Neuss - Der Fall ist geklärt, das Entsetzen bleibt. Auf diesen knappen Nenner lassen sich die Erkenntnisse vom Tag nach dem Neusser Familiendrama mit Tatort Ratingen bringen. Dort hatte in der Nacht zum Montag ein Vater (44) zunächst seine sechsjährige Tochter aus Neuss und anschließend sich selbst getötet. Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei fühlen sich von den Ergebnissen der Ermittlungen und der Obduktion der beiden Leichen in ihren Annahmen bestätigt: Es war kein Dritter beteiligt. Da der Täter tot ist, ermittelt die Polizei daher nicht mehr in einer Straftat, sondern versucht lediglich die Umstände des Tötungsdeliktes aufzuklären.
Einige Fragen sind zumindest in der Öffentlichkeit noch nicht beantwortet. Auch wenn die Staatsanwaltschaft es nicht bestätigt: Das Kind wurde offenbar erschossen. Wo ist dann die Tatwaffe und woher kommt sie? Der Vater wurde tot in einem Leihwagen mit Hamburger Kennzeichen auf einem Firmenparkplatz gefunden; auf dem Rücksitz zwei Gasflaschen mit einem Schlauch. Warum ein Leihwagen? Wo ist das Privatauto des Vaters?
Die Tat in RatingenDer 44-Jährige hatte bis Ende 2011 in Neuss gelebt, wo er sich politisch in der Partei Die Linke engagierte. Für seine Fraktion saß er als Sachkundiger Bürger bis Herbst 2011 im Ausschuss für Umwelt und Grünflächen. Als die Beziehung zur Mutter (35) seiner Tochter, eine aktive Parteifreundin, in die Brüche ging, zog der Fahrlehrer nach Ratingen und somit näher an seinen Arbeitsplatz.
Zwei Tote in der Nacht zum Montag entdeckt
Entdeckt Am Sonntag um 22.10 Uhr wird der schwere Geländewagen mit der Leiche des 44-Jährigen auf dem Parkplatz eines Unternehmens in Ratingen-Tiefenbroich von einem Wachmann entdeckt.
Abschiedsbrief Der Mann hinterlässt schriftlich, auch seine kleine Tochter getötet zu haben. Die Sechsjährige wird wenig später in der Wohnung des Vaters an der Reinaldstraße tot aufgefunden.
Seither lebten die Eltern getrennt; die Mutter mit Tochter in Neuss und der Vater in Ratingen, wo ihn das Mädchen regelmäßig besuchte. So auch am vergangenen Wochenende, das blutig endete. Der Mann hinterließ einen Abschiedsbrief, in dem er sich als unheilbar krank bezeichnete. Neusser aus seinem Bekanntenkreis erinnern sich, dass er vor zwei, drei Jahren so schwer erkrankte, dass ihm ein Zeh amputiert werden musste.
Die Staatsanwaltschaft bestätigte am Dienstag nicht, dass im Abschiedsbrief auch Drohungen gegen die Mutter und/oder deren neuen Lebensgefährten formuliert sind. Gesichert ist hingegen, dass die Neusser Polizei auf ihrer Suche nach der Mutter und ihrem Partner in der Nacht zum Montag zunächst zwei Wohnungen in der Neusser City und in Korschenbroich mit Unterstützung eines Schlüsseldienstes öffnete; in beiden Fällen aber niemanden antraf.
Erst dann ergab sich ein Hinweis auf eine dritte Wohnung im Dreikönigenviertel. Dort trafen die Beamten das Paar an, um ihm die schreckliche Nachricht zu überbringen. Sie wurden unterstützt von der Notfallseelsorge. Unbeantwortet blieb auch die Frage, ob der Vater Samstag telefonisch versucht hatte, sich mit dem neuen Partner seiner Ex zu einem Treffen zu verabreden.
Das Mädchen sollte nach den Ferien in Korschenbroich eingeschult werden. Darum wollte die Familie an den Schulort ziehen, wo sie bereits eine Wohnung angemietet hat. Die Schreckensnacht von Ratingen beendete nun alle Zukunftspläne ...
Quelle: NGZ




Kommentare von Lesern
für unseren Newsletter an