In Washington nahe des Weißen Hauses hat ein Reserve-Soldat auf einem Stützpunkt der US-Marine zwölf Menschen getötet und mehrere verletzt. Den Amokläufer haben die Sicherheitskräfte getötet - Das FBI schließt jetzt aus, dass es andere Schützen gab.
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Bei der Schießerei auf einem Stützpunkt der US-Marine in Washington hat ein Mann zwölf Menschen erschossen und mehrere verletzt. Das teilte Washingtons Bürgermeister Vincent Gray am Montag mit. Das Motiv für die Tat sei unklar, für einen terroristischen Hintergrund gebe es derzeit keine Anzeichen. Bislang sei davon auszugehen, dass es sich um ein „isoliertes Ereignis“ handele.

Die Schießerei habe sich in einem schwer bewachten Gebäude des Marine-Areals ereignet. In dem Komplex arbeiten rund 3000 Menschen. Auch der mutmaßliche Täter ist getötet worden. Wie der US-Sender NBC News berichtete, soll es sich dabei um den 34 Jahre alten Aaron A. handeln.

Mann war der Polizei bereits bekannt

Der frühere Soldat sei anhand seiner Fingerabdrücke und eines Ausweises identifiziert worden, berichteten mehrere US-Medien. Der Mann aus Fort Worth im Bundesstaat Texas sei mit einem Sturmgewehr vom Typ AR-15 und einer Handfeuerwaffe bewaffnet gewesen.

Der Mann habe vor kurzem begonnen, als ziviler Auftragnehmer auf dem Marine-Stützpunkt in Washington zu arbeiten. Der Polizei war er bereits wegen unerlaubten Waffenbesitzes aufgefallen. Vor drei Jahren hatte er die Reifen eines Autos zerschossen.

FBI: Es gab nur einen Schützen - Suche geht weiter

Nach der Schießerei hatten die Behörden zwei unbekannte Männer zur Fahndung ausgeschrieben - einen weißen Mann zwischen 40 und 50 Jahren in Uniform und Barett sowie einen ebenfalls uniformierten schwarzen Mann in der gleichen Altersklasse. Augenzeugen hatten sie mit der Bluttat in Verbindung gebracht.

Einer von ihnen wurde bald entlastet: Der gesuchte weiße Mann sei identifiziert worden und nicht verdächtig, teilte die Polizei am Montag über Twitter mit. Auch der zweite gesuchte Verdächtige kommt laut FBI nicht als Schütze in Frage, berichtet „CNN“. Demnach gab es nur einen Schützen. Die Suche nach dem zweiten Mann gehe jedoch weiter - es werde weiter geprüft, ob er irgendwie mit dem Amoklauf in Verbindung steht.


Kommentar: Seltsam ist, dass in diesem Artikel sehr häufig erwähnt wird, dass es nur einen Schützen gab, wo Zeugenaussagen genau das Gegenteil berichteten. Es kann hierbei von einer Schadenskontrolle gesprochen werden und ist ein typischer Modus Operandi bei vielen der letzten und bedauerlichen Amokläufe in Amerika.


Bei zwei der Verletzten soll es sich um Polizisten handeln. Der US-Fernsehsender CNN berichtete, dass inzwischen Spezialkommandos, die auch Jagd auf die Boston-Bomber gemacht hatten, in Washington im Einsatz seien. An den Ermittlungen sind auch die Bundespolizei FBI und die Strafverfolgungsbehörde der Navy NCIS beteiligt.

„Wir kennen noch nicht alle Fakten“

US-Präsident Barack Obama sei bereits mehrfach über die Situation unterrichtet worden, hieß es aus dem Weißen Haus. In einem Fernsehstatement sagte Obama, die USA seien erneut mit einer „Massenschießerei“ konfrontiert worden, dieses Mal „in einer Militäreinrichtung in der Hauptstadt unserer Nation“. „Wir kennen noch nicht alle Fakten“, so der Präsident. Zunächst ordnete Obama an, dass die Flaggen an allen öffentlichen Gebäuden in den USA zur Ehrung der Opfer bis zum kommenden Freitagabend auf halbmast gesenkt werden. Außerdem hat Obama einen Konzertabend im Weißen Haus abgesagt. Die Obamas laden zur Pflege des amerikanischen und multiethnischen Kulturgutes in regelmäßigen Abständen Künstler ein. Die für den Montagabend geplante Veranstaltung sollte der lateinamerikanischen Musik gewidmet sein.

