
Jeder Zehnte vergewaltigte außerhalb der Partnerschaft
Ein knappes Viertel der Männer räumte ein, mindestens einmal eine Frau zum Sex gezwungen zu haben. In vielen Fällen handelte es sich um Vergewaltigungen in der Partnerschaft. Aber jeder Zehnte gab zu, auch schon eine andere Frau vergewaltigt zu haben - Bekannte oder Fremde.
Fast die Hälfte der Befragten bekannte sich sogar als Mehrfachtäter. Besonders eklatant ist offenbar die Situation in Bougainville, einer autonomen Inselregion Papua-Neuguineas. Dort sagten 27 Prozent der Männer, sie hätten schon mal - unabhängig vom Schicksal ihrer Partnerin - andere Frauen vergewaltigt. Das Wort Vergewaltigung wurde bei der Befragung nicht vorgegeben. Die Männer wurden gefragt, ob sie schon einmal eine Frau zum Sex gezwungen hätten, wenn sie nicht wollte oder zu berauscht war, um sich zu wehren.
Quote variiert von 13 bis 57 Prozent
Die Häufigkeit der Bekenntnisse variierte in einzelnen Ländern: So lag die Quote bei der Frage nach erzwungenem Sex mit der Partnerin bei 13 bis 57 Prozent. Im Durchschnitt waren es den Wissenschaftlern zufolge 24 Prozent, in Bezug auf fremde Frauen sechs bis acht Prozent. Die höchste Rate gab es in Papua Neu-Guinea, die niedrigsten in Bangladesch und Indonesien.
Besonders erschreckend ist die kalte und abgebrühte Haltung der Täter, deren Rollen- und Weltbild nicht zuletzt auf der dominanten gesellschaftlichen Vorherrschaft der Männer beruht. Fast drei Viertel der Befragten gaben als Grund für ihr Handeln an, Sex stehe ihnen schließlich zu. Eines Verbrechens sind sie sich demnach nicht bewusst. Jeder zweite Mann sagte aber immerhin, er fühle sich schuldig.
Aus Langeweile oder als Strafe
60 Prozent gaben an, sie hätten zur Unterhaltung vergewaltigt und missbraucht - weil ihnen langweilig war. 38 Prozent taten es, um eine Frau zu bestrafen. Die Forscher fanden heraus, dass Männer, die selbst als Kinder sexuell missbraucht wurden, öfter zu Vergewaltigern wurden als solche, die das nicht erlebt hatten. Traumata allein erklären aber keineswegs, was Frauen und Mädchen durchleiden müssen.
Ein zweites Forschungsteam untersuchte die Gewaltbereitschaft der Männer. Die Wissenschaftler zeigten sich überrascht von dem Ergebnis: "Körperliche Gewalt geht nicht immer einher mit Vergewaltigung", berichtete die Autorin Emma Fulu vom UN-Netzwerk Partner für Prävention in Bangkok, Thailand. "Man nahm bislang an, dass körperliche und sexuelle Gewalt Teile des gleichen Verhaltensmusters sind, aber das ist nach unseren Recherchen nicht unbedingt der Fall." Fast die Hälfte aller Männer gab zu, die Ehefrau oder Partnerin schon mal geschlagen oder getreten zu haben. In Bougainville waren es sogar 80 Prozent.
In Indien haben die zahlreichen Gruppenvergewaltigungen Proteste ausgelöst und zu härteren Strafen auf Initiative der Regierung geführt - jedenfalls in der Theorie. Das allein genügt nicht. "Präventionsmaßnahmen brauchen langfristige Strategien", schrieb Autorin Rachel Jewkes vom Medizinischen Forschungsrat Südafrikas und betonte: "Tief in kulturellen Idealen und Vorstellungen von Männlichkeit und Geschlechterhierarchie verhaftete Verhaltensweisen müssen infrage gestellt werden." Eine ähnliche Studie in Südafrika hatte ergeben, dass fast 40 Prozent der Männer schon einmal eine Frau vergewaltigt hatten.
dpa, AP/dpa, t-online.de



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