Neues Ablenkungsmanöver des starken Staates: Seit wenigen Tagen sind Tankstellenbetreiber verpflichtet, ihre Preise zentral zu melden. Sie als Verbraucher dürfen profitieren, heißt es. Ein neuer Angriff auf die Freiheit am Markt, meinen wir.
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Seit dem 31. August besteht Meldezwang. Freie Unternehmer oder Pächter von Tankstellen müssen ihre Preise melden. So können die Verkaufspreise zentral abgeglichen werden, um sie uns als Verbraucher schließlich zur Verfügung zu stellen. Ein kleiner Schritt für die Technik, ein großer Schritt für mehr Überwachung.

Ihr scheinbarer Vorteil ist die permanente Kontrolle des Marktes. Am PC oder Smartphone wählen Sie sich zentral ein und vergleichen regional, wer der günstigste Anbieter ist. So werden Sie zum souveränen Verbraucher, wird suggeriert. Der Fortschritt führt indes in die andere Richtung.

Nicht erst seit den Enthüllungen um die NSA wissen wir, dass der Staat mithorcht. Wer keine geeigneten Schutzmaßnahmen am PC oder Smartphone trifft, meldet seinen Bedarf quasi online großen Datennutzern und sogar dem Staat. Damit lassen sich theoretisch Bewegungsmuster und sogar Entscheidungsmuster im Vorfeld identifizieren.

Nicht nur auf der persönlichen Ebene, sondern auch regional bezogen, angereichert mit allerlei Daten. Stellen Sie sich - im harmlosesten Fall - vor, einer der großen Ölkonzerne stellt auf diese Weise fest, dass die Nutzer in großen Städten wie Berlin permanent auf der Jagd nach günstigsten Preisen sind, während sie in ländlichen Regionen alles ungeprüft hinnehmen.

Aus der scheinbaren Souveränität von Verbrauchern ergibt sich damit eine neue Waffe in der Preisoptimierung. Stellen Sie sich zudem vor, die Daten werden mit tatsächlichen Bewegungsdaten verknüpft, etwa, wenn Sie die Ortungsfunktion auf Ihrem Smartphone wie dem iPhone nicht deaktiviert hätten. Suche und tatsächliche Bewegung ergeben schnellstens Verhaltensprognosen, die sich trefflich nutzen lassen.

Oder denken Sie an zeitliche Fragemuster: Stellt sich heraus, dass vor allem morgens angefragt wird, dürfte es nicht lange dauern, bis Preisanpassungen direkt nach den Schwerpunkten vorgenommen werden. Schon diese kleinen Überlegungen zeigen, dass sich die Vorteile schnell in Nachteile wandeln dürften.

Schließlich aber hat auch hier der Krake Staat sämtliche Zugriffsmöglichkeiten. Suchanfragen nach Preisvorteilen sind ein Einblick in Ihr Privatleben - noch dazu meist unbemerkt. Über Suchanfragen und anschließende Aktivitäten lässt sich recht schnell entziffern, wie preissensitiv Sie insgesamt sind - als Individuum oder innerhalb von identifizierbaren Gruppen.

Dies alles sind keine Verschwörungstheorien, sondern technisch lächerliche Standards, die jetzt auch noch zur Meldepflicht auf der einen Seite des Kaufprozesses führen. Ihr einziges Gegenmittel gegen die bereits oftmals dokumentierte Aufzeichnungswut staatlicher und nichtstaatlicher Stellen: Suchanfragen meiden oder PCs und Smartphones sichern.