Ein 40-Jähriger hat am Wochenende einen Säugling niedergestochen und sich dann vom Balkon in den Tod gestürzt. Die Ermittler rätseln: Was trieb ihn zu der Wahnsinnstat?

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Ein Polizist versucht, den Mann, der zuvor auf einen Säugling eingestochen hatte und über die Balkonbrüstung gesprungen war, festzuhalten.
Der furchtbare Fall gibt immer noch Rätsel auf: Ein Mann dringt in Rostock in die Wohnung einer 18-Jährigen ein. Dort packt er den drei Monate alten Säugling, rennt mit ihm auf den Balkon und hält das Kind immer wieder über die Brüstung. Anschließend sticht er mit einem Messer auf das Baby ein, danach stürzt er sich vom Balkon in den Tod.

Was trieb ihn zu der Wahnsinnstat? Bislang haben die Ermittler keine Hinweise auf ein mögliches Motiv bekanntgegeben.

Täter hielt Säugling über Balkonbrüstung

Ersten Erkenntnissen der Polizei zufolge ereignete sich die Tat in der Nacht von Samstag auf Sonntag um kurz vor Mitternacht. Der 40-Jährige klingelte demnach bei der Wohnung der 18-Jährigen, die ihn reinließ. Im Laufe der folgenden Minuten kam es offenbar zum Streit, Nachbarn berichteten von lauten Schreien. Der Mann soll sich daraufhin das drei Monate alte Mädchen gegriffen und mit ihm auf den Balkon gelaufen sein.

Er hielt das Kind mehrfach über die Brüstung, rief abwechselnd um Hilfe und drohte, es fallen zu lassen. Einem Bericht der Ostsee Zeitung zufolge soll der 40-Jährige dabei unter anderem geschrien haben: "Du hast mein Leben zerstört, jetzt zerstöre ich deines." Nach Angaben der Staatsanwaltschaft alarmierte er zwischenzeitlich selbst die Polizei.
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© Stefan Tretropp / DPA
Ermittler am Tatort: In dieser Hochhaussiedlung im Rostocker Stadtteil Dierkow ereignete sich die Tragödie.
Währenddessen liefen Nachbarn ins Freie, erkannten die Situation und spannten mit der mittlerweile eingetroffenen Polizei Decken auf, um das Kind bei einem möglichen Absturz auffangen zu können.

40-Jähriger stürzte sich von Balkon in den Tod

Mehrere Polizisten versuchten zeitgleich, in die Wohnung der 18-Jährigen einzudringen. Doch der 40-Jährige hatte offenbar die Tür verbarrikadiert.

Nachdem die Beamten sich endlich Zutritt verschafft hatten, fing der 40-Jährige an, das Baby schwer zu misshandeln. Er stach unter anderem mit einem Messer auf das Kind ein. Als die Polizisten das Mädchen an sich bringen konnten, floh der Mann auf den Balkon und sprang über die Brüstung.

Ein Beamter bekam den Mann zwar noch an den Hosenbeinen zu fassen, konnte einen Absturz aber nicht mehr verhindern. Der 40-Jährige starb noch am Tatort.

Staatsanwaltschaft Rostock: Angriff unter Drogen?

Bei dem Täter handelt es sich nach Angaben der Rostocker Staatsanwaltschaft um einen 40-jährigen, wohnungslosen Mann. Er soll bei dem Angriff unter Drogen gestanden haben. Wie die Ostsee Zeitung außerdem berichtet, soll er erst wenige Tage vor der furchtbaren Tat aus dem Gefängnis entlassen worden sein, wo er wegen einer nicht bezahlten Geldstrafe einsaß.

Ob der 40-Jährige der Vater des Kindes ist, ist bislang nicht klar. Entgegen erster Berichte soll er jedoch kein Verhältnis mit der 18-Jährigen gehabt haben - wohl aber mit deren Mutter. Aus dieser Beziehung stammt laut Ostsee Zeitung ein neunjähriger Junge, der zum Tatzeitpunkt ebenfalls in der Wohnung