Nur sieben Minuten dauerte es, bis bewaffnete Polizisten das riesige Gelände am Anacostia River erreicht hatten. Später sperrte ein gewaltiges Aufgebot von Polizei, FBI, Soldaten und Marine-Einsatzkräften den Tatort im Südosten des US-Hauptstadt weiträumig ab. In der Umgebung gibt es auch Wohnhäuser und mindestens eine Schule. Busse wurden umgeleitet. Der Flughafen stellte den Betrieb vorübergehend ein. Ein Helikopter kreiste über dem betroffenen Gelände.

Augenzeugen berichteten CNN, wie es war, als die Schießerei losging. „Wir saßen an unseren Schreibtischen und haben gearbeitet“, sagte eine Frau. „Dann gingen die Schüsse los. Normalerweise ist sowas dann eine Übung, aber es war nichts angekündigt“, so die Mitarbeiterin des Navy-Stützpunktes. Als die Leute geschrien hätten, dass alle sofort das Gebäude verlassen sollten, sei ihr klar geworden, dass es ernst sei.

Besonders großes Glück hatte Kommandeur Tim Jirus. Der Mann in der khakifarbenen Marineuniform floh aus dem Gebäude in eine Seitenstraße des Geländes, als ihn ein Haustechniker ansprach, um ihn zu warnen. Dann fielen Schüsse. Direkt vor seinen Augen fiel der Techniker auf den Boden. Eine Kugel traf ihn mitten im Kopf.

„Er hat kein einziges Wort gesagt“

„Wir versuchten aus dem Gebäude zu kommen“, berichtete ein anderer Augenzeuge CNN. „Wir rannten los und der Täter kam um die Ecke. Aber wir konnten sein Gesicht nicht sehen“, so der Mann. „Er hat kein einziges Wort gesagt“. Die Augenzeugen beschreiben den Mann als groß, seine Hautfarbe sei dunkel gewesen. „Ich glaube nicht, dass er eine Mütze getragen hat, aber wir konnten sein Gesicht nicht sehen“, ergänzte die Frau.

„Du kannst dir nicht vorstellen, dass so etwas an deinem Arbeitsplatz passiert“, sagte der Augenzeuge dem CNN-Reporter. Einige Leute hätten sogar versucht, in Panik an den Hauswänden herunterzuklettern. „Es war verrückt“, berichtete der sichtlich aufgewühlte Augenzeuge.

Verzweifelt versuchten Angehörige und Freunde nach den ersten Schreckensmeldungen, mit den Menschen in Gebäude 197 in Kontakt zu treten. Doch weil die strengen Marine-Auflagen Handys verbieten, telefonieren sich Dutzende die Finger wund, wie eine verängstigte Augenzeugin der Nachrichtenagentur dpa berichtete.

Erinnerungen an Amoklauf in Fort Hood

Der Navy Yard ist eine mehr als zwei Jahrhunderte alte Küstenanlage der Marine am Anacostia River und diente einst als Waffenfabrik und Werft. Heute beherbergt das Gelände verschiedene Kommando- und Verwaltungsstellen, darunter das Büro des Admiralstabschef der Navy und ein Militärgericht. Das Areal befindet sich etwa zwei Kilometer südöstlich des Kapitols und wird umgeben von einem Wohngebiet und einem Baseballstadion. In den USA weckte der Vorfall Erinnerungen an den Amoklauf auf dem US-Militärstützpunkt Fort Hood in Texas. Dort erschoss im November 2009 der muslimische US-Militärpsychiater Nidal Hasan 13 Menschen, viele weitere wurden verletzt. Der 43-Jährige wurde dafür im vergangenen Monat von einer Militärjury zum Tode verurteilt. Es gab aber zunächst keine Hinweise, dass beide Fälle vergleichbar sind.


liw/flf/mp / dpa/AFP