Frühere Zahlen gaben aber Hinweise dafür, dass andere Ursachen - nämlich die Einnahme von Medikamenten, einschließlich Antidepressiva - eine viel größere Rolle spielen könnten als zugegeben.
Laut einer kürzlich im Journal of the American Medical Association veröffentlichten Studie weisen Forschungsergebnisse darauf hin, dass »das Selbstmordrisiko unter Militärangehörigen mit mehr lebenslang nachwirkenden SHTs (Schädel-Hirn-Traumata) höher ist, unabhängig von der Schwere der klinischen Symptome«, als solche sei die Selbstmordrate unter Militärangehörigen höher als im Landesdurchschnitt.
Mehr Bomben, mehr Gefahr - mehr SHTs und mehr Selbstmorde
Die Los Angeles Times kommentiert:
Das US-Militär hat im letzten Jahrzehnt des Krieges in Afghanistan und im Irak zwei Epidemien erlebt.Die Zeitung zitiert mehrere Studien, einschließlich dieser jüngsten, die SHTs mit höheren Selbstmordraten in Verbindung bringen.
Eine ist Selbstmord. Die jährliche Rate von Militärangehörigen, die sich das Leben nehmen, hat sich auf ungefähr 20 pro 100.000 verdoppelt. In Zahlen bedeutete das einen Rekord von 324 Selbstmorden bei der Army im vergangenen Jahr.
Die andere ist Gehirnerschütterung, auch bekannt als leichtes Schädel-Hirn-Trauma. Die häufigen Bombenexplosionen an der Straße haben bei Tausenden von Soldaten Gehirnerschütterungen verursacht.
Der Erstautor der neuesten Studie, Craig Bryan, war 2009 Psychologe bei der Air Force im Irak. Bei seinem Einsatz untersuchte und behandelte er Patienten mit SHT. Seine jüngste Studie beruht auf 157 Militärangehörigen und vier Mitarbeitern ziviler Dienstleister, die alle mit Verdacht auf Gehirnerschütterung in seine Praxis überwiesen wurden.
Die meisten Probanden waren männlich und Angehörige der U.S. Army. »Sie wurden auf SHT untersucht und über frühere Kopfverletzungen, Depression, posttraumatische Belastungsstörung und Selbstmordgedanken befragt«, berichtet die Zeitung. »Anhand einer statistischen Analyse wurde die Beziehung zwischen der Zahl der Gehirnerschütterungen und dem Selbstmordrisiko ermittelt.«
Das Risiko wird nicht verstanden
Wie die Studie ergab, hatten 18 Probanden nie zuvor eine Gehirnerschütterung erlitten, keiner von ihnen hatte im vergangenen Jahr Selbstmordgedanken gehegt. Von den 58 Probanden, die zumindest eine Gehirnerschütterung erlitten hatten, sagten drei, sie hätten an Selbstmord gedacht. Diese Rate stieg bei der Gruppe, die zwei oder mehrere Gehirnerschütterungen erlitten hatte, auf zwölf Prozent.
»Plötzlich stieg die Wahrscheinlichkeit einer Selbstmordgefährdung dramatisch an, wenn sie die zweite Kopfverletzung erlitten«, sagte Bryan, der heute Leiter der Forschungsabteilung am National Center for Veterans Studies der University of Utah ist.
Einige Probanden seiner Studie hatten im Laufe ihres Lebens fünf oder sogar mehr Gehirnerschütterungen erlitten. Doch laut Bryan war das Selbstmordrisiko bei ihnen nicht höher als bei den Probanden mit zwei Gehirnerschütterungen.
Während die Zahlen zwingend scheinen und auf eine Verbindung zwischen Gehirnerschütterung und Selbstmord hinweisen könnten, sei nicht wirklich verstanden, wie das eine das Risiko des anderen erhöhe, berichtet die Times.
Einige Wissenschaftler vermuten, schon ein leichtes SHT könne die Fähigkeit zur Problemlösung beeinträchtigen, ebenso die Fähigkeit, in einem sozialen Umfeld zu agieren. Diese Defizite könnten die Selbstmordgedanken erhöhen, wenn solche Menschen in stressige Situationen gerieten.
Hohes operationelles Tempo - und mehr Antidepressiva
Nach Ansicht von Analysten ist die hohe Selbstmordrate unter Militärangehörigen ein Zeichen für ein überlastetes Militär, das unter häufigen militärischen Einsätzen der letzten zehn Jahre, hauptsächlich im Irak und in Afghanistan, leidet. Es sei betont, dass diese Kriegseinsätze zusätzlich zu den "Friedenseinsätzen", beispielsweise in Katar, auf der Sinai-Halbinsel, in Ägypten,im Kosovo und in Teilen von Afrika erfolgen - Einsätze, die oft von Einheiten der Nationalgarde aus dem ganzen Land absolviert werden, weil sie personell besser ausgestattet sind als die Einheiten im aktiven Dienst.
Eine so hohe Zahl von Einsätzen führt zu weiteren Schlussfolgerungen: Zu viel Kampferfahrung und steigende posttraumatische Belastung, die dann zu »Medikamentenmissbrauch und persönlichen finanziellen Problemen« führen, berichtete The Associated Press vor einem Jahr.
Und noch ein schockierendes Faktum: Im Mai 2012 meldete der oberste Militärarzt der Army, mehr als 110.000 Angehörige der U.S. Army nähmen Antidepressiva, Betäubungsmittel, Beruhigungsmittel, Neuroleptika und angstlösende Mittel ein, die ihnen von Ärzten verschrieben würden.
SHT und mehrfache Kampfeinsätze haben durch Selbstmorde amerikanischer Militärangehöriger ihre Opfer gefordert, aber es ist an der Zeit, auch die mögliche Verbindung zwischen Medikamenten und Selbstmord zu untersuchen.
Quellen für diesen Beitrag waren u.a.:
CBSLocal.com
JamaNetwork.com
LATimes.com
NaturalNews.com




Kommentar: Während es durchaus möglich ist, dass die im Artikel aufgeführten Dinge zu der Selbstmordrate beitragen, sollten wir eine andere wichtige Frage nicht außer Acht lassen: Wie viel tragen schockierende und unmenschliche Ereignisse, die in einem Krieg vor sich gehen, zur Selbstmordrate bei?