Weil er den Opfern im syrischen Bürgerkrieg helfen wollte, war der britische Arzt Abbas Khan (32) auf eigene Faust nach Aleppo gereist. Doch für den selbstlosen Einsatz hat er offenbar mit seinem Leben gezahlt.

Nach Angaben seiner Familie ist der Arzt in syrischer Gefangenschaft umgekommen, wie am Dienstag bekannt wurde.

Abbas Khan hatte Mitte November vergangenen Jahres eine berufliche Auszeit genommen, um für den Verein Human Aid in der Türkei zu arbeiten. Sein Einsatzgebiet war an der Grenze zu Syrien, wo er zahlreiche Opfer des dortigen Bürgerkriegs verarztete.

Doch er wollte nicht nur den Flüchtlingen helfen, sondern dorthin, wo dringend Ärzte gebraucht werden: mitten im Kriegsgebiet.

Am 20. November fuhr er ohne ein Visum über die Grenze, um in einem Feld-Krankenhaus im Rebellenviertel von Aleppo zu arbeiten.

Gerade einmal 24 Stunden war er dort im Einsatz, bis er von syrischen Einsatzkräften aufgegriffen wurde. Dort verlor sich seine Spur plötzlich - der Vater zweier Kinder verschwand.

Als niemand nach ihm suchte, beantragte seine Mutter Fatima im März ein Visum, um selbst in Syrien nach ihm zu suchen. Drei Monate später im Juli bekam sie es. Vier Monate lang suchte sie ihn - und fand ihn schließlich:

Er war am 22. November 2012 festgenommen und in einem Militärgefängnis festgehalten worden.

Als seine Mutter ihn das erste Mal dort besuchte, habe er nur noch 32 Kilo gewogen. „Er sah aus wie ein Skelett, konnte kaum noch laufen“, erzählte sie der „Daily Mail“ Anfang November. Er habe geweint, als er sie gesehen habe und gefleht: „Mutter, hol mich hier raus!“

Dann habe er von Folter erzählt. Er sei „durch acht Monate Hölle“ gegangen und habe mehrmals gedacht, dass er einfach nur sterben wolle. Auch der britischen Rundfunkanstalt BBC erzählte die Mutter, dass ihr Sohn gefoltert worden sei.

Von da an habe Fatima ihren Sohn einmal die Woche besucht.

Auf einmal sah alles nach einem Happy End aus, Khans Bruder Afroze erzählte der BBC, dass der Chirurg eigentlich diese Woche hätte freikommen sollen.

Doch am Montag hätten die Behörden seine Mutter über dessen Tod unterrichtet. „Mein Bruder war so glücklich und freute sich auf seine Freilassung“, sagte Afroze der BBC am Dienstag.

Wie Abbas Khan starb, darüber wurde die Familie demnach nicht informiert.

Afroze erhob schwere Vorwürfe gegen das britische Außenministerium, das zu wenig für die Freilassung seines Bruders getan habe. Das Ministerium zeigte sich in einer Erklärung „zutiefst beunruhigt” und teilte mit, sich mehrmals vergeblich um konsularischen Kontakt zu Khan bemüht zu haben. Außen-Staatssekretär Hugh Robertson erklärte am Abend, Khan sei von der syrischen Staatsmacht „de facto umgebracht” worden.

Der britische Abgeordnete George Galloway, der in der Sache vermittelt hatte und Khan eigentlich in wenigen Tagen hätte abholen sollen, bestätigte den Tod des Arztes. Dessen Familie zufolge sollen die syrischen Behörden erklärt haben, Khan habe sich das Leben genommen.

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte ging indes vielmehr von Folter aus, an deren Folgen er gestorben sein könnte.