Das bayerische Bad Abbach wird von einer Brandserie erschüttert. 21 Mal hat der Feuerteufel schon zugeschlagen. Damit zwingt er nicht nur die Feuerwehr zum Dauereinsatz, sondern versetzt den ganzen Ort in Angst und Schrecken.
Bild
© Sebastian PieknikBeim Großbrand auf Gut Weichs brannte eine Maschinenhalle nieder
Knapp 12 000 Einwohner hat Bad Abbach in Niederbayern. Eigentlich ist es ein Kurort, die Leute sollen sich hier erholen. Doch mit der Entspannung ist es derzeit nicht weit her. Denn seit dort ein Feuerteufel sein Unwesen treibt, geht in Bad Abbach die Angst um. 21 Mal hat er bereits zugeschlagen.

Alles begann am 20. März mit einem Brand in einer Holzhütte. „Anfangs konnten wir uns auf einen gewissen Rhythmus einstellen“, sagt Michael Emmer vom Polizeipräsidium Niederbayern - etwa alle vier Wochen habe es gebrannt. Doch dann seien die Abstände immer kürzer geworden: Zwei Wochen, eine Woche, dann nur noch wenige Tage. Bis zu diesem Sonntag, als es gleich drei Mal hintereinander brannte. „Die Frequenz hat sich enorm gesteigert“, so der Polizeisprecher. Ob es sich um einen oder mehrere Täter handle, sei noch nicht bekannt. 21 Brandstiftungen zählt die Polizei bis zu diesem Donnerstag, zuletzt brannte am Mittwochmorgen ein Stück Fichtenwald.

Die Freiwillige Feuerwehr in Bad Abbach ist wegen der Brandserie im Dauereinsatz. Kommandant Maximilian Kefer klingt gehetzt am Telefon. Normalerweise rücke seine Truppe pro Jahr 100 bis 130 Mal zum Löschen aus, in diesem Jahr kämen sie bis Juli schon auf 166 Einsätze. „Wir sind am Limit“, sagt Kefer - ständig hechle man nur dem Feuerteufel hinterher. Was die vielen Einsätze noch anstrengender macht, sind die sommerlichen Temperaturen.

Der Dauereinsatz belastet die Feuerwehrmänner nicht nur physisch, auch psychisch ist die Brandserie für die Männer enorm belastend. Besonders deprimierend für sei es, wenn es wie am Sonntag gleich mehrmals brenne, sagt der Kommandant. „Da meinst du, du hast es geschafft, und dann brennt es schon wieder woanders. Das kann einen fertig machen“, so Kefer. Normalerweise setzen sich die Feuerwehrleute von Bad Abbach nach einem Einsatz noch zusammen und trinken ein Bier. „Das ist jetzt gestrichen, weil wir ja immer damit rechnen müssen, dass gleich der nächste Brand gemeldet wird und wir wieder ausrücken müssen.“

Außerdem handelt es sich in Bad Abbach um eine freiwillige und nicht um eine hauptamtliche Feuerwehr - wenn die 70 Männer also nicht dem Feuerteufel hinterherlöschen, müssen sie ihren eigentlichen Berufen nachgehen.

Schäden von über einer Million Euro

Obwohl der Löschtrupp stets schnell vor Ort war, sind die Schäden durch den Feuerteufel groß. Die Polizei beziffert den bisherigen Sachschaden auf über eine Million Euro. Ein Großteil davon entfällt auf ein Feuer auf einem landwirtschaftlichen Anwesen, sagt Sprecher Emmer. Rund 500 000 Euro Schaden seien dort entstanden. Es war der bisher verheerendste Fall der Brandserie: Eine Frau wurde verletzt, sie erlitt nach Angaben des Polizeipräsidiums Niederbayern einen Schock und eine leichte Rauchvergiftung.Sie ist bislang die einzige Verletzte. „Wenn man sich die Fälle anschaut, scheint es ihm immerhin nicht darum zu gehen, Personen zu verletzen“, sagt der Polizeisprecher, der Täter wähle meist abseits gelegene Stellen, keine Wohnhäuser. Wenn der oder die Feuerteufel jedoch mit der gleichen Schlagzahl weiterzündeln, könnten Personenschäden allerdings nur noch eine Frage der Zeit sein. „Ein paar Mal war es schon ganz schön knapp“, sagt Feuerwehr-Kommandant Kefer. „Wenn so ein Brand mal ein bisschen später bemerkt wird, dann kann er ziemlich schnell weit schlimmere Folgen haben“, so der 64-Jährige.

