Der EU-Kommissionspräsident und der italienische Ministerpräsident haben am Mittwoch die italienische Insel besucht, vor der vergangene Woche Hunderte Flüchtlinge ertrunken sind.


EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso und der italienische Ministerpräsident Enrico Letta haben am Mittwochvormittag die italienische Insel Lampedusa besucht.

Ihr erster Stop galt einem Hangar am Flughafen, in dem vorübergehend die Särge Hunderter Ertrunkener aufgebahrt wurden. Für die Opfer soll es laut Letta ein Staatsbegräbnis geben. Barroso zeigte sich bei seinem Besuch erschüttert: "Das Bild von Hunderten Särgen werde ich nie mehr aus dem Kopf bekommen. So etwas kann man nicht vergessen. Särge von Babys, ein Sarg einer Mutter mit ihrem neugeborenen Kind. Das hat mich sehr schockiert und traurig gemacht." Darüber hinaus versprach Barroso weitere Hilfen: "Konkret wird Italien zusätzliche Hilfen in Höhe von 30 Millionen Euro erhalten. Aber wir wissen natürlich, dass gemeinsam mit den Mitgliedsstaaten noch viel mehr getan werden muss." Am Zaun, der den Flughafen eingrenzt, hielten Einwohner Fotos von Flüchtlingen in die Höhe und empfingen die hochrangigen Besucher mit Schmäh-Rufen. In der Stadt teilen einige diese Ablehnung der Würdenträger. "Warum kommen sie her? Um zu sehen, dass alle tot sind?" "Ich werde nach diesem Unglück nie mehr der selbe sein. Darum geht es. Ob Barroso da kommt oder nicht, ist mir völlig egal." Am Dienstag nahm die italienische Polizei einen Tunesier fest. Er soll das Boot mit den Flüchtlingen gesteuert haben, das vor knapp einer Woche vor Lampedusa sank. Nach mehreren Befragungen wurde er am Abend auf einer Fähre nach Sizilien gebracht. Am Mittwochmorgen ging die Bergung der Leichen aus dem gesunkenen Wrack weiter.