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© dpa/Jens Büttner
Forscher der Universität Princeton sagen das Ende von Facebook voraus. Das soziale Netzwerk werde aussterben wie die Beulenpest. Kritiker widersprechen dieser These.

Facebook hat sich ausgebreitet wie eine Epidemie. Das Online-Netzwerk gibt die Zahl seiner Nutzer weltweit mit 1,2 Milliarden an. Doch bald wird es langsam wieder verschwinden. Das behaupten die Jungforscher der renommierten Princeton-Universität Joshua Spechler und John Cannarella in einem Arbeitspapier, das seit Mittwoch im Internet zu lesen ist. Der Wert des auf 100 Milliarden Dollar geschätzten Online-Giganten würde dann dramatisch sinken.

Spechler und Cannarella vergleichen die Ausbreitung von Ideen, wie Facebook, mit Verbreitung, Höhepunkt und Abebben von Krankheitsepidemien. »Wir nutzen die Modelle von Epidemien zur Erklärung der Dynamik von Ausbreitung und Verlassen der sozialen Netzwerke indem wir Analogien zu der Dynamik aufzeigen, mit der sich Infektionskrankheiten ausbreiten«, schreiben sie. »Es hat sich gezeigt, dass sich Ideen wie Krankheitsepidemien durch Ansteckung unter den Menschen ausbreiten bevor sie wieder verschwinden.«

Sie zitieren das Beispiel des Internetdienstes MySpace als Modell für ihre Facebook-Überlegungen. 2008 erreichte MySpace den Gipfel seiner Popularität. Heute wird der Internetdienst fast ausnahmslos von Amateurmusikern genutzt, die ein Publikum suchen. Sie argumentieren, dass die Nutzergemeinde von Facebook von 2015 bis 2017 um 80 Prozent zurückgehen werde - ganz wie eine Seuche sich verhält. Beide Autoren wichen Fragen der Medien aus, weil ihre Arbeit noch nicht von der Universität gegengelesen worden sei.

Ein Sprecher von Facebook nannte die Arbeit »Blödsinn.« Allerdings hatte erst im Oktober Facebooks Finanzchef David Ebersmann zugeben müssen, dass immer weniger Jugendliche zu dem Netzdienst stoßen. Das überraschte, weil es der allgemeinen Annahme widersprach, dass die jungen Menschen wie festgeklebt vor ihren Computern sitzen und Kontakt mit ihren virtuellen Freunden über Facebook halten. Die Erklärung gab eine 13-Jährige mit einem Artikel im Online-Journal »Mashable«. Ruby Karp schrieb, dass sie und ihre Freunde Facebook nicht nutzten, sondern andere soziale Netzwerke wie Instagram vorzögen. Auch Instagram gehört zur Firma Facebook. »Obwohl ich Facebook habe, hat es aber keiner meiner Freunde«, schrieb Karp. »Meine Freunde halten Facebook für verschwendete Zeit. Auch ich habe bald entdeckt, dass Facebook ohne Freunde nutzlos ist.« Ihre einzige Facebook-Freundin sei ihre Oma.

Eine Studie von iStrategy Labs in Washington bestätigt den Trend. Demnach ging die Zahl der Facebook-Nutzer von 13 bis 17 Jahren 2013 um 25 Prozent zurück, die der Nutzer über 55 nahm um 80 Prozent zu. Bei den Oberschülern verlor Facebook 59 Prozent, bei Hochschulstudenten legte es um 65 Prozent zu. Das sei nicht überraschend, findet James Lee, Finanzanalyst bei CLSA. Nutzten Ältere Facebook, blieben die Jungen weg.

Facebook wird die Nutzerzahlen am 29. Januar bekanntgeben. Nach Vorabinformationen steigen Gewinne und Nutzerzahlen. Analysten erwarten Einnahmen von zwei Milliarden Dollar aus dem Anzeigengeschäft im letzten Quartal. Technologie-Analyst Rob Enderle sagte, die Sorge bei Facebook über nachlassende Popularität habe erst zur Entscheidung geführt, den Dienst Instagram 2012 für eine Milliarde Dollar zu kaufen.