Kommt der Täter selbst aus dem Dorf?
Bild
© Sebastian PieknikMit rund 500 000 Euro verursachte der Brandstifter auf Gut Weichs den größten Schaden
Deshalb geht in dem kleinen Kurort die Angst um. Wer ist der Feuerteufel? Weil das Vorgehen des oder der Täter auf eine beachtliche Ortkenntnis schließen lässt, macht sich in Bad Abbach Misstrauen breit: „Der Brandstifter kennt Stellen, die bei uns nicht jeder kennt“, sagt Kefer. Deshalb schaue nun jeder den anderen an und denke: „Ist es vielleicht der?“. „Jeder hat Angst und die Spekulationen laufen in alle Richtungen“, berichtet Kefer. Deshalb könne sich die Feuerwehr vor Meldungen gar nicht retten. „Bei uns steht das Telefon nicht mehr still, jeder glaubt, irgendwo etwas Verdächtiges gesehen zu haben.“

Auch bei der Polizei sind schon mehrere Dutzend Hinweise eingegangen. „Das zeigt, wie sehr das Thema die Menschen in Bad Abbach beschäftigt “, sagt Polizeisprecher Emmer. Eine heiße Spur habe sich daraus noch nicht ergeben. Weil es sich um vorsätzliche Brandstiftung handelt, ist die Kriminalpolizei Landshut zuständig. Mehrere Ermittler arbeiten auf Hochtouren an der Aufklärung der Serie. Brandexperten analysieren jeden Fall einzeln und sichern die Spuren, außerdem stehen sie in Kontakt mit dem Landeskriminalamt. Dorthin schicken sie auch das Spurenmaterial zur Auswertung, schildert Emmer.

Vor Ort ist die Polizeiinspektion Kelheim zuständig. Die patrouilliert zwar verstärkt, postiert aber nicht in jeder Straße einen Streifenwagen. Denn langfristig sei damit nicht geholfen, erklärt der Polizeisprecher. „Wir könnten jetzt zwar vier Wochen lang eine Riesen-Polizeipräsenz zeigen, aber auf Dauer ließe sich das nicht durchhalten.“ Dann müsste sich die Polizei wieder anderen Dingen zuwenden - und der Feuerteufel könnte weitermachen. „Deshalb konzentrieren wir uns vor allem darauf, den oder die Täter zu finden, so dass Bad Abbach auch langfristig wieder sicher ist“, sagt Emmer.

Einige wollen eine Bürgerwehr gründen

Manchen Anwohnern ist das nicht genug. Deshalb kursiert die Idee einer Bürgerwehr. „Wir haben zwar Verständnis für die Angst der Bürger“, sagt Emmer vom Polizeipräsidium Niederbayern, „trotzdem dürfen sie keine Polizeiaufgaben übernehmen, sonst machen sie sich strafbar“. Auch der Feuerwehr-Kommandant hält nichts von einer Bürgerwehr. „Das fehlt uns gerade noch, dass da jetzt noch ein paar mehr in der Nacht spazieren gehen, die von anderen dann wiederum als verdächtig gemeldet werden“, sagt Kefer. Am Wochenende hatte seine Truppe gerade einen Brand in einer Tiefgarage gelöscht, als sie einen Hinweis von einer Passantin erhielt. Auf eben jenem landwirtschaftlichen Hof, auf dem es im Mai zum folgenschwersten aller bisherigen Brände gekommen war, seien die Tiere wieder unruhig und es gebe Rauch. „Wir waren ja ohnehin unterwegs, also sind wir da hin. Die Bewohner haben entsetzt geschaut, als schon wieder Feuerwehrautos bei ihnen vorfuhren“, berichtet der Feuerwehrchef. Wirklich gebrannt habe es nicht. „Die Bewohner patrouillieren selbst regelmäßig seit dem Brand - schließlich schläft man nach so etwas nicht mehr so gut“, sagt Kefer. Trotzdem zeige der Vorfall, wir übervorsichtig die Bad Abbacher durch den Feuerteufel geworden seien. „Aber wir können nur unsere Arbeit machen und hoffen, dass die Polizei ihn bald erwischt“, sagt der Feuerwehr-Kommandant.

