In Madrid haben Tausende gegen die Sparpolitik der spanischen Regierung protestiert. Nach der Eskalation der Demonstration unter dem Motto „Marsch der Würde“ sollen mehr als 100 Menschen verletzt worden sein.
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Madrid - Nach Protesten gegen die Sparpolitik der Regierung ist es in Madrid am Samstag zu schweren Ausschreitungen mit mehr als hundert Verletzten gekommen. Zehntausende Spanier waren zuvor friedlich durch die Stadt gezogen, bevor es am Abend zu den gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei kam. 24 Demonstranten wurden nach Behördenangaben festgenommen.

Solidarität in Berlin

Am Brandenburger Tor demonstrierten am Sonnabend Angehörige der Gruppe M15 Berlin ebenfalls gegen die Sparpolitik der spanischen Regierung, um Solidarität mit den spanischen Protestlern zu üben. Sie beklagten die hohe Arbeitslosigkeit in Spanien und hielten Spruchbänder mit der Aufschrift „Spanien sagt nein“ und „Gemeinsam im Kampf“ in die Höhe. Die Gruppe 15 M Berlin ist ein Ableger der spanischen Protestbewegung 15M. Die Bezeichnung M15 steht für den 15. Mai. An dem Tag im Jahr 2011 demonstrierten zum ersten Mal Menschen in Madrid gegen, nach eigenem Verständnis, korrupte Politiker, die das Land in die Krise geschickt hatten. Die Bewegung breitete sich in ganz Spanien aus. Sie versteht sich als politisch heterogen. Es gibt weder einen Wortführer noch ein einheitliches Manifest. In verschiedene Städten wurden unterschiedliche Manifeste beschlossen.

Die Rettungskräfte gaben die Zahl der Verletzten mit 101 an, davon seien 67 Polizeibeamte. Gewalttätige Demonstranten errichteten Barrikaden, zertrümmerten Schaufensterscheiben von Banken, zündeten Mülltonnen an und warfen Steine auf die Polizei. Diese feuerte mit Gummigeschossen zurück. Unter den 24 festgenommenen Demonstranten waren laut Polizei auch drei Minderjährige.

Menschen aus dem ganzen Land waren zu der Großdemonstration unter dem Motto „Marsch der Würde“ gekommen. Viele von ihnen waren vor Wochen in entfernten Regionen aufgebrochen und kamen zu Fuß in die Hauptstadt, um ihrer Wut über Sozialkürzungen, Massenarbeitslosigkeit und Armut Luft zu machen. Acht Protestzüge strömten in einem Sternmarsch aus verschiedenen Richtungen zum Bahnhof Atocha, wo sie sich zusammenschlossen.

Mehr als ein Viertel arbeitslos

Grund für den Massenprotest ist die seit Jahren prekäre wirtschaftliche Lage in Spanien, wo mehr als jeder Vierte arbeitslos ist. Rund 300 Gewerkschaften und Organisationen hatten zu der Großdemonstration aufgerufen.

Protestteilnehmer kamen aus den Regionen Andalusien im Süden, Katalonien im Osten, Asturien im Nordosten und der Extremadura im Westen. Sie hielten die Flaggen ihrer Regionen hoch und riefen Parolen wie „Nein zur Arbeitslosigkeit, Nein zum Exil, Nein zur Unsicherheit, Marschiert für die Würde!“ Aus dem Meer der Protestierenden ragte ein gestreckter Mittelfinger heraus, der an die Adresse des konservativen Regierungschefs Mariano Rajoy gerichtet war.

Spanien ist die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone. Das Land leidet noch immer unter den Folgen der 2008 geplatzten Immobilienblase und steckte seit Ende 2011 in der Rezession. Das damals von der Regierung Rajoy auf den Weg gebrachte umfangreiche Sparprogramm, mit dem die Schuldenlast verringert und das Vertrauen in den Bankensektor wieder hergestellt werden sollte, verschärfte die Lage für zahllose Menschen im Land drastisch.

Zwar besserte sich zuletzt die Lage, und das Land entkam Ende vergangenen Jahres nach Einschätzung der Zentralbank der Rezession. Die Arbeitslosigkeit verharrt jedoch weiter auf sehr hohem Niveau bei rund 26 Prozent. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsene im Alter von weniger als 25 Jahren liegt die Arbeitslosenrate bei mehr als 50 Prozent.