Ein 42-jähriger Russe hat seinen Kreditkartenvertrag einfach umgeschrieben - und seine Bank jetzt verklagt.
Jeder kennt die „Allgemeinen Geschäftsbedingungen“ im Internet. Das sind die langen Texte, die man zwar nicht liest aber doch bestätigt, bevor man sich für einen Dienst anmeldet. Und dann gibt es da noch das klassische Kleingedruckte, quasi das Salz in der Suppe eines jeden Vertrags seit der Erfindung des Vertrags. Auch hier gilt: liest man selten - man kann ja sowieso nix ändern. Oder?
Russische Medien berichten von einem Mann, der die Sache mit dem Kleingedruckten ganz genau genommen hat. Der 42-jährige Dmitry Agarkov aus der südwestlich von Moskau gelegenen Stadt Voronezh ließ sich 2008 vom großen Onlinebankhaus Tinkoff Credit Systems eine Kreditkarte ausstellen - und zwar ohne Limit. Aber statt die Bedingungen der Bank einfach zu akzeptieren, schlug Agarkov die Bank mit ihren eigenen Waffen. Per Scanner beförderte er die Vertragsdokumente in seinen Computer, wo er im Kleingedruckten einige wichtige Änderungen vornahm: Er entschied sich für eine Zinsrate von schlanken null Prozent - und strich alle möglichen Zusatzgebühren wie Tarife aus dem Vertrag. Agarkov änderte sogar die im Vertrag angeführte Webadresse, die zu den AGB der Bank verweist - sein Vertrag verwies nun auf eine selbst eingerichtete Website. Und die Bank machte, was sie von ihren Kunden erwartet: Niemand sah sich das Dokument genau an, die Kreditkarte wurde ausgestellt - und als die Bank ihren Kunden im Vorjahr wegen ausstehender Zahlungen verklagte, entschied das Gericht tatsächlich im Sinne von Agarkov. Er musste die ausständigen Zahlungen liefern - nicht aber Zusatzgebühren.
Jetzt stehen die Bank und ihr gerissener Kunde wieder vor Gericht. Aber diesmal ist Agarkov der Kläger. Er ist nämlich enttäuscht, weil ihm die Bank die Kreditkarte unilateral gekündigt hat und beruft sich jetzt auf betreffende Klauseln, die im Vertrag festgeschrieben sind - und zwar weil Agarkov sie reingeschrieben hat. Er verlang rund 700.000 Euro von Tinkoff Credit Systems - als Entschädigung für den von der Bank begangenen Vertragsbruch. „Sie reden sich mit denselben Worten raus, die ihre Kunden sonst verwenden: Sie hätten den Vertrag nicht gelesen“, sagte Agarkovs Anwalt Dmitry Mikhalevic.
Der in Russland berühmte Chef der Bank, Oleg Tinkov, sieht das natürlich anders: „Stehlen ist eine Sünde. Das ist freilich meine Meinung. Offenbar denken nicht alle Russen so.“ Nun ist es möglich, dass diese Geschichte nur ein groß angelegter „Practical Joke“ ist, auf den die Medien hineingefallen sind. Aber selbst wenn: Die Geschichte erinnert den „kleinen Mann“ wenigstens daran, dass der mutige Konsument in der Marktwirtschaft sehr wohl etwas zu sagen hat. Dass man Konzerne auch mit ihren eigenen Waffen schlagen kann. Und dass es mehr bringt, die Dinge in die Hand zu nehmen, als von „denen da oben“ ein besseres Leben zu verlangen. Freilich: Tinkov und seine Anwälte wollen nicht nur die Klage abschmettern, sondern Agarkov auch wegen Betrugs ins Gefängnis schicken. Um ein Exempel zu statuieren. Da könnte ja jeder kommen!
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