
„Ich kehrte zurück zu dir die hände sogleich in ketten oh land meiner geburt das so sehr ich liebe [...] oh Menschenrechte wo wart ihr als diese leute uns behandelten Derart“ (Meyomesse: Gedichte eines Häftlings in Kondengui). So beschreibt Enoh Meyomesse die Rückkehr 2011 in sein Heimatland. Während Kamerun von europäischer Seite in jüngster Vergangenheit allein durch seine Chance auf die Qualifikation für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 wahrgenommen wurde, gerät die das Land bestimmende, politische Korruption oftmals weit in den Hintergrund. Nach seiner Unabhängigkeit 1961 regierte zunächst Ahmadou Ahidjo diktatorisch über den zentralafrikanischen Vielvölkerstaat.
Seit 1982 ist Paul Biya der Präsident Kameruns. Er führte ein Mehrparteiensystem ein und sorgte für eine größere Freiheit der Presse. Und dennoch: Das Land ist auch unter Biya bestimmt von Wahlmanipulation und Schikanierungen Andersdenkender. So verweist der UNO-Menschenrechtsrat auf die im Land vorherrschenden, erheblichen Mängel bezüglich der Gewalt gegen Frauen, Missbrauch von Kindern, desolate Haftbedingungen und Straflosigkeit der Polizei. Auffällig erscheint zudem die seit 22 Jahren trotz Gegenkandidaturen anhaltende Regierungsperiode des Präsidenten Biya. Auch Enoh Meyomesse trat bei den Präsidentschaftswahlen 2011 an, man untersagte ihm die Kandidatur jedoch mit Verweis auf Formalfehler.
Meyomesse, der wie auch Präsident Biya studierter Politikwissenschaftler ist, war bereits 1984 bei seiner Einreise aus Frankreich verhaftet worden, nachdem er sich zuvor öffentlich für demokratische Reformen seines Landes eingesetzt hatte. Nach dessen gescheiterter Präsidentschaftskandidatur 2011 inhaftierte die Regierung Meyomesse erneut. Dieses Mal unter dem Vorwurf schweren Diebstahls, eines vermeintlichen Putschversuches sowie illegalen Waffenbesitzes. Während der 30-tägigen Untersuchungshaft in Bertoua folterte man ihn mit Licht- und Nahrungsentzug.
Ohne Durchsuchungsbefehl drang die Polizei in Meyomesses Wohnung ein, plünderte und stahl mehrere seiner Buchmanuskripte. Nach seiner Überführung in das Gefängnis Kondengui in Kameruns Hauptstadt Yaoundé, verurteilte ihn das Gericht ohne Anwesenheit von Klägern, Zeugen oder Beweismitteln im Dezember 2012 zu sieben Jahren Haft. Das Hochsicherheitsgefängnis weist laut Amnesty International prekäre Haftbedingungen auf, da die vorgeschriebene Kapazität von 2000 Häftlingen um beinahe das Fünffache überschritten werde. Und auch Reporter ohne Grenzen machen auf die unzureichenden hygienischen wie medizinischen Bedingungen der Haftanstalt aufmerksam. Meyomesse verarbeitet die erschreckenden Gefängnisrealitäten in seinen Gedichten. Er schreibt von unzureichender Nahrung, Korruption und Schwarzmarkt, von Folter und einer Verzweiflung die bis zu Selbstmordgedanken reicht. Aber auch das Aufflackern neuer Hoffnung und ein nicht enden wollender Kampfgeist sprechen aus seinen Gedichten, die im Herbst diesen Jahres durch den österreichischen PEN (Löcker Verlag) veröffentlicht wurden. Aufgrund der beständigen Fortführung seiner Arbeit trotz Verfolgung und Folter wurde Enoh Meyomesse bereits im Januar 2013 mit dem von Oxfam und PEN vergebenen Freedom of Expression Award ausgezeichnet.
In seiner Dankesrede zeigt sich Meyomesse trotz der erlittenen Folter und Repression zuversichtlich: „Nichts wird den Marsch der Völker dieser Welt in Richtung Freiheit aufhalten, dies ist meine tiefe Überzeugung.“



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