
Bisher lud die Camorra den Giftmüll, der hauptsächlich aus den Fabriken in Norditalien stammt, im Umland von Neapel ab, also praktisch im eigenen Hinterhof. Das Ackerland in der Region ist inzwischen mit gefährlichen Mengen von Arsen, Blei und anderen Schadstoffen verseucht, wie kürzlich bekanntwurde. Im vergangenen Monat protestierten deshalb mehrere zehntausend Menschen in den Straßen von Neapel.
Roberti erklärte, die südlichen Gebiete, in denen die Camorra herrscht, seien inzwischen „gesättigt“. Die Mafia muss nun in andere Gegenden ausweichen. Die engen Beziehungen zwischen der Camorra und chinesischen Kriminellen machen die Umgebung von Prato zu einer logischen Wahl für die Mafia auf der Suche nach neuen Ablademöglichkeiten.
Die Camorra unterhält langjährige und profitable Beziehungen zu chinesischen Gangstern, die gefälschte Markenware herstellen und vertreiben. Um die Stadt Prato betreiben die Chinesen geheime Textilfabriken, in denen häufig illegal Eingewanderte aus China arbeiten.
Die Mafia müsse unter den Fabriken und Krankenhäusern in Norditalien nicht lange nach Kunden für ihre illegalen Deponien suchen, erklärte Roberti. Jeder, der Giftmüll für einen Bruchteil des legal aufgerufenen Preises verschwinden lassen wolle, wisse, an wen er sich wenden müsse. „Das ist ein Bekanntenkreise, ein Ring aus Kontakten“, sagte er. „Je gefährlicher der Müll, desto mehr zahlen die Firmen.“
Roberto weiß, wovon er spricht. Er war jahrelang der für die Mafia zuständige Staatsanwalt in Neapel, bevor er in diesem Jahr auf die Bundesebene befördert wurde.
Ermittlungen ergaben in der Vergangenheit, dass die Camorra und ihre chinesischen Komplizen in dem lukrativen Geschäft mit dem Giftmüll zusammenarbeiten. Im Rahmen einer Operation mit dem Codenamen Marco Polo wurden 2005 von der Polizei im Hafen von Neapel 20 Container beschlagnahmt. Sie wurden gerade für die Verschiffung vorbereitet. Die Fracht - toxischer Müll und Krankenhausabfall - sollte nach China und Hongkong gebracht werden.
ap



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