Eingeschlossenes Kohlendioxid kommt in Bergwerken häufig vor. Erfahrene Bergarbeiter wissen das. Doch mit so einer Riesenblase konnte niemand rechnen, sagen Fachleute.
© Daniel Reinhardt/dpaOffenbar sorgten unglückliche Umstände für den Unfall unter Tage.
Eine große unterirdische Gasblase scheint das Unglück im Kali-Bergwerk in Thüringen verursacht zu haben. Bei dem tragischen Unfall kamen gestern
drei Bergleute ums Leben, derzeit ermitteln die
Staatsanwaltschaft und Polizei noch die Ursachen. Wenig spricht derzeit für menschliches Versagen oder technische Fehler. Vermutlich kamen einfach ungünstige Faktoren zusammen.
Der Unfall passierte in einem Schacht, 900 Meter unter der Erde. Dort sollte Gestein von den Wänden des Schachts abgesprengt werden, um daraus Kali-Salze zu gewinnen. Doch dann entlud sich plötzlich eine mit Kohlendioxid gefüllte Blase. Das Gas war im Gestein eingeschlossen. Relativ häufig sind Unglücke in Bergwerken durch Grubengas. Dabei reagiert Methan mit Sauerstoff, was eine Explosion auslöst. Doch diesmal war es der pure Druck des Gaseinschlusses, der den Bergleuten zum Verhängnis wurde.
"Nach dem zu urteilen, was ich bisher weiß, sind die Bergleute vorschriftsmäßig vorgegangen", sagt
Per Nicolai Martens. Der Direktor des Instituts für Bergbaukunde in Aachen hat selbst früher in Bergwerken gearbeitet und glaubt, dass die verunglückten Bergleute Opfer einer Verkettung unglücklicher Umstände wurden. Es sei jedenfalls Routine, in der Pause zwischen zwei Schichten der Arbeiter im Bergwerk neues Gestein frei zu sprengen. Die Bergleute hätten sich, nach allem was bisher bekannt ist, an die Vorschriften gehalten.
Die sieben Männer eines Vortrupps, der nach einer kontrollierten Sprengung den Schacht hätte auskundschaften sollen, scheint nach derzeitigem Kenntnisstand eine ungewöhnlich große Kohlendioxid-Blase überrascht zu haben. Solche unter Tage eingeschlossenen Gasblasen haben sich im Verlauf von Jahrmillionen durch Verschiebungen im Gestein gebildet. Durch die Erdschichten über so einer Blase und die Gesteinsformationen drumherum, herrscht im Inneren ein starker Druck. Martens sagt: "Sie müssen sich das vorstellen wie eine Sprudelwasserflasche, die geschüttelt wurde und noch unter Verschluss ist. Sobald Sie die öffnen, schießt es da richtig heraus."
Eine Schockwelle rollte durch den StollenGerade weil das Problem solcher Gasblasen bekannt ist, werden vor Sprengungen die einzelnen Sohlen, die Stockwerke in einem Bergwerk, weiträumig gesperrt. Erst danach wird aus weiter Entfernung der Sprengstoff gezündet. Unklar ist derzeit, wieso die sieben Bergleute von der Schockwelle und der Kohlendioxid-Wolke, die der Sprengung folgten, erfasst wurden.
Günther Apel von der Bergbaufirma
DMT in Essen vermutet, dass nicht der gesamte Schacht vor der Sprengung geräumt wurde, sondern nur die Ebene 900 Meter unter der Oberfläche. Der Vortrupp jedenfalls hielt sich in 700 Metern Tiefe auf. Vielleicht, um andere Arbeiten durchzuführen, oder, um die Sprengung von dort aus abzuwarten.
Dass 200 Meter über einem Schacht, in dem gesprengt wird, noch Leute arbeiten, sei eigentlich auch kein Problem. Ein solcher Abstand vom Sprengungsort sei normalerweise mehr als ausreichend. Denn üblicherweise sind die Einschlüsse aus Kohlendioxid klein und die Auswirkungen viel weniger heftig als dieses Mal.
"Man muss ganz klar sagen: Man rechnet mit diesen riesigen Mengen an eingeschlossenem Kohlendioxid einfach nicht", sagt Apel. Einen Vorfall in dieser Größenordnung habe es seit Jahrzehnten nicht gegeben.
Derweil erklärte die für den Vorfall zuständige Polizeibehörde in Suhl, dass man noch nicht sagen könne, ob die drei verstorbenen Personen erstickt seien, weil das Kohlendioxid im Stollen den Sauerstoff verdrängte, oder ob sie durch herunterstürzendes Geröll erschlagen wurden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiter.
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