Sterne unseres Systems überschreiten die Marke von "13 Milliarden Jahren". Unser Sonnensystem hat nunmehr nach etablierter Datierung rund "4,6 Milliarden Lenze" auf dem Buckel. Es ist also vergleichsweise ziemlich jung. Vor allerfrühestens "3,9 Milliarden Jahren" erblickten die ersten Lebensformen das Licht unserer frisch gebackenen Welt, so glaubt man derzeit. Andernorts konnte eine früh einsetzende Evolution sich mehr als doppelt so viel Zeit lassen, Zeit, die ursprünglich vielleicht nötig war, während die »externen Impulse« eine beschleunigte Evolution zuließen - diesmal allerdings eine mit »Hersteller-Emblem«. Oder wer oder was sollte es sonst gewesen sein, der für die erste Lebensschöpfung in der Galaxis zuständig war? Und welche Beweggründe mögen eine solche Zivilisation überhaupt getrieben haben, Leben im All zu verbreiten?
Kommentar: Die Mutmaßungen über das "Alter" unseres Universums und somit aller anderen Dinge in ihm, beruhen auf der Mutmaßung das es einen Anfang dieses Universums gegeben hat. Somit impliziert man auch ein "Ende". Jedoch scheinen neueste Forschungen in der Quantenmechanik sowohl, als auch im elektrischen Modell des Universums, den Schluss nahe zu legen, dass es weder einen Anfang noch ein Ende gibt. Somit scheint unser materielles Verständnis über Zeit und Raum fraglich. Könnte es vielmehr sein, das alles zyklisch ist, ohne die Notwendigkeit eines Anfangs oder eines Endes?
Während terrestrische Raummissionen zu anderen Planeten eher darauf bedacht sind, die fremden Welten nicht mit irdischen Organismen zu kontaminieren, befürworten manche Forscher, unter ihnen auch der US-Chemieprofessor Michael Mautner, für die Zukunft eine gelenkte Panspermie. Denn irgendwann wird die Erde unbewohnbar werden, wodurch auch immer, so argumentieren sie. In letzter Konsequenz jedenfalls dürfte es durch das "Ende unserer Sonne" hier recht ungemütlich werden. Aber so weit muss man wohl gar nicht in die Zukunft denken. Auch weit früher mögliche globale Katastrophen könnten unsere Zivilisation schlagartig auslöschen, sei es durch Supervulkane, Großmeteoriten, Umweltzerstörung, Massenvernichtungswaffen oder andere einschneidende Ereignisse. So meint Mautner, es sei durchaus sinnvoll und wichtig, Lebenskeime ins All zu senden, um letztlich das Überleben zu sichern. Haben die »anderen« einst auch so gedacht? Rein rhetorisch zurück gefragt: Wer soll darauf schon die Antwort kennen?
Kommentar:
"Auch weit früher mögliche globale Katastrophen könnten unsere Zivilisation schlagartig auslöschen..."In der Tat gab es in der Vergangenheit viele Katastrophen die Zivilisationen schlagartig auslöschten. Jedoch wurden die meisten nicht von Großmeteoriten ausgelöst, sondern eher von vielen kleineren Feuerbällen die in Schwärmen und in zyklischen Intervallen durch unser Sonnensystem kreisen. Vor allem in den letzten Jahren, scheint sich der Trend dieser Feuerball-Aktivität gerade zu exponentiell nach oben zu korrigieren. Zeichen der Zeit verzeichnet einen gerade zu frappierenden Anstieg an Sichtungen und Berichten von Kometen, rund um die Welt (die deutsche Ausgabe der Liste ist bei weitem nicht vollständig, da wir nur noch schwer hinterher kommen, alle Ereignisse dieser Art zu dokumentieren. Sehen Sie dazu Sott.net).
Hierzu eine, von Sott.net kreierte, Grafik basierend auf den Daten der "American Meteor Society":

Für weitere Informationen, empfehlen wir Ihnen unseren SOTT Fokus.
Eines ist jedenfalls klar: Die Theorie von Tscherbak und Makukow wird sicher noch einige Diskussionen auslösen. Hoffentlich wird sie nicht zur Eintagsfliege, wie jenes WOW-Signal von 1977, das sich auch im Titel der neuen Studie niederschlägt. Ein bemerkenswertes Konzept verbindet sich allemal mit ihr. Das haben auch die Herausgeber von Icarus erkannt.




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