6.826 Denkfabriken konkurrieren weltweit um den Einfluss auf Öffentliche Meinung, Politik und Wissenschaft. Ausgestattet oft mit Millionenbeträgen, nicht selten eng verflochten mit Kapital, Militär und Regierungen kleiden sie ihre Botschaften in wissenschaftlichen Jargon und suchen die Ohren von Macht wie Medien. Weiterhin ganz vorne mit dabei sind die angloamerikanischen Think Tanks - wie der am Donnerstag veröffentlichten Rangliste Go To Think Tanks Index 2013 der Universität von Pennsylvania zu entnehmen ist.

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© Chatham House; CC-BY-SA 3.0
Denkfabrik Chatham House in London
Allein die USA verfügen demnach über 1.828 Denkfabriken, von denen allerdings nur wenige überregionale Bedeutung genießen. Auf Platz 2 der Staatenliste rangiert mittlerweile China mit 426 Einrichtungen. Großbritannien beherbergt 287, Indien 268 und Deutschland 194 Denkfabriken. Immerhin 52 Institute sind in Belgien angesiedelt, insbesondere im Umfeld von Europäischer Union und NATO.

Sinn und Zweck von Denkfabriken hatte einst der Soziologe Niklas Luhmann zusammengefasst. „Man finanziert nicht Wahrheiten, sondern Organisationen, die sich um die Feststellung und Erforschung von Wahrheiten bzw. Unwahrheiten mehr oder minder erfolgreich bemühen. Mutatis mutandis ergibt sich eine ähnliche Situation bei der Konversion von Eigentum und Geld in Macht.” Entscheidend ist dabei weniger die schiere Zahl, sondern vor allem der Einfluss der Organisationen auf die Meinungsbildung. Unter den Top 10 der erfolgreichsten Denkfabriken befinden sich gleich acht Einrichtungen aus den USA und Großbritannien.

Als weltweit einflussreichsten Think Tank haben die Forscher zum wiederholten Mal das Washingtoner Brookings Institute ausgemacht. Auf Rang 2 rangiert das Londoner Chatham House. Der Think Tank führt als Partner und Mitglieder das Who is Who der internationalen Großfinanz. Darunter etwa BP, ExxonMobil und Chevron, die drei weltgrößten Rohstoffabbaukonzerne Rio Tinto Group, BHP Billiton und Anglo American, die Investmentbanken Goldman Sachs, HSBC und Morgan Stanley, die Rüstungsschmieden BAE Systems und Lockheed Martin, sowie die Weltbank. Bekannt wurde die Denkfabrik vor allem für ihre 1927 aufgestellte Chatham-Hausregel. Demnach ist es Teilnehmern an Veranstaltungen “die freie Verwendung der erhaltenen Informationen unter der Bedingung gestattet, dass weder die Identität noch die Zugehörigkeit von Rednern oder anderen Teilnehmern preisgegeben werden dürfen.“ Diese Regel wurde später übrigens für die berüchtigten Bilderberg-Konferenzen übernommen.

Auf Platz 3 folgt das Washingtoner Carnegie Endowment for International Peace, 1910 vom Multi-Milliardär Andrew Carnegie ins Leben gerufen. Auf Platz 4 steht das Center for Strategic and International Studies, eine eher um die Regierungsstellen herum aktive Denkfabrik, in deren Aufsichtsrat unter anderem Henry Kissinger und Zbigniew Brzeziński Platz genommen haben. Auf Platz 5 kommt das Stockholmer Internationale Friedensforschungsinstitut. Auf Rang 6 hochgearbeitet hat sich die erst 2004 gegründete und im EU-Umfeld angesiedelte Denkfabrik Bruegel mit Sitz in Brüssel, der gegenwärtig Ex-EZB-Präsident Jean-Claude Trichet vorsitzt. Erst auf Platz 7 sieht die Studie den geheimnisumwitterten wie elitären US-amerikanischen Council on Foreign Relations. Die Organisation stellte seit 1929 das Gros der US-Außenminister. 2011 hatte das CRF noch auf Rang 4 gelegen.

Deutsche Institute sind auf den ersten zehn Rängen nicht zu finden. Auf Platz 12 listet die Untersuchung interessanterweise die in Berlin ansässige Organisation Transparency International, die allerdings im deutschen Verständnis - und wohl auch aus eigener Sicht - keinen Think Tank, sondern eher eine Kampagnenorganisation darstellt. Die wichtigste Denkfabrik der Bundesregierung, die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), kommt auf Platz 14, die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik auf Rang 26.