
"Bisher haben wir keinerlei Meldung zum Verschwinden eines Kindes dieses Alters in Griechenland", sagte der Polizeichef der Region Thessalien, Vassilis Halatsis. Über die internationale Polizeiorganisation Interpol wollten die Ermittler daher nun andere europäische Länder um Informationen bitten. Das Kind könnte aus einem Krankenhaus entführt oder von seiner Mutter zurückgelassen worden sein, sagte Halatsis.
Keinerleit Ähnlichkeit mit Roma-Paar
Auf Anweisung der Staatsanwaltschaft wurden zudem Gen-Proben in ausländische Labors geschickt und Fotos des Mädchens europaweit veröffentlicht, um ihre biologischen Eltern zu finden. Die Behörden vermuten aufgrund des Aussehens des Mädchens, sie könne aus Skandinavien oder Osteuropa stammen. Bei der Kontrolle des Lagers war Maria den Polizisten wegen ihrer grünen Augen und blonden Haare aufgefallen. Es hatte keinerlei Ähnlichkeit mit dem Paar, bei dem es lebte.
Die Entdeckung des Mädchens gibt den Eltern der vermissten Maddie McCann unterdessen neue Hoffnung, wie ihr Sprecher der Zeitung Daily Mirror sagte. Gerry und Kate McCann suchen seit dem Verschwinden ihrer damals dreijährigen Tochter aus einer Ferienanlage in Portugal im Mai 2007 nach ihr.
In Griechenland ergaben erste Ermittlungen, dass das Kind wohl 2009 seinen Eltern weggenommen worden war. Anschließend hätten sich die beiden Tatverdächtigen in Athen Geburtsurkunde und Taufschein erschlichen. Die genauen Umstände der mutmaßlichen Entführung blieben jedoch zunächst unklar. Die griechische Polizei forscht nun in Geburtskliniken, Krankenhäusern und Kinderheimen nicht nur nach den Eltern der kleinen Maria, sondern auch nach anderen vergleichbaren Fällen, die auf organisierten Kinderhandel hinweisen könnten.
Bei einer Vernehmung verstrickten sich der 39-Jährige und die 40-Jährige in Widersprüche, auch die Geburtsregister gaben keine Klarheit, wie die BBC berichtet. Die Anwältin des Paares, Marietta Palavra, sagte, die beiden hätten das Kind aus einem Heim zu sich geholt, als es erst wenige Tage alt war. Es sei von einer ausländischen Frau in Griechenland geboren worden, die das Kind loswerden habe loswerden wollen. Nur weil die verdächtige Frau falsche Papiere vorgelegt habe, mache sie das noch nicht zu einer Kidnapperin, sagte Palavra. "Das Paar hat das Mädchen geliebt, als sei es sein eigenes Kind."
Rätselhafter Kindersegen
Die Frau, bei der das Mädchen entdeckt wurde, hatte Medienberichten zufolge zwei gültige Personalausweise und zwei Familienstammbücher. In denen waren insgesamt zehn Kinder eingetragen, was weitere Fragen aufwirft: Laut den in den Stammbüchern gemachten Angaben hätte die Frau drei Kinder innerhalb von fünf Monaten und drei weitere innerhalb von dreieinhalb Monaten zur Welt gebracht haben müssen. Der Mann führte ein weiteres Stammbuch mit noch einmal vier Kindern. Auf diesen Kindersegen angesprochen, sagte die Anwältin des Paares im griechischen Fernsehen, dass solche illegalen Praktiken der Erschleichung von Kindergeldern dienten.
Maria befindet sich derzeit in Obhut der Hilfsorganisation "Smile of the Child". Deren Präsident Kostas Yaaopoulos sagte der BBC, das Kind sei bei guter Gesundheit, aber verwirrt darüber, nicht mehr in seiner gewohnten Umgebung zu leben. Er glaubt, dass Maria von ihren mutmaßlichen Eltern zum Betteln genötigt wurde.



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