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© dpaAnlässlich eines Nazi-Aufmarsches in Bad Nenndorf machen Aktivisten bei einer Gegendemo mobil
Im August marschieren Nazis seit dem Jahr 2006 durch Bad Nenndorf. Die Bürger der niedersächsischen Kleinstadt wehren sich verstärkt. Auch Innenminister Pistorius war gekommen, um Widerstand gegen die Nazis zu leisten.

Bad Nenndorf. Mit einem Gottesdienst, Kundgebungen und einer Sitzblockade haben sich am Sonnabend in Bad Nenndorf rund 1200 Menschen gegen einen Neonazi-Aufmarsch gestemmt. Auch Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) war unter den Teilnehmern. Das Bündnis "Bad Nenndorf ist bunt" engagiert sich seit Jahren gegen die Rechtsextremisten.

"Beeindruckende Geschlossenheit, tolle, kreative Gegendemonstration", schrieb Pistorius im Kurznachrichtendienst Twitter. Am Abend blockierten nach Polizeiangaben viele Demonstranten den Platz vor dem Wincklerbad, an dem die Rechten eine Kundgebung abhalten wollten. Der Neonazi-Aufmarsch drehte schließlich wieder in Richtung Bahnhof um.

Am Nachmittag hatten zwei Frauen bereits mit einer Ankett-Aktion den Bahnhof der Stadt zeitweise blockiert, teilte die Polizei mit. Der Zugverkehr wurde vorübergehend eingestellt. Die Bahn setzte Ersatzbusse ein.

300 Teilnehmer aus der rechten Szene formierten sich am Nachmittag am Bahnhof und begannen ihren Marsch durch die Stadt. Die Polizei stoppte sie jedoch wegen der Sitzblockade, an der anfangs etwa 400 Frauen und Männer teilnahmen. Die Polizei forderte sie zunächst vergeblich auf, den Platz zu räumen, und begann dann, die Demonstranten einzeln wegzutragen. Mehrere Teilnehmer schlossen sich mit massiven Bügelschlössern zusammen.

Seit 2006 marschieren Neonazis aus ganz Deutschland an einem Augustwochenende durch die Kleinstadt westlich von Hannover zum Wincklerbad. Es wurde in der Nachkriegszeit von den Briten als Verhörzentrum und Militärgefängnis genutzt. Historisch belegte Übergriffe auf deutsche Kriegsgefangene nehmen die Rechten immer wieder zum Anlass, um NS-Verbrechen zu relativieren.

dpa