
Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit attackieren Hacker erfolgreich einen hohen Geheimdienstmitarbeiter der USA. Der Geheimdienstkoordinator des Weißen Hauses, James Clapper, und seine Ehefrau Susan können ihre private Kommunikation nun öffentlich nachlesen. Ihr Telefon leitete die Gespräche an pro-palästinensische Aktivisten weiter. Offensichtlich sind die Accounts der großen Anbieter wie AOL und Yahoo nicht sicher.
Der Geheimdienstkoordinator des Weißen Hauses, James Clapper, hat seine privaten E-Mail-Accounts offensichtlich nicht ausreichend gesichert. Er wurde zum Opfer einer Hacker-Attacke. Damit handelt es sich bei Clapper um den zweiten führenden Geheimdienstmann in den USA, der innerhalb kürzester Zeit seine private Kommunikation in der Öffentlichkeit wiederfand. Im Oktober wurde die Post aus den privaten E-Mail-Accounts von CIA-Direktor John Brennan veröffentlicht.
Das Online-Magazin Motherboard macht dieselben Hacker für den Angriff verantwortlich. Unter dem Pseudonym „Crackas With Attitude“ (CWA) hatten sie sich bereits spöttisch dazu geäußert, dass Funktionäre der Regierung offensichtlich zu sorglos mit digitalen Medien umgehen. Ihren Angaben zufolge konnten sie sich Zugang zu zahlreichen Accounts verschaffen, darunter auch die privaten Telefon- und Internetanschlüsse des amerikanischen Geheimdienstkoordinators.
CWA veröffentlichte nicht nur die elektronische Post aus dem Yahoo-Account von James Clapper. Auch dessen Ehefrau Susan Clapper konnte ihre Mails nun im Internet finden, ohne extra ihr Yahoo-Passwort eingeben zu müssen. Mit dem privaten Telefonanschluss der Familie erlaubte sich die Hackergruppe einen besonderen Scherz. Sämtliche Telefonate aus dem Hause Clapper wurden kurzzeitig an die palästinensische Aktivistengruppe Free Palestine Movement weitergeleitet.
Gegenüber Motherboard begründeten die Hacker ihren Angriff auf die privaten Infrastrukturen des Geheimdienstchefs mit ihrer Kritik an der amerikanischen Außenpolitik. Allerdings rücken mit den Angriffen vor allem die nicht vorhandenen Sicherheitsstandards der großen kommerziellen E-Mail-Anbieter in die Öffentlichkeit. CIA-Chef Brennon hatte seine Post AOL anvertraut.
Gerade erst in der vergangen Woche hatte sich James Clapper mit den Spitzen der amerikanischen IT-Industrie im Silikon Valley getroffen, um über geheimdienstliche Hintertüren in der Verschlüsselungstechnik der großen Internetanbieter zu verhandeln. Die Risiken schlecht gesicherter digitaler Kommunikation können die Geheimen nun bei Wikileaks studieren. Dort veröffentlichten die CWA-Aktivisten die illegal erlangten Kommunikationsinhalte der Geheimdienstchefs.



Kommentar: Ähnliche Hackerangriffe auf Mitglieder der US-amerikanischen Regierung und damit verknüpfter Institutionen und Personen brachten so einiges an brisantem Datenmaterial ans Licht. Nachfolgend ein paar Beispiele:
- Hackerangriff enthüllt: Inszenierte IS-Videos auf USB Stick von McCain-Freund gefunden
- Wenn's doch bloß Einsicht wär: CIA-Chef Brennan in geleakten Mails: "Wenn wir weitermachen wie bisher, werden wir scheitern"
- Wikileaks: Gehackte Mails von CIA-Chef - John Brennan und die Hetzjagd auf "unliebsame Journalisten"
Könnte es nicht auch sein, dass solche Ereignisse als Vorwand zum weiteren Ausbau der Internet- und Email-Überwachung genutzt werden (natürlich für das Volk), während die digitalen Kommunikationen von Geheimdienst-Beamten und Regierungsmitgliedern die höchsten Sicherheitsstandards und Verschlüsselungen erhalten? Auf eine stärkere Zensur im Internet sind die Machthaber ja schon lange ziemlich scharf, da es ihnen ihre Monopolstellung für Informationen nimmt: