Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte kürzlich vorgeschlagen, höhere Vermögen mit zehn Prozent zu belasten. Dies soll die Staatsverschuldung in Europa verringern. Ein Professor warnt nachdrücklich vor solchen Plänen.

Bild
© Bundesarchiv, Bild 183-2005-1017-514 / CC-BY-SA
1948: Deutschland stand vor einem Neuanfang. Radikale Maßnahmen waren erforderlich, um Gesellschaft, Wirtschaft und Staat wieder auf Vordermann zu bringen. Das besetzte Land reagierte mit einer Währungsreform. Einem so genannten Währungsschnitt, mit dem der Nullpunkt neu gesetzt wurde. Drohen heute ähnliche Maßnahmen?

Drohen Enteignungen?

1948: Jeder Bürger konnte 60 DM eintauschen. Das sonstige Vermögen wurde im Verhältnis 1:10 in die neue Währung getauscht. Eine glatte Enteignung, ein Schnitt mit der Vergangenheit. Die meisten Wirtschaftshistoriker meinen: richtig. Wer Schulden hatte, konnte sich freuen. Der Staat wurde seine Verbindlichkeiten vollends los, andere reduzierten ihre Schulden auf einen Schlag. Die Banken erhielten indes eine Ausgleichsforderung, durch die Verluste vermieden werden sollten.

Dieser Fakt ist bekannt. Weniger Menschen wissen, dass damals auch das Vermögen mit einer Abgabe von 50 Prozent belastet wurde. Zudem wurden so genannte Umstellungsgewinne vom Staat kassiert. Wer ein Haus mit 50 000 Reichsmark belastet hatte, hätte plötzlich nur 5000 DM Schulden gehabt. Diese »Gewinne« wurden versteuert.

Prof. Philipp Bagus nannte dies jüngst in einem Interview mit dem Smart Investor »Ruin«. Die Sparer wurden ruiniert, die Banken rekapitalisiert, der Staat komplett entschuldet.

Gleiches droht heute auch, wenn die Staatsschulden weiter steigen. Und dies passiert aktuell. Das Defizit ist bis September im ablaufenden Jahr um fünf Prozent gestiegen, trotz guter Konjunktur. Rasseln die Wirtschaftsdaten nach unten, dürfte sich die Talfahrt noch beschleunigen. Deshalb bleibt die Überschuldung in Deutschland speziell und allgemein im Euro-Raum das große, bestimmende Thema für das kommende Jahr.

Wenn die Regierungen weiterhin die Inflationierung des Geldwesens vermeiden wollen, bleibt als Alternative nur eine hohe Steuer - oder Maßnahmen wie die Vermögensabgabe. Diese Gefahr sieht auch Prof. Bagus und warnt zumindest vor dem dann großen Misstrauen in der Bevölkerung. Eine Vermögensabgabe, so seine Einschätzung, sei in Deutschland gegenwärtig politisch nicht durchsetzbar.

Alles andere wäre »politischer Selbstmord«. Umgekehrt bleibt die Frage: Was, wenn genau dies nach der Forderung des IWF eintreten sollte? Eine der beiden Alternativen - Vermögensabgabe, wie nach 1948 unter anderen Maßnahmen geschehen, und Inflationierung - wird 2014 oder 2015 eingesetzt werden. Schützen Sie sich. Prof. Bagus erinnert daran: Realbesitz oder Vermögenswerte, die nicht erfasst wurden, waren die Versicherung für die »Glücklicheren«. 1948 und die fortfolgenden Jahre sind ein Musterbeispiel für das, was 2014/2015 auf uns zukommen dürfte.