Während Ägypten immer tiefer im politischen Chaos versinkt, machen sich Plünderer diese Situation zunutze. Der jüngste Museumsraub im Malawi-Museum in der etwa 300 Kilometer südlich von Kairo gelegenen Provinzhauptstadt al-Minya ist der bisher größte Diebstahl dieser Art in der jüngeren ägyptischen Geschichte.
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Die Räuber entkamen mit mehr als 1000 Objekten, unter denen sich auch eine wertvolle 3500 Jahre alte Kalksteinstatue, antike mit Perlen versehene Schmuckstücke, griechisch-römische Goldmünzen, Keramik und detailliert gestaltete Tierfiguren aus Bronze befanden, die beim Kult des ägyptischen Gottes Thot mit dem Ibiskopf eine Rolle spielen.

Das Museumsgebäude wurde bereits am vergangenen Mittwoch mutwillig zerstört. Die Plünderungen halten nun schon fast eine Woche an, und Brände richteten großen Schaden an. Junge Leute aus der Stadt verbrannten und zerstörten Mumien und Kunstgegenstände, die die Räuber und Plünderer zurückgelassen hatten, weil sie ihnen zu sperrig und zu schwer waren. Der Museumsmitarbeiter, der die Eintrittskarten verkaufte, wurde beim Raub getötet, berichtete die Nachrichtenagentur Associated Press (AP). Weder die Polizei noch in der Nähe stationierte Streitkräfte griffen ein.

Die Archäologin Monica Hanna und ein für die Sicherheit zuständiger Mitarbeiter wurden von Scharfschützen beschossen, konnten aber 40 Artefakte, darunter fünf antike Sarkophage, zwei Mumien und zahlreiche andere Gegenstände retten, die die Diebe in den Straßen liegengelassenhatten. »Ich sagte ihnen, dass dies Eigentum des ägyptischen Volkes sei, und dass sie es mutwillig zerstörten«, berichtete die Archäologin. »Sie waren offenbar verärgert, weil ich nicht verschleiert war.«

Wie der für die Museen verantwortliche Beamte des Ministeriums für Altertümer, Ahmed Scharaf, erklärte, wurden am Montag zwei Statuen zurückgegeben. Er sicherte denen Straffreiheit zu, die die gestohlenen Objekte zurückbrächten. Man könnte sogar in einem solchen Fall mit einer kleinen Belohnung rechnen.

Die Generaldirektorin der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur, UNESCO, Irina Bokowa, verurteilte die jüngsten Angriffe auf Museen und Denkmäler in Ägypten scharf: »Das außergewöhnliche kulturelle Erbe Ägyptens ist nicht nur ein Erbe der Vergangenheit, deren reiche und vielfältige Geschichte es widerspiegelt. Es bildet auch ein Vermächtnis für zukünftige Generationen, und seine Zerstörung schwächt die Grundlagen der ägyptischen Gesellschaft auf schwerwiegende Weise.«

Leider ist dies nicht das erste Mal, dass auf ägyptischem Boden seit Beginn der Proteste 2011 größere Plünderungen begangen wurden. Während der 18-tägigen Revolution kam es im ganzen Land zu Plünderungen und Diebstählen. So wurden mehr als 50 Kunst- und Kulturgegenstände aus dem Kairoer Museum gestohlen. Aber wie Scharaf berichtete, ist die Hälfte der gestohlenen Gegenstände bis heute wieder aufgetaucht. Und im Dezember 2011 wurden an die 200 000 seltene und wertvolle Bücher durch einen Brand im Gebäude des 1798 von Napoleon Bonaparte gegründeten Wissenschaftlichen Instituts in Kairo vernichtet oder schwer geschädigt. Nach ersten Schätzungen konnten nur 30 000 Bände gerettet werden.

Al-minya gilt seit Langem als Hochburg islamistischer Bewegungen und auch der Muslimbrüder. Noch 2008 konnten Touristen die Stadt teilweise nur unter Polizeischutz besuchen.