
Flüsse aus allen Teilen der Welt transportieren jedes Jahr Tausende Tonnen von Süßwasser in die Ozeane. Besonders große Mengen Flusswasser gelangen über den Amazonas ins Meer. Er ist für 20 Prozent allen Frischwassers verantwortlich, das weltweit über Flüsse in Ozeane fließt: Etwa 219.000 Kubikmeter Süßwasser transportiert der Strom jährlich ins Meer.

Alter Bericht liefert Hinweis
Der Süßwassereinstrom wirkt sich dadurch auch auf das Vorkommen von Korallenriffen aus. "Flussfahnen produzieren typischerweise Lücken, in denen keine Riffe existieren", sagen Rodrigo Moura von der Universität in Rio de Janeiro und seine Kollegen. "Dort ein Riff zu entdecken, wäre ungewöhnlich." Doch genau das ist den Wissenschaftlern nun gelungen.
Sie entdeckten die ungewöhnliche Struktur im Mündungsbereich des Amazonas während einer Expedition. Auf die Spur gebracht hatte das Team ein Forschungsbericht aus den 1970er Jahren. "Darin wurde erwähnt, dass in diesem Gebiet Fische gefangen worden waren, die eigentlich nur in Riffen vorkommen", schreiben die Wissenschaftler.
Artenreiche Rifflandschaft

Das Riff erstreckt sich auf einer Fläche von 9.500 Quadratkilometern und bietet den Forschern zufolge eine Heimat für zahlreiche Lebewesen. "Die Artenvielfalt dort ist enorm", schreiben sie. Unter anderem entdeckten die Wissenschaftler 73 verschiedene Fischarten.
Die Fahne des Amazonas wirkt sich merklich auf die Lebensgemeinschaften am Riff aus, wie das Team berichtet. Denn die Bewegungen des Einstroms beeinflussen, wie viel Licht zum Meeresboden durchdringt. "Im Süden bekommt das Riff mehr Licht ab. Dort dominieren Korallen sowie Organismen, die Photosynthese betreiben. Weiter nördlich werden diese Lebewesen seltener. Stattdessen finden wir vermehrt Schwämme und andere Organismen, die von den Nährstoffen zehren, die die Flussfahne mitbringt" , so Moura und seine Kollegen.
Schon in Gefahr?
Riff und Flussfahne sind demnach eng miteinander verbunden. Inwiefern die beiden Systeme einander im Detail beeinflussen und welche Rolle das Riff für das Ökosystem in der Amazonasmündung spielt, wollen die Wissenschaftler künftig genauer untersuchen. Doch ihre neue Entdeckung könnte schon jetzt in Gefahr sein - nicht nur wegen des Klimawandels, der zur Versauerung und Erwärmung der Ozeane beiträgt.
Entlang der Rifflandschaft soll aktuellen Plänen zufolge künftig nach Erdöl gesucht werden. "Das ganze System ist von menschlichen Einflüssen bedroht", warnen Moura und seine Kollegen.
(Science Advances, 2016; doi: 10.1126/sciadv.1501252)(University of Georgia, 25.04.2016 - DAL)



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