Auf dem Bauplatz einer Moschee in Leipzig haben Unbekannte fünf blutige Schweineköpfe aufgespießt und eine Mülltonne angezündet. Gegen den Bau der Moschee im Stadtteil Gohlis gibt es seit Wochen Proteste - nicht nur von Rechtsradikalen.
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© dpaUnbekannte haben auf dem Baugelände einer Moschee in Leipzig Schweineköpfe aufgespießt und eine Mülltonne angezündet
Unbekannte haben auf dem Baugelände einer Moschee in Leipzig fünf blutige Schweineköpfe auf Holzpflöcke gespießt. Der Staatsschutz habe Ermittlungen aufgenommen, sagte Polizeisprecherin Birgit Höhn am Freitag.

Entdeckt wurde der Anschlag am Donnerstagabend von der Feuerwehr. Die war alarmiert worden, weil auf dem Bauplatz zudem eine Mülltonne brannte. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) reagierte entsetzt auf die „feige Tat“.

Bürgerinitiative und NPD gegen die Moschee

Die islamische Glaubensgemeinschaft der Ahmadiyya Muslim Jamaat will im Leipziger Stadtteil Gohlis eine Moschee mit Minaretten errichten. Die Ahmadiyya-Gemeinde gilt als eine gemäßigte muslimische Reformbewegung. Sie ist nach eigenen Angaben in Deutschland seit den 1950er Jahren aktiv, hat etwa 225 Gemeinden und mehr als 35 000 Mitglieder.

Die Stadtverwaltung in Leipzig steht dem Moschee-Bau positiv gegenüber. Allerdings regt sich seit Wochen Protest, unter anderem von einer Bürgerinitiative im Stadtteil. Aber auch die rechtsextreme NPD profiliert sich als Gegner.

Oberbürgermeister „geschockt von diesem widerwärtigen Anschlag.“

Oberbürgermeister Jung erklärte: „Die Stadt Leipzig ist geschockt von diesem widerwärtigen Anschlag. Ein solcher Frevel, der jenseits meiner Vorstellung liegt und der die Grundlagen des interreligiösen Zusammenlebens erschüttert, ist nicht hinnehmbar.“ Er bitte die Ahmadiyya-Gemeinde im Namen der Stadt um Entschuldigung.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman A. Mazyek, sagte Bild.de, der Vorfall sei ein „feiger Angriff auf die gesamtdeutsche Gesellschaft“.

Der Bundesvorsitzende der Glaubensgemeinschaft, Abdullah Uwe Wagishauser, reagierte dagegen einem Bericht von LVZ Online zufolge unbeeindruckt. „Das bringt uns nicht außer Fassung“, sagte er. Er finde es nur sehr traurig, dass sich Menschen auf eine solche Ebene begäben. Provokationen kenne er aber schon von anderen Bauprojekten.

Siegmar Gabriel ruft zum Kampf gegen Rechtsextremismus auf

SPD-Chef Sigmar Gabriel und weitere SPD-Politiker haben in Leipzig ein zuvor von Unbekannten geschändetes Moscheegelände besucht. Bei seinem Besuch auf dem Moscheegelände wurde er von Dulig sowie von Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) begleitet. Der SPD-Parteitag, der ebenfalls in Leipzig stattfand, verabschiedete am Samstag einmütig eine Solidaritätsadresse für die betroffene Gemeinde. Darin wurde „der offensichtlich islamfeindliche Anschlag auf das Schärfste verurteilt“. Gabriel machte auf dem Parteitag mutmaßliche Rechtsradikale für die Tat verantwortlich und forderte auf dem Parteitag auch eine bessere Finanzausstattung für Städte. „Rechtspopulismus hat viel größere Chancen, wo Städte verwahrlosen“, sagte er mit Blick auf rechtsextreme Vorfälle auch an anderen Orten.

brü/dpa