Das Stadtparlament von Riga hat den für Mittwoch geplanten Aufmarsch der ehemaligen Mitglieder der Lettischen SS-Freiwilligen-Legion und ihrer Anhänger genehmigt, wie das Portal Delfi unter Berufung auf den Exekutivdirektor des Stadtparlaments Juris Radzeviсs mitteilt.
SS-Legionäre Aufmarsch Riga Lettland
© AP Photo/ Roman Koksarov
An der von der nationalistischen Organisation Daugavas Vanagi organisierten Aktion sollen rund 100 Menschen teilnehmen.

Der Aufmarsch der ehemaligen Legionäre hat jedes Jahr dasselbe Szenario. Am 16. März versammeln sich vor dem Freiheitsdenkmal in Riga Anhänger der ehemaligen Legionäre und vor der bekannten Laima-Uhr Antifaschisten. Die beiden Aktionen werden von der Polizei kontrolliert.

Die EU begrüßt die Aktion der lettischen SS-Legionäre nicht. Deswegen ist die Frage bezüglich der Teilnahme von Politikern an dieser Veranstaltung akut.

Aus diesem Grund hatte die lettische Regierung im Jahr 2014 bei der Vorbereitung auf den Vorsitz im EU-Rat ein Verbot für die Teilnahme ihrer Minister an der Aktion am 16. März verhängt.

Unterdessen verspricht der neue lettische Regierungschef Maris Kučinskis, die Anordnung seiner Vorgängerin Laimdota Straujuma aus dem Jahr 2014 außer Kraft zu setzen.

Zum ersten Mal wurde der Aufmarsch der lettischen Legionäre und ihrer Anhänger am 16. März 1994 durchgeführt. Seither beginnt die Hauptstadt dieses kleinen baltischen Landes jeden Frühling mit der Konfrontation zwischen Nationalisten und Antifaschisten, die den Aufmarsch der Legionäre als Lobpreisung des Nazismus betrachten.

Inzwischen dient die Parade der Angehörigen der Waffen-SS für das offizielle Riga als Symbol für die neue Staatlichkeit. Legionäre, die gegen die Rote Armee kämpften, werden konsequent heroisiert.

Die lettische SS-Legion wurde während des Zweiten Weltkriegs vom deutschen Kommando aus zwei Grenadierdivisionen gebildet. Der 16. März erinnert an die erste große Konfrontation der lettischen SS-Verbände mit den sowjetischen Truppen am nordwestrusssischen Fluss Welikaja.