hanf, cannabis
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Uruguay geht einen neuen Weg im bislang erfolglosen Kampf gegen die Drogen-Mafia: Das Land legalisiert Marihuana.

In Uruguay verkaufen die Apotheken in Zukunft Marihuana. Das Abgeordnetenhaus in Montevideo hat mit knapper Mehrheit den Anbau und Verkauf von Cannabis legalisiert. Danach reguliert der Staat die Produktion, den Handel und Vertrieb.

Marihuana-Konsumenten dürfen monatlich bis zu 40 Gramm beziehen. Der Eigenanbau ist auf sechs Pflanzen pro Person beschränkt. Erlaubt sind auch Anbau-Clubs mit zwischen 15 und 45 Mitgliedern, die bis zu 99 Pflanzen ziehen dürfen. Mit der Legalisierung wird ein juristischer Widerspruch beseitigt: Der Marihuana-Konsum ist schon seit 1975 erlaubt, aber Handel war ebenso verboten wie der Anbau.

Der heftig umstrittene Gesetzentwurf, den das Regierungslager vor knapp einem Jahr eingebracht hatte, wurde am frühen Donnerstagmorgen nach einer zwölf Stunden langen Sitzung mit 50 gegen 46 Stimmen angenommen. Nun muss noch der Senat zustimmen, wo jedoch das die Regierung stellende Parteienbündnis eine deutliche Mehrheit hat.

Die Mehrheit der Bevölkerung ist dagegen

„Unser Ziel ist klar, wir wollen eine 60 Jahre lange erfolglose Politik beenden“, sagte der sozialistische Abgeordnete Nicolás Núñez, einer der Verfechter der Novelle. Die konservative Opposition lehnt das Projekt ab, weil sie „riesigen Schaden für das Land“ befürchten, etwa die Zunahme von Suchtproblemen.

Umfragen zeigen ein weitgehend stabiles Meinungsbild. 63 Prozent der 3,2 Millionen Uruguayer sind nach der jüngsten Umfrage gegen die Reform. Die Opposition brachte deshalb nach ihrer Abstimmungsniederlage ein Referendum ins Gespräch.

In den fünfziger Jahren wurden die heute illegalen Drogen durch die UN weltweit, einheitlich und praktisch ausnahmslos verboten. 1972 rief der damalige US-Präsident Richard Nixon den „Krieg gegen die Drogen“ aus. Dennoch stiegen Produktion und Konsum an.

Die Drogenbekämpfung forderte vor allem in Erzeuger- und Transitländern einen so hohen Blutzoll, dass schon in den 90er Jahren ein Kreis ehemaliger Präsidenten südamerikanischer Länder sagte, der Krieg gegen die Drogen erzeuge mehr Leid als die Drogen.

Uruguay blieben zwar staats- und gesellschaftszersetzende Verhältnisse wie in Kolumbien oder Mexiko erspart, aber der Staat gibt viel Geld für die Bekämpfung der Drogen aus, das für die Behandlung der Süchtigen fehlt, wie Präsident José Mujica beklagt.

Der Vorteil der Legalisierung sei die Ausschaltung der Drogenhändler, die den Konsumenten Crack anböten, eine Kokain-Abfalldroge mit verheerenden Wirkungen.

In Montevideo ist Marihuana-Konsum sozial akzeptiert, anders als auf dem Land. Jeder fünfte Uruguayer zwischen 15 und 65 hat einer Studie zufolge mindestens einmal in seinem Leben Marihuana konsumiert.