Ein 48-Jähriger aus Guinea ist am Neptunbrunnen verprügelt worden - wohl rassistisch motiviert. Er ist inzwischen außer Lebensgefahr. Das Eingreifen von drei Männer hat Schlimmeres verhindert.

Der lebensgefährliche Angriff auf einen 48 Jahre alten Mann aus Guinea am Neptunbrunnen ist möglicher Weise rassistisch motiviert. "Das Opfer hat in einer Erstbefragung ausgesagt, dass es von den beiden Tatverdächtigen rassistisch beleidigt wurde", teilte Polizeisprecher Stefan Redlich am Mittwoch mit.

Demnach sollen die beiden Männer den 48-Jährigen am Dienstagnachmittag auf polnisch fremdenfeindlich beschimpft haben, als er auf einer Parkbank am Neptunbrunnen saß.

Da der 48-Jährige eigenen Angaben zufolge sehr gut russisch spricht und sich einige Schimpfwörter in beiden Sprachen ähneln würden, habe er die beiden Polen verstanden und ihnen auch geantwortet. Was genau die Täter und das Opfer gesagt haben sollen, wollte Redlich nicht mitteilen.

Nach dem Wortwechsel hätten die beiden Männer dann den 48-Jährigen attackiert. "Sie haben ihn äußerst brutal geschlagen und auch noch getreten, als er schon am Boden lag", sagte Redlich. "Wären nicht mehrere Passanten dazwischen gegangen, hätten ihn die beiden Männer vermutlich zu Tode getreten."

Zeugen verfolgen Angreifer

Demnach ist es vor allem den beherzten Eingreifen von drei Männern zu verdanken, dass der 48-Jährige den Angriff überlebt hat. Er befindet sich inzwischen außer Lebensgefahr, muss aber weiter stationär im Krankenhaus behandlet werden. Nach Angaben von Stefan Redlich hätten die drei aus Berlin stammenden Männer die Angreifer am Dienstagnachmittag angeschrien und vom Opfer weggezogen.

Als die beiden mutmaßlichen Täter die Flucht ergriffen, seien ihnen die drei Männer hinterhergerannt. "Zeitgleich haben sie die Polizei alarmiert und die Route durchgegeben", sagte Redlich.

Am S-Bahnhof Alexanderplatz wurden die beiden 23 und 33 Jahre alten Polen kurz darauf festgenommen. Sie sollen betrunken gewesen sein. Beide Tatverdächtige sind laut Redlich obdachlos, einer von ihnen soll sich schon länger am Neptunbrunnen herumgetrieben haben.

Am Mittwoch erließ ein Haftrichter Haftbefehle wegen versuchten Mordes gegen die beiden Beschuldigten. Sie sollen aus niedrigen Beweggründen gehandelt haben. Wegen des von der Polizei vermuteten rassistischen Hintergrunds hat der Staatsschutz die weiteren Ermittlungen übernommen.

Innensenator Frank Henkel (CDU) sprach am Mittwoch von einer "unerträglichen Tat" und würdigte das mutige Einschreiten der drei Männer während der Attacke. "Es handelt sich um einen außergewöhnlichen Fall von Zivilcourage", sagte der Innensenator.

"Ein solcher Mut ist wünschenswert, aber keinesfalls selbstverständlich. Allen Beteiligten spreche ich meine höchste Anerkennung und Wertschätzung aus." Henkel kündigte an, die drei Männer gemeinsam mit Polizeipräsident Kandt zu belobigen.

Neues Konzept für Alexanderplatz gefordert

Unterdessen forderte die Gewerkschaft der Polizei (GdP) angesichts der neuen Gewalttat ein neues Polizeikonzept für den Alexanderplatz. "Die Polizei muss sich mal überlegen, ob sie ihre Strategie am Alexanderplatz nicht ändern will", sagte der Landesbezirksvorsitzende Michael Purper der Berliner Morgenpost.

"Aus meiner Sicht ist die Gegend zwischen Alex und Rotem Rathaus nur durch mehr Fußstreifen zu sichern. Das Problem ist natürlich, dass wir die Kräfte eigentlich nicht haben, sie also an anderer Stelle abgezogen werden müssten. Der Innensenator sollte sich deshalb Gedanken machen, ob er das Personal der Polizei nicht noch weiter aufstockt."

Henkel verteidigte demgegenüber den Polizeieinsatz am Alexanderplatz: "Wir haben seit einigen Monaten ein neues Sicherheitskonzept für den Alexanderplatz. Leider können auch meine Beamtinnen und Beamte nicht jede dieser verstörenden Gewalttaten verhindern", sagte er. "Dennoch war es uns wichtig, die Sichtbarkeit der Polizei auf dem Platz zu erhöhen und ein schnelleres Eingreifen zu ermöglichen."

Nach der tödlichen Prügelattacke gegen Jonny K. im Oktober vergangenen Jahres hatte die Polizei ihre Präsenz am Alexanderplatz verstärkt. Zum einen laufen mehr Streifenbeamte über den Platz. Zum anderen ist dort jetzt täglich das Kontaktmobil unterwegs - ein mit zwei Beamten besetzter Polizeiwagen, der im Verlauf des Tages an verschiedenen Orten des Alexanderplatzes steht.

Die Beamten informieren einerseits interessierte Bürger über Taschendiebstahl, Trickbetrügerei und ähnliche Delikte. Andererseits können sie im Notfall auch sofort einschreiten, Tatverdächtige verfolgen und festnehmen. Darüber hinaus sind mehr Streifenbeamte auf dem Alexanderplatz unterwegs.

Festnahme von Beamten vor Ort

Dass das Kontaktmobil durchaus Sinn macht, zeigt die schnelle Festnahme der Täter am Dienstagnachmittag. Es waren die Beamten des Kontaktmobils, die die beiden mutmaßlichen Schläger bereits kurz nach der Tat am Bahnhof ergriffen.

Durch die Alarmierung der Zeugen und die Durchsage des Fluchtwegs konnten die beiden Beamten den Männern direkt entgegenlaufen. Anderenfalls wäre den beiden Tatverdächtigen möglicherweise die Flucht gelungen.

Auch GdP-Chef Michael Purper wertet die Festnahme als Erfolg, der auf dem bestehenden Polizeikonzept am Alexanderplatz basiert. "Aber es handelt sich nach meiner Auffassung nur um einen guten Ansatz, der weiter ausgebaut werden müsste."

Nachdem Jonny K. im Oktober 2012 von Berlinern mit Migrationshintergrund zu Tode geprügelt worden war, hatte es dort und in der Umgebung immer wieder Gewaltattacken gegeben.

Vor knapp zwei Wochen wurde im Neptunbrunnen der 31-jährige Manuel F. von einem Polizisten erschossen, nachdem er sich zunächst selbst mit einem Messer verletzt und dann mit der Waffe den Beamten angegriffen hatte.