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© dpaEinsatzkräfte rückten mit Panzern an.
Die österreichische Polizei will einen mutmaßlichen Wilderer stellen, doch der Einsatz läuft spektakulär schief. Der Mann schießt, drei Polizisten und ein Sanitäter sterben. Der Täter hält sich in einem Haus verschanzt - am Abend stürmt die Polizei das Gebäude.

Ein Jäger und mutmaßlicher Wilderer hat in Österreich drei Polizisten und den Fahrer eines Rettungswagens erschossen. Der Täter Alois H. - nach Medienberichten ein allein lebender Mittfünfziger - verschanzte sich nach seiner Tat am Dienstag auf einem Bauernhof bei Melk in Niederösterreich. Am Abend begann die Polizei mit der Stürmung des Hauses, die Stunden andauerte.

Man sei im Gebäude und führe eine „gesicherte Durchsuchung“ durch, sagte Cobra-Einsatzleiter Detlef Polay im ORF. Ob der mutmaßliche Täter noch am Leben ist und sich noch in dem Haus befindet, sei unklar. Da es sich um einen sehr brutalen Täter handle und der Hof zudem groß und sehr verwinkelt sei, könne man nur sehr langsam vorgehen. Die Sicherheit der Beamten stehe an erster Stelle. Über ein mögliches Motiv des Mannes könne man nach dem bisherigen Wissensstand nur rätseln, sagte Polay.

Die Polizei umlagerte das Anwesen des schwer Bewaffneten mit Hunderten Einsatzkräften und rückte auch mit Panzern an. Ein vermisster Polizist, den der Mann nach ersten Berichten als Geisel genommen haben könnte, wurde am Nachmittag tot gefunden, wie die Polizei in einer Pressekonferenz in Lilienfeld berichtete. Weitere Geiseln soll es nicht geben.

Der Mann hatte den Tag über mehrmals aus dem Haus gefeuert, am späten Nachmittag soll nochmals als letztes Lebenszeichen ein Schuss zu hören gewesen sein. Ein Verhandlungsteam war vor Ort. Die Kontaktaufnahme habe sich aber laut Polizeiangaben schwierig gestaltet.

Nach Angaben des Innenministeriums kam es in der Gegend immer wieder zu schweren Fällen von brutaler Wilderei. Ein Unbekannter soll aus einem fahrenden Wagen immer wieder Hirsche erschossen und ihnen dann den Kopf abgetrennt haben. Die Körper der Tiere ließ er liegen. Eine Spezialeinheit der Polizei sollte den Tierquäler fassen.

Mit einer Polizeisperre aus mehreren Streifenwagen sollte der Wilderer in der Nacht zu Dienstag in einem Wald bei Annaberg gestellt werden. Ob es sich bei dem verfolgten Schützen aber tatsächlich um den Wilderer handle, wollte die Polizei nicht bestätigen. Der Täter durchbrach in der Nacht mit seinem Wagen eine Straßensperre und eröffnete sofort das Feuer. Er traf einen Beamten der Sondereinheit Cobra, der später im Krankenhaus starb.

Der Täter verließ seinen kaputten Wagen und versteckte sich im Wald. Als ein Rettungswagen für den Verletzten eintraf, eröffnete er erneut das Feuer. Der Fahrer des Rettungswagens wurde tödlich getroffen, der zweite Cobra-Beamte verletzt.

Auf der Flucht zu Fuß kaperte der Jäger einen Streifenwagen, erschoss einen darin sitzenden Polizisten. Ob er dessen Kollegen als Geisel nimmt oder direkt erschoss, war zunächst unklar. Der Mann wurde später tot im Wagen in einer Scheune seines Hauses gefunden. Mit dem Streifenwagen flüchtete der Schütze zu seinem Bauernhof im rund 70 Kilometer entfernten Großpriel bei Melk. Seither hielt er sich dort verschanzt und eröffnete immer wieder das Feuer.

Nähere Angaben zu den drei getöteten Polizisten machten die Ermittler nicht. Klar war nur, dass es sich bei dem tödlich verwundeten Sanitäter um einen 70-jährigen Einheimischen gehandelt hat, der seit Jahrzehnten für das Rote Kreuz tätig war. Die anderen Opfer waren nach Polizeiangaben Väter mittleren Alters.

Täter gilt als Waffennarr

Nach Berichten österreichischer Medien gilt der Täter als Waffennarr, der auch Handgranaten besitzen soll. Da der Mann eine Langfeuerwaffe besitze, habe man das Gebiet um das Haus weiträumig absperren müssen. Nachbarn wurden aus ihren Häusern geholt, sagte ein Polizeisprecher. Berichte, wonach auch Kinder in dem Haus sein sollten, träfen nicht zu.

Österreich reagierte erschüttert auf die Tat: Das österreichische Parlament gedachte der Opfer in einer Schweigeminute. Das Bundesland Niederösterreich ordnete Trauerbeflaggung an. „Mein volles Mitgefühl und meine tief empfundene Anteilnahme gilt in diesen Stunden den Angehörigen und den Kolleginnen und Kollegen der zu Tode gekommenen Einsatzkräfte“, sagte Bundeskanzler Werner Faymann. Auch Politiker aller anderen Parteien zeigten sich betroffen.

dpa