
Die indische Regierung bestätigte später, dass es eine Explosion an Bord eines U-Boots gegeben hatte. "Ich bin traurig darüber, dass Marinesoldaten ihr Leben im Dienst für das Land verloren haben", erklärte Indiens Verteidigungsminister A. K. Antony am Mittwochmorgen in der Hauptstadt Neu-Delhi. Über die Zahl der Opfer sagte er nichts. Er wolle sich noch am Mittwoch gemeinsam mit dem Marinechef Admiral Devendra Kumar Joshi den Unglücksort anschauen.
Das U-Boot mit dem Namen Sindhurakshak sank in einem Dock im hoch abgesicherten Militärhafen, nur noch ein Teil des Aufbaus ragte aus dem Wasser. Marineoffiziere erklärten, sie vermuteten, dass ein Kurzschluss oder Probleme beim Laden der Batterien zu dem Feuer geführt hätten. Bis das Ergebnis einer offiziellen Untersuchung vorliege, würden zwar "mehrere Wochen" vergehen, derzeit spreche aber alles "für diese Variante". Ein nahe der Sindhurakshak liegendes U-Boot musste in einem Notmanöver in Sicherheit geschleppt werden, wurde aber dem Vernehmen nach auch beschädigt.
Zum Zeitpunkt des Unglücks befanden sich 18 Soldaten an Bord. "Den Rettungskräften ist es bislang nicht gelungen, ins Innere des Bootes vorzudringen", sagte ein Marineoffizier am Telefon. "Ich befürchte, dass dort drinnen niemand mehr lebt." Mehrere Soldaten wurden in einem nahegelegenen Krankenhaus behandelt. Ob es sich um Besatzungsmitglieder handelte, die rechtzeitig von Bord gesprungen waren, oder um Soldaten, die im Hafen arbeiteten, war zunächst unklar.
Nach Angaben von Marinesoldaten in Mumbai sollte das Boot am Mittwoch zu einer Patrouillefahrt auslaufen und war deshalb zuvor mit scharfer Munition bestückt worden. Als das Feuer sich ausbreitete, explodierten angeblich mehrere Sprengköpfe, berichten mehrere indische Fernsehsender unter Berufung auf die Marine. Das sei der Grund für die Wucht der Explosion. Ein Augenzeuge berichtete, dass weite Teile des Marinestützpunktes verwüstet seien. Ein anderer Marineoffizier sagte SPIEGEL ONLINE, man habe Trümmer von Raketen und Torpedos im Hafen gefunden. Womöglich sei der gesamte Inhalt der Waffenkammer explodiert. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es nicht.
"Die Crew war motiviert, endlich wieder rausfahren zu dürfen", sagte ein Offizier vor den Fernsehkameras. Das Schiff sei wegen Reparaturarbeiten lange Zeit nicht einsatzklar gewesen. Der Times of India zufolge hatte es auf der Sindhurakshak bereits 2010 im Batterieraum gebrannt, damals starb ein Soldat, zwei wurden verletzt. In diesem Frühjahr war das Boot in Russland generalüberholt und aufgerüstet worden, für mehr als 80 Millionen Dollar.
Marine soll modernisiert werden
Das U-Boot wird sowohl von Dieselmotoren als auch von einem Elektromotor betrieben. Indien hat zehn Boote dieses Typs in Betrieb. Es handelt sich dabei um russische Boote der Kilo-Klasse, die Russland an mehrere Länder verkauft hat. Indien unterschrieb die Kaufverträge 1980, ausgeliefert wurden die Boote ab 1986 und bis in die neunziger Jahre. Die Boote zählen zu den größten unter den konventionell betriebenen, sind allerdings technisch veraltet. Die Sindhurakshak ist seit 1997 im Einsatz.
Indien will seine Streitkräfte modernisieren, allen voran die Marine, die ohnehin unter einem Minderwertigkeitskomplex leidet. Denn von den gut 1,3 Millionen Soldaten, die in Indien unter Waffen stehen, gehören nur etwa 53.000 zur Marine - und das bei einer viele tausend Kilometer langen Küste. Die Regierung hat der Marine deshalb eine milliardenschwere Modernisierung verordnet. Darunter fallen so prestigeträchtige Projekte wie die Indienststellung von atomar betriebenen U-Booten. Indien will damit in den exklusiven Club jener Staaten vordringen, die eigene U-Boote mit Nuklearantrieb herstellen und betreiben. Bislang gehören dazu die USA, Frankreich, Großbritannien, Russland und China.
Erst am Samstag, ein Jahr später als geplant, wurde der Reaktor des ersten indischen Atom-U-Bootes aktiviert. Die Arihant ist ein indischer Bau, allerdings eine Weiterentwicklung eines russischen Modells. Das Boot soll nun zu Probefahrten in See stechen. Am Montag war der erste in Indien gebaute Flugzeugträger mit einer großen Feier in Dienst gestellt worden.
Indische Marineoffiziere drängen schon seit langem, die alte Abhängigkeit von Russland nicht mehr aufrechtzuerhalten und Schiffe, Boote und Bewaffnung in Zukunft auch aus anderen Ländern zu kaufen. Während des Kalten Kriegs war Indien Kunde vor allem bei sowjetischen Rüstungsherstellern. Heer und Luftwaffe orientieren sich bei Waffenkäufen immer häufiger Richtung Westen oder setzt auf Eigenproduktion.
Die Explosion auf der Sindhurakshak könnte nun auch bei der Marine zu einer Abwendung von Russland führen. Indiens Marine benötigt laut Planungen des Verteidigungsministeriums mindestens 20 U-Boote. Derzeit verfügt sie über nur 14 beziehungsweise 13 - die "Sindhurakshak" dürfte wohl kaum noch zu retten sein. Dabei sollte sie noch mindestens zehn Jahre im Dienst bleiben.
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