Bild
Der 68-jährige Politveteran Boubacar Keita steht vor einem Sieg bei Präsidentschaftswahl in Mali.

Bamako/Ag - Einen Bruch mit der alten Machtelite würde es nicht geben. Das war schon vor der Wahl am Sonntag klar. Alle aussichtsreichen Kandidaten für das Präsidentenamt in Mali stammten aus dem unter Korruptionsverdacht stehenden Establishment. Und doch lieferte der erste Wahlgang eine Überraschung: Laut inoffiziellen Prognosen dürfte Ibrahim Boubacar Keita einen Erdrutschsieg gelandet haben. Der 68-jährige Parlamentspräsident und Ex-Premier (1994 bis 2000) wurde zwar gemeinsam mit Ex-Finanzminister Soumaila Cissè als Favorit gehandelt. Dass es nach Runde eins bereits für eine absolute Mehrheit reichen könnte, dachte aber kaum jemand. In der Hauptstadt Bamako feierten am Montag tausende Anhänger den Wahlsieg von „IBK“, wie der Politveteran in Mali genannt wird. 2002 hatte Keita im Duell mit dem zehn Jahre später vom Militär aus dem Amt geputschten Amadou Toumani Toure noch den Kürzeren gezogen.

„IBK“ gilt nicht nur als einer der reichsten Männer Malis, sondern auch als bestens vernetzt - mit dem Militär und den religiösen Würdenträgern des Landes. Auch die einflussreiche wahhabitische Föderation „Sabati“ stellte sich offen hinter Keita. Der Präsident der erzkonservativen Islamisten, Moussa Boubacar Bah, rühmte sich in einem Interview mit „Le Monde“, 15 Prozent der Wähler mobilisieren zu können.

Herkulesaufgabe für Keita

Die Wahlbeteiligung soll überraschend hoch ausgefallen sein, gröbere Zwischenfälle blieben aus. Frankreichs Präsident, François Hollande, lobte den Urnengang: „Diese Wahl festigt die Rückkehr Malis zur verfassungsmäßigen Ordnung, nach dem Sieg über die Terroristen und nach der Befreiung des Landes.“ Malis ehemalige Kolonialmacht hatte auf den raschen Urnengang gedrängt, nachdem sie im Jänner mit einer Militärintervention den Vormarsch islamistischer Rebellen aus dem Norden gestoppt hatte. Im Norden Malis wartet eine Herkulesaufgabe für Malis nächsten Präsidenten: Es gilt, einen Ausgleich mit den Tuareg-Rebellen zu finden.