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© AFPDemonstration im Stadion gegen Korruption
São Paulo und Rio senken Nahverkehrspreise

Die Protestbewegung in Brasilien hält an: In Niterói in der Nähe von Rio de Janeiro gab es am Mittwochabend (Ortszeit) erneut schwere Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizisten. Zuvor hatten die Metropolen São Paulo und Rio de Janeiro die Fahrpreiserhöhungen für den öffentlichen Nahverkehr zurückgenommen und damit eine der Forderungen der Demonstranten erfüllt.

Kurz nach der Ankündigung nahmen in Niterói laut Polizei mehr als 7000 Menschen an einem Protestmarsch teil. Die Demonstration verlief zunächst friedlich. Nach Einbruch der Dunkelheit jedoch kam es zu Ausschreitungen, an denen sich etwa 200 bis 300 Menschen beteiligten. Sie warfen einen Bus um, schlugen die Scheiben einer Bankfiliale ein und setzten hölzerne Barrikaden in Brand, wie ein AFP-Fotograf berichtete. Die Polizei setzte Wasserwerfer gegen eine Gruppe von Demonstranten ein, die eine 15 Kilometer lange Brücke zwischen Niterói und Rio blockieren wollte.

Zuvor gab es vor dem Fußball-Spiel Brasilien gegen Mexiko im Confederations Cup in Fortaleza im Nordosten des Landes Ausschreitungen. Die Polizei blockierte den Zugang zum Stadion, vor dem sich etwa 25.000 Demonstranten versammelt hatten. Etwa 10.000 Teilnehmer warfen Steine auf die Beamten. Diese feuerten Tränengas und Gummigeschosse auf die Demonstranten.

Für Donnerstag waren erneut Kundgebungen in ganz Brasilien geplant - vor allem auch in Rio, wo die Nationalmannschaften Spaniens und Tahitis aufeinander treffen sollten. Die brasilianische Regierung hatte am Mittwoch angekündigt, 6000 zusätzliche Elitepolizisten für den Schutz der sechs Austragungsorte des Confederations Cup einzusetzen.

Der Gouverneur des Bundesstaates São Paulo, Geraldo Alckmin, sagte am Mittwoch, die Preiserhöhungen für U-Bahnen, Züge und Busse würden ausgesetzt. Der Bürgermeister von Rio, Eduardo Paes, kündigte eine Preissenkung lediglich für Busfahrten an. Die neuen Regeln sollen am Montag in Kraft treten. Am Dienstag hatten bereits andere brasilianische Städte - darunter Porto Alegre und Recife - die Preiserhöhungen im öffentlichen Nahverkehr zurückgenommen. Das Heraufsetzen der Ticketpreise war ein Auslöser der Massenproteste, die sich innerhalb von zwei Wochen von Porto Alegre über São Paulo auf zahlreiche Städte ausweiteten.

Die Wut der Demonstranten richtet sich auch gegen hohe Ausgaben für die Fußballweltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Sommerspiele 2016. Viele Brasilianer werfen dem Staat vor, Millionensummen in die Infrastruktur für die Sportereignisse zu stecken und dafür Investitionen in das Gesundheits- und Bildungsssystem zu vernachlässigen.

Seit Samstag findet in Brasilien der Confederations Cup statt. Er gilt als Generalprobe für die Fußball-WM im kommenden Jahr, die den Staat rund elf Milliarden Euro kosten soll.

Brasiliens Fußball-Jungstar Neymar zeigte sich "traurig" über die Proteste und äußerte den Wunsch nach einem "gerechteren" Brasilien. Dagegen zeigte Fußballlegende Pelé Desinteresse: "Wir sollten die Verwirrung vergessen, die in Brasilien herrscht, und daran denken, dass die brasilianische Nationalmannschaft unser Land, unser Blut ist", sagte der 72-jährige dreimalige Weltmeister in einer Videobotschaft.