Ben Bernanke
© dpaFed-Chef Ben Bernanke hat das Anleihenkaufprogramm immer weiter aufgestockt - und so das gigantische Schuldenmachen der Politiker erst ermöglicht.
Vor wenigen Monaten haben die Schulden Japans die Marke von einer Billiarde Yen überschritten. Die Verbindlichkeiten der USA sind in den vergangenen fünf Jahren um 7,2 Billionen Dollar nach oben geschossen. In Europa haben Länder wie Italien bedenklich hohe Schulden. Das ungebremste Geldausgeben kann aber nicht unendlich weitergehen.

Die Schuldenspirale dreht sich immer schneller: Anfang August hat Japan gemeldet, dass die Staatsschulden Ende Juni erstmals die Marke von einer Billiarde Yen (10,5 Billionen Dollar) überschritten haben. Das war ein Anstieg um 1,7 Prozent innerhalb von lediglich drei Monaten. Das Finanzministerium prognostiziert, dass die Schulden bis zum Ende des laufenden Fiskaljahres, das im März 2014 endet, auf 1,1 Billiarden Yen klettern werden. Laut unseren Berechnungen sind das rund 220 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das ist mit weitem Abstand der schlechteste Wert weltweit. Im März 2009 lagen die Schulden mit rund 850 Billionen Yen bei 174 Prozent des BIPs. Selbst das war schon ein viel zu hoher Wert. Laut den Angaben des Finanzministeriums steht jeder Japaner derzeit mit umgerechnet 58.000 Euro in der Kreide - Tendenz stark steigend.

An der Misere wird auch nichts ändern, dass im April 2014 die Mehrwertsteuer von fünf Prozent auf acht Prozent steigen wird. Dazu ist der Satz immer noch viel zu niedrig. Dabei gibt Japan im laufenden Fiskaljahr 22,2 Billionen Yen (rund 220 Mrd. Dollar) allein für Zinszahlungen aus. Damit gehen mehr als die Hälfte aller Steuereinnahmen allein für Zinszahlungen drauf. Im nächsten Fiskaljahr sollen es schon 257 Mrd. Dollar sein - ein neuer Negativrekord. Die Gefahr, dass es nach der Mehrwertsteuererhöhung im April 2014 zu einem deutlichen Konjunkturrückschlag kommt, dürfte dafür sorgen, dass die Notenbank eher früher als später noch mehr auf das Gaspedal treten wird. Dabei kauft sie jetzt schon für umgerechnet 70 Mrd. Dollar monatlich Staatsanleihen.

Die Lage in den USA wird immer besorgniserregender

Die Schuldensituation der USA ist zwar noch nicht ganz so schlecht wie die Japans, allerdings wird auch sie immer besorgniserregender. Seit September 2008, also der Lehman-Pleite, sind die Staatsschulden um 7,2 Billionen auf astronomische 17,2 Billionen Dollar hochgeschossen. Das sind 107 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Laut Michael Pento, Gründer des Vermögensverwalters Pento Portfolio Strategies, zeigt sich das Ausmaß des Problems noch viel stärker, wenn man die Schulden nicht zum BIP sondern zu den Steuereinnahmen ins Verhältnis setzt. „Die Schulden belaufen sich auf 700 Prozent der Steuereinnahmen. Gemessen an den Steuereinnahmen wachsen die Schulden mit 30 Prozent pro Jahr und vergrößern so den Schuldenberg immer weiter. Das ist nicht nachhaltig." Irgendwann werde es beim Dollar und am Anleihenmarkt zu einem Kollaps kommen. „Es wird nicht mehr 20 Jahre dauern. 2016 werden die USA 40 Prozent aller Steuereinnahmen nur für Zinszahlungen aufwänden."

Bei dem Punkt nochmal kurz zurück zu Japan: Die Schulden des Landes belaufen sich auf weit mehr als das 20fache der jährlichen Steuereinnahmen. Damit rangiert das Land meilenweit vor allen anderen Ländern der Welt.

Italien ist eines der größten Sorgenkinder in Europa

In Europa kämpfen etliche Länder ebenfalls mit einem immensen Schuldenberg. So belaufen sich die Verbindlichkeiten Italiens auf mehr als zwei Billionen Euro. Nachdem die Schulden 2012 auf 127 Prozent des Bruttoinlandsprodukts geklettert waren, soll der Wert in diesem Jahr auf 131 Prozent steigen.

Entgegen den Behauptungen der Notenbanker, die mit ihren massiven Käufen von Staatsanleihen das Schuldenmachen erst möglich machen, kann die Orgie nicht unendlich weitergehen. Irgendwann werden Investoren das Vertrauen in die Notenbanken verlieren. Dann wird es zu einem Crash am Währungs- und am Anleihenmarkt kommen. Aktienbesitzer sollten daher nicht nur den Aktienmarkt sondern auch den Währungs- und den Anleihenmarkt genau im Auge behalten.