Dem Camp der hungerstreikenden Asylbewerber in München droht die Zwangsräumung. Die Stadtverwaltung verlangt, dass Kinder das Lager verlassen.
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© DPAAuf dem Rindermarkt in München campieren bis zu 60 Asylsuchende in Gartenpavillons
Die Situation im Zeltlager der hungerstreikenden Asylbewerber in München spitzt sich deutlich zu. Eine baldige Zwangsräumung schien gestern Abend wahrscheinlich. Die etwa 50 Flüchtlinge aus verschiedenen afrikanischen und asiatischen Ländern sind seit einer Woche im Hungerstreik, seit Mittwoch trinken sie auch nichts mehr. Bisher 21 Kollabierte wurden in die Klinik gebracht und mit Infusionen versorgt. In der Nacht war der Zustand einer Frau, so sagt der betreuende Arzt Andreas Sliwka, "sehr kritisch".

Der von der Stadt München eingerichtete Krisenstab verlangt, dass die drei Kinder auf dem Campgelände, die normal ernährt werden, das Lager verlassen. "Der Aufenthalt dort schadet dem Wohl der Kinder", sagte Münchens Sozialreferentin Brigitte Meier (SPD) bei Verhandlungen mit Hanifeh Wahafi, Mutter von zwei der Kinder. Mit der Frau aus Afghanistan, ihrer achtjährigen Tochter und dem neunjährigen Sohn bekommt der Protest erstmals ein Gesicht. "Wo waren Sie, als wir in Passau im Asylbewerberheim sein mussten?", fragt sie die Sozialreferentin. "Da ging es den Kindern schlecht, ich konnte aber nicht mit ihnen zum Arzt gehen. Sie mussten ansehen, wie sich in dem Heim Flüchtlinge das Leben genommen haben."

Die Familie ist zerrissen: Der mit zwölf Jahren älteste Sohn wurde am Mittwoch allein nach Österreich abgeschoben und weiter nach Ungarn. Der Vater sollte am selben Tag abgeschoben werden. Er wehrte sich aber so heftig, dass sich der Pilot weigerte, ihn im Flugzeug mitzunehmen. Jetzt sitzt er in München-Stadelheim in Abschiebehaft. Während des Gespräches wurde Frau Wahafi eine Mitteilung des Bundesamtes für Flüchtlinge übergeben, dass der Sohn zurückgebracht und der Vater aus der Haft entlassen werden sollen. Die Familie erhält ein deutsches Asylverfahren.

Eine vermutlich nächtliche Räumung rückt nicht nur näher, weil die Stadt keine Kinder im Camp duldet. Auch werden die Streikenden radikaler. Sie erklärten, dass ein Teil der Gruppe künftig jegliche medizinische Behandlung ablehnt. "Dies ist unsere letzte Mitteilung", heißt es. Die Gruppe beruft sich auch auf den RAF-Terroristen Holger Meins, der 1974 an den Folgen seines Hungerstreiks in Haft gestorben war.