Das Allgemeinwissen der Erwachsenen in Deutschland ist im internationalen Vergleich nur mittelmäßig. Dies gilt sowohl für das Lesen und Verstehen von Texten wie auch für einfache Grundrechenarten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Bildungsstudie für Erwachsene der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Zudem hängt in Deutschland die Lesekompetenz so sehr vom Bildungsstand der Eltern ab wie in kaum einem anderen Land.
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© dpaDas Lesevermögen hängt in Deutschland stark vom Bildungsstand der Eltern ab - Blick in die Stuttgarter Stadtbibliothek.
Mit der "PISA für Erwachsene"-Studie hat sich die Organisation erstmal mit der Frage beschäftigt, welche Fähigkeiten Erwachsene haben. Dafür wurden 16- bis 65-Jährige aus 24 Ländern auf verschiedene Alltagskompetenzen getestet. Getestet wurden neben Leseverständnis und mathematischem Verständnis auch Problemlösungen mittels Computer. Demnach hat ein beträchtlicher Teil der Erwachsenen Schwierigkeiten, digitale Technik und Netzwerke zu nutzen.

12,6 Prozent können keine Maus bedienen

Bis zu 27 Prozent der Testpersonen haben keinerlei Erfahrung mit Computern oder scheitern an grundlegenden Anforderungen. 12,6 Prozent können in Deutschland zum Beispiel keine Maus bedienen.

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Eine Frage aus der PIAAC-Studie zur Lesekompetenz: Um welche Uhrzeit sollten die Kinder spätestens im Kindergarten eintreffen? Die richtige Antwort ist: spätestens um 10 Uhr.
Im Aufgabenfeld Lesen - also dem Verstehen, Interpretieren und Bewerten von Texten - erzielten die Teilnehmer in Deutschland im Mittel 270 Punkte. Das liegt knapp unter dem OECD-Durchschnitt von 273 Punkten. Das beste mittlere Leseverständnis haben der Erhebung zufolge die Menschen in Japan (296 Punkte) und Finnland (288).

10,7 Prozent der Testpersonen in Deutschland erreichten die höchsten Kompetenzstufen (4 und 5). Der OECD-Schnitt liegt bei 11,8 Prozent. Gleichzeitig sind 17,5 Prozent der Menschen in Deutschland maximal in der Lage, kurze Texte mit einfachem Vokabular zu lesen und ihnen in stark begrenztem Maße Informationen zu entnehmen (Stufe 1 oder niedriger). Der OECD-Schnitt beträgt hier 15,5 Prozent.

Alltagsaufgaben, die mathematisches Verständnis erfordern, lösen Deutsche im Schnitt etwas besser als die internationale Vergleichsgruppe: 14,2 Prozent meistern die Stufen 4 und 5, OECD-weit sind es 12,5 Prozent. Aber auch hier gelangen 18,5 Prozent der Testpersonen in Deutschland nicht über das grundlegendste Niveau hinaus, das einfaches Zählen, Sortieren und die Verwendung der Grundrechenarten erfordert. Im OECD-Durchschnitt befinden sich sogar 19 Prozent auf der Stufe 1 oder niedriger. Die besten mittleren Ergebnisse erreichen auch in diesem Aufgabenfeld Japan (288 Punkte) und Finnland (282). Der Abstand zu Deutschland (272) ist jedoch weniger ausgeprägt als beim Leseverständnis.

Lesekompetenz hängt von Bildungsstand der Eltern ab

Ein Zusammenhang, der in Deutschland über alle Altersgruppen hinweg gleichmäßig stark besteht, ist jener zwischen sozialem Hintergrund und Lesevermögen. Testpersonen, deren Eltern weder Abitur noch Berufsausbildung haben, erzielen im Mittel 54 Punkte weniger als jene, bei denen mindestens ein Elternteil einen (Fach-)Hochschulabschluss oder einen Meisterbrief vorweisen kann. Nur in den USA ist der Abstand noch größer.
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Eine Frage aus der PIAAC-Studie zu alltagsmathematischer Kompetenz: Welche Temperatur zeigt das Thermometer in Grad Fahrenheit an? Die richtige Antwort: 78.
Nach Angaben der OECD gehen aber gleiche Chancen und ein hohes Kompetenzniveau durchaus zusammen: Japan zum Beispiel vereint überdurchschnittliche Leistungen mit einer hohen Chancengerechtigkeit. In geringerem Maße gilt das auch für Australien, die Niederlande, Norwegen und Schweden.

Die PIAAC-Studie

Die neue OECD-Bildungsstudie für Erwachsene kürzt sich PIAAC ab. Das steht für "Programme for the International Assessment of Adult Competencies", auf deutsch: Programm zur internationalen Einschätzung der Kompetenzen Erwachsener.

An dem Test nahmen rund 166 000 Erwachsene im Alter von 16 bis 65 Jahren und aus 24 Ländern und Regionen teil. Aus der OECD waren das Australien, Belgien (Flandern), Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Japan, Kanada, Korea, die Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Schweden, die Slowakische Republik, Spanien, die Tschechischen Republik, das Vereinigte Königreich (England und Nordirland) und die Vereinigten Staaten. Außerhalb der OECD beteiligten sich Zypern und die Russische Föderation. 5465 Teilnehmer kamen aus Deutschland.