Büroplatz Arbeitsplatz
Feelgood Manager sollen in Unternehmen für eine höhere Motivation der Mitarbeiter sorgen.
Immer mehr Unternehmen setzen auf sogenannte "Feelgood Manager". Diese sollen mit attraktiven Freizeitangeboten die Motivation der Mitarbeiter steigern, damit deren Effektivität auch dann noch steigt, wenn das Gehalt sinkt. Der britische Soziologe William Davies hält dies jedoch für den falschen Ansatz.

Früher war alles besser? Diese Aussage liegt immer im Auge des Betrachters, doch ein Vergleich mit vergangenen Zeiten zeigt manchmal interessante Dinge auf - auch in der Arbeitswelt. "Arbeit muss sich lohnen" war ein Wahlspruch der FDP. Früher bot man seine Arbeit auf dem Arbeitsmarkt an, Unternehmen "kauften" diese ein und entlohnten die Mitarbeiter für das, was sie leisteten. Leistung wurde mit Geld bezahlt. Das "Leistungsprinzip" führte aber zu Kritik, denn die Reduzierung der Arbeit eines Menschen auf einen "Nutzwert" sei unmenschlich. In der kapitalistischen Gesellschaft boomte jedoch das Leistungsprinzip so lange, bis es mit der kapitalistischen Grundidee kollidierte - der Gewinnmaximierung.

Muss sich Arbeit lohnen?

Die einfachste Methode für ein Unternehmen, Geld einzusparen ist es, dies an Personalkosten zu tun. Warum sollte man Mitarbeiter übermäßig gut bezahlen, wenn diese durch eine steigende Arbeitslosenquote und immer mehr Bewerber zwingend auf den Job angewiesen sind? Nicht mehr der Arbeitnehmer bestimmt durch seine Kenntnisse und "Leistung", was er verdienen möchte, der Arbeitgeber bestimmt dies anhand der Marktsituation und der Situation seines Unternehmens. Sinkende Löhne, vor allem im Bereich der Einstiegsgehälter, Beförderungen ohne Gehaltserhöhungen, befristete Arbeitsverträge und optionale Bonuszahlungen anstatt fester Gehälter sind die Folge und führen dazu, dass sich Arbeitnehmer in ihrem Job nicht mehr sicher fühlen können und teilweise immer häufiger einen Zweitjob benötigen - vor allem, wenn es darum geht, eine Familie ernähren zu müssen.


Motivation ist das Zauberwort

Unternehmen möchten ihre Mitarbeiter allerdings nicht vergraulen, denn die Arbeit muss ja schließlich trotzdem erledigt werden. Also greift man zu einem Job, der sich in den letzten Jahren immer mehr herausgebildet hat - dem "Feelgood Manager". Dieser Manager eines Unternehmens ist dafür zuständig, Mitarbeiter zu motivieren und bei Laune zu halten. Dazu entwickelt er Konzepte, wie etwa, dass es flache Hierarchien gibt, in denen man mit dem Chef per du ist. Man stellt Kicker-Tische in Pausenräumen auf, baut Schwimmbäder, Sporthallen, Kantinen und mehr, um den Mitarbeitern so das Gefühl zu geben, dass sie sich wohl fühlen können. Sie können ihre Freizeit im Unternehmen verbringen.

Laut dem britischen Soziologe William Davies geht dies aber in eine falsche Richtung. Denn der Hintergedanke des Arbeitgebers ist nicht, dass die Mitarbeiter schwimmen, Basketball oder Kicker spielen sollen. Sie sollen mehr Leistung bringen - und das für weniger Geld. Dabei sollen sie sich aber wohl fühlen. Dazu bietet man den Mitarbeitern inzwischen schon individuelle Fitnesspläne und sogar die Möglichkeit an, in ihrem Firmen-PC Belastungssituationen in einem Online-Tool zu vermerken. Die Firma soll überall sein - immer. Und viele lassen sich davon mitreißen - vor allem jüngere Mitarbeiter, die frisch aus dem Studium kommen, dringend einen Arbeitsplatz suchen, keine weiteren Verpflichtungen wie Familien haben und ihren "Wert" gegenüber dem Unternehmen unter Beweis stellen wollen. Mit steigendem Alter, mit mehr Lebenserfahrung und mit mehr Verpflichtungen im Leben, ändert sich dies jedoch. Warum sollte man seine Freizeit in der Firma am Kickertisch verbringen, wenn zu Hause Frau und Kind warten? Bräuchte man dann nicht vielleicht doch lieber mehr Geld, um seine Familie ordentlich ernähren und versorgen zu können, anstatt im firmeneigenen Schwimmbad ein paar Runden zu drehen?

Unzufriedenheit trotz Freizeit im Unternehmen

Wie fängt ein Unternehmen dann die wachsende Unzufriedenheit wieder auf? Kann ein "Feelgood Manager" wieder für mehr Motivation sorgen, indem man noch mehr Dinge anbietet? Funktioniert dieses System auf lange Sicht? Selbst dann, wenn Mitarbeiter an einen Punkt angelangen, an dem sie ihre Freizeit nicht mehr mit den Arbeitskollegen und in der Firma verbringen wollen? Oder wäre eine Rückkehr zu der Denkweise besser, dass Arbeit angemessen bezahlt werden muss und dies die Motivation der Angestellten steigert? Allerdings geht dieser Gedankengang nicht mit der Gewinnmaximierung konform und zudem ist die Auswahl an motivationsbedürftigen, jungen Mitarbeitern noch sehr groß. So schnell werden "Feelgood Manager" also nicht arbeitslos werden... /ab