Es knallte zweimal gewaltig am Freitagabend - zu hören über Würzburg und über dem Rhein-Main-Gebiet. Dahinter stecken Bundeswehrjets.
© Darren Staples / Reuters
Zwei gewaltige Knalle haben am Freitagabend Menschen in Hessen und Bayern verunsichert. Auslöser waren nach Angaben der Polizei zwei Kampfjets. Die Flugzeuge hatten offenbar in großer Höhe die Schallmauer durchbrochen. Nun ist auch der Auslöser für den Überschallflug klar: Deutsche Behörden konnten eine ägyptische Passagiermaschine mehr als fünf Minuten lang nicht kontaktieren. Daraufhin hätten sie routinemäßig die Luftwaffe alarmiert.

Die beiden Bundeswehrjets waren im bayerischen Neuburg an der Donau gestartet und dem Flugzeug mit hoher Geschwindigkeit hinterher geflogen. Dabei durchbrachen sie die Schallmauer und lösten laute Knalle aus.

Flugzeug aus ägyptischem Badeort Hurghada

Bei vielen Polizeidienststellen gingen am Freitag nach den beiden Knallen Anrufe besorgter Bürger ein. In Teilen des betroffenen Gebiets registrierten Menschen auch deutliche Erschütterungen. Das Ereignis um kurz vor 19 Uhr wurde von Menschen in Würzburg bis ins mittelhessische Gießen registriert.

Das Flugzeug war im ägyptischen Badeort Hurghada gestartet, wo ein Angreifer am Freitag mit einem Messer zwei deutsche Frauen getötet hatte. Auf den Einsatzbefehl für die Jets habe das aber keinen Einfluss gehabt, sagte ein Sprecher der Luftwaffe am Samstag. Es habe sich um ein „Routinemanöver“ gehandelt. Nötig wurde das Eingreifen der Abfangjäger letztlich nicht - die Besatzung des Fliegers zum Flughafen Münster/Osnabrück meldete sich via Funk, noch bevor die Jets aufgeschlossen hatten. Sie hatten zuvor vermutlich eine falsche Frequenz eingestellt.


Kommentar: Hatten sie eine falsche Frequenz gewählt oder nicht?


Führungszentrum alarmiert Alarmrotten

Wenn die Flugsicherheit „losscom“ (Verlust von Funkkontakt) meldet, geht im Nationalen Führungszentrum für Sicherheit im Luftraum in Kalkar die rote Lampe an. Vom Gefechtsstand in Kalkar-Uedem werden auch die beiden deutschen Alarmrotten in Neuburg an der Donau und im friesischen Wittmund gesteuert. In manchen Fällen sind aber auch Düsenjäger verbündeter Länder dazu im Einsatz.

Zu Einsätzen wegen Maschinen ohne Funkkontakt starten die Kampfflieger zwischen zehn und 50 Mal im Jahr. Wenn die Düsenjets ein Flugzeug einholen wollen, können sie Überschallgeschwindigkeit erreichen. Durch das Durchbrechen der Schallmauer, also bei fast Tempo 1200, wird ein Knall erzeugt.

Im Februar waren spektakuläre Bilder aus dem Cockpit einer Maschine der British Airways bekannt geworden, die die Annäherungen zweier Abfangjäger an einen indischen Jet zeigen.

law/wck/dpa