Preikestolen-Felsen Norwegen
Die Felskanzel in Südnorwegen ist eine ungesicherte Attraktion mit herrlichem Ausblick auf den Lysefjord. Ein altbekannter Spalt in der spektakulären Formation bereitet Geologen seit neuestem Sorgen.

Auch steinerne Naturwunder sind nicht unsterblich. Das belegte zuletzt der Kollaps des «Azure Window» auf der zu Malta gehörenden Insel Gozo: Das mehrere Millionen Jahre alte Felsentor stürzte im März dieses Jahres während eines Sturms vollständig ein. Zum Glück befanden sich keine Menschen auf dem Steinbogen über der Mittelmeerbrandung.


Ein ähnliches Schicksal könnte unter Umständen dem Preikestolen (norwegisch für Kanzel oder wörtlich «Predigtstuhl») in der Nähe von Stavanger drohen. Entlang des für Wanderer begehbaren Hochplateaus zieht sich ein rund halber Meter breiter Spalt.

Dieser Fakt ist seit 1930 bekannt, doch Geologen haben der norwegischen Onlinezeitung «The Local» zufolge im Mai dieses Jahres eine Entdeckung gemacht, die verstärkte Aufmerksamkeit erfordert.

Untersuchungen haben demnach ergeben, dass sich der Riss vergrössert hat, was seit 22 Jahren nicht mehr beobachtet worden ist. Die Rede ist von zwei bis drei Millimetern Ausdehnung.

Marina Böhme von der staatlichen Geologenbehörde «Norges Geologiske Undersøkelse» (NGU) stellt jedoch klar, dass der Preikestolen sich möglicherweise nicht verändert hat, sondern frühere Messungen des Spalts lediglich ungenau waren.

Riss Felsplattform Norwegen
Auf die leichte Schulter nehmen die Wissenschaftler die Beobachtung indes nicht. Das einmalige Naturwunder soll fortan mithilfe exakterer Methoden überwacht werden. Von Hubschraubern aus will man hochauflösende Bilder des Felsplateaus aus den verschiedensten Perspektiven aufnehmen.

Auch ein 3-D-Modell der Oberfläche zur Untersuchung der Stabilität ist angedacht. Zudem sollen Experten die Lücke regelmässig vor Ort überprüfen.

Für die jährlich über 200'000 Besucher des Preikestolen ändert sich durch die erhöhte Wachsamkeit der Geologen für den Augenblick nichts. Eine akute Einsturzgefahr wird nicht attestiert.

Und so können Wanderer auch weiterhin von Preikestolhytta aus auf einem knapp vier Kilometer langen Weg einen Höhenunterschied von 330 Metern überwinden, um auf die ungesicherte Plattform zu gelangen. Diese ragt 604 Meter hoch über den Lysefjord.

Felsentor Insel Gozo Malta
(Auch steinerne Naturwunder sind nicht unsterblich. Das belegte zuletzt der Kollaps des « Azure Window » auf der zu Malta gehörenden Insel Gozo: Das mehrere Millionen Jahre alte Felsentor stürzte im März 2017 während eines Sturms vollständig ein)