Der Untergang des chinesischen Königreichs Loulan fiel mit der Austrocknung des Lop-Nor-Sees zusammen. Die Ursache: Landwirtschaft

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Einst See, heute Wüste: Satellitenaufnahme vom mittleren Teil des Seebeckens Lop Nor.
Potsdam - Der Aralsee war einst das viertgrößte vollständig von Land umschlossene Gewässer der Welt - nun gilt er als mahnendes Beispiel für die Folgen menschlicher Eingriffe in die Natur: Durch die Entnahme großer Mengen an Wasser aus seinen Zuflüssen schrumpfte der einst riesige Binnensee in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch. Die Küstenlinie hat sich um Dutzende Kilometer verlagert, um die Jahrtausendwende zerfiel der See durch die Austrocknung in mehrere Teile. Doch wie Forscher in "Scientific Reports" berichten, war der Aralsee bei weitem nicht der erste See, den dieses Schicksal ereilte.

Das Team unter Beteiligung des Helmholtz-Zentrums Potsdam untersuchte Sedimente im Tarimbecken im äußersten Westen Chinas, um den Niedergang des Königreiches Loulan im zwischen dem 3. und 7. Jahrhundert zu rekonstruieren. Sie kamen zum Schluss: Nicht Klimawandel war die Ursache, wie Experten bisher vermutet hatten. Stattdessen wurden die Wasserzuflüsse des Lop-Nor-Sees wahrscheinlich durch intensive Bewässerung so weit reduziert, dass das einst große Gewässer massiv schrumpfte. Die Forscher sprechen von einer "menschgemachten Umweltkatastrophe, die vergleichbar mit der heutigen Krise des Aralsees ist".
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Ähnlich erging es auch dem Aralsee: Links eine Aufnahme von 1989, rechts von 2014.

Folgenreiche Bewässerung

Der Lop-Nor-See war ein abflussloser Salzsee im Osten des Tarimbeckens. Vor rund 2.000 Jahren war das Klima wesentlich feuchter als heute. Der See hatte eine Fläche von schätzungsweise 17.000 bis 50.000 Quadratkilometern. Nordwestlich davon befand sich an der historischen Seidenstraße die Oasenstadt Loulan, die auch namensgebend für das Königreich war. Ruinen, Reste von Feldern und Wassergräben künden bis heute vom blühenden Leben vor etwa 2.000 Jahren während der Han-Dynastie. Ab dem 3. Jahrhundert ging es jedoch abwärts: Historische Schriften berichten, dass die Flüsse weniger Wasser führten und den Soldaten die Rationen gekürzt wurden. Immer mehr Siedlungen wurden aufgegeben.

Als Ursache wurde lange Zeit ein Klimaumschwung vermutet. Doch die neue Analyse von Sedimenten und die Bestimmung der Sauerstoff-Isotopenverhältnisse in Karbonatmineralen und Muschelkrebsen zeichnet ein anderes Bild. Eine menschengemachte Umweltkatastrophe dürfte zum Wasserverlust und letztlich den Niedergang der Loulan-Kultur geführt haben. Darauf ließen Spuren der intensiven Bewässerung der Felder im Oberlauf der Zuflüsse schließen, so die Autoren.

Der Lop-Nor-See wurde demnach immer kleiner und trocknete zeitweise nahezu komplett aus. Heute, wo das Klima im Tarimbecken generell trockener ist, existiert auch der Lop-Nor-See nicht mehr. Er füllte sich zuletzt 1921 und trocknete in den frühen 1960er-Jahren wieder gänzlich aus. Spätere Versuche, ihn mit Wasser aus dem Bosten-See neu zu befüllen, schlugen fehl.

Link
Scientific Reports: "The world’s earliest Aral-Sea type disaster: the decline of the Loulan Kingdom in the Tarim Basin"