21 Brände in vier Monaten

Alle 21 Brände im Überblick

20.März, 21.10 Uhr: Brand einer Holzhütte in der Stinkelbrunnstraße

29. März, 0.00 Uhr: Brand einer Feldscheune in dern Oberndorferstraße

1. Mai, 23.00 Uhr: Brand eines Sichtschutzzaunes in der Frauenbrünnlstraße

3. Mai, 23.15 Uhr: Brand auf einemlandwirtschaftlichen Hofin der Frauenbrünnlstraße
Der bisher schlimmste Fall der Brandserie. Auf Gut Weichs geriet die Maschinenhalle in Brand - neben landwirtschaftlichen Maschinen waren darin auch Stroh und ein Tank mit rund 1600 Litern Öl. Auch ein angrenzendes Gebäude wurde in Mitleidenschaft gezogen. Ein Übergreifen des Feuers auf das Wohnhaus konnte die Feuerwehr verhindern. Außerdem wurden 30 Jungbullen vor den Flammen gerettet. Eine Anwohnerin wurde leicht verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Der Schaden liegt bei rund 500 000 Euro und macht damit einen großen Teil der gesamten Schadenssumme durch den Feuerteufel von etwas über einer Million aus.

22. Mai, 22.45 Uhr: Brand eines Holzstapels in der Kaiser-Karl-V.-Allee

28. Juni, 22.45 Uhr: Brand eines Gartenhauses in der Römerstraße

28. Juni,23.07 Uhr: Brand eines Pferdestallsin der Kaiser-Karl-V.-Allee
Die aufgeregten Pferde konnten gerettet werden.

10. Juli,23 Uhr: Brand mehrerer Heuballen in der Inselstraße

11. Juli,12.30 Uhr: Brand von Treibholz, das das Hochwasser angeschwemmt hatte, in der Oberndorferstraße

12. Juli,22.20 Uhr: Brand eines Holzstapels im Birkenweg

13. Juli, 0.51 Uhr: Brand eines Schuppensin der Donaustraße

16. Juli,22.51 Uhr: Brand von Treibholz in der Oberndorferstraße

16. Juli, 23.25 Uhr: Erneut wurde Treibholz in der Oberndorferstraße angezündet

18. Juli, 23.55 Uhr: Brand eines Holzschuppens in der Römerstraße

20. Juli, 3.30 Uhr: Brand auf einem Müllablageplatz in der Frauenbrünnlstraße

21. Juli, 11.00 Uhr: Brand eines Waldstücks in der Frauenbrünnlstraße

21. Juli, 15.00 Uhr: Erneut brennt das Waldstückin der Frauenbrünnlstraße

21. Juli, 21.50 Uhr: Wieder brennt ein Waldstück, diesmal in der Kaiser-Karl-V.-Allee

22. Juli, 13.30 Uhr: Brand eines Waldstücks im Fuchsweg

23. Juli, 22.15 Uhr: Brand eines Autos in einer Tiefgarage in der Frauenbrünnlstraße

24. Juli, 8.30 Uhr: Brand eines Waldstücks in Bad-Abbach/Gemling Explosive Mischung: Hitze und alte Munition im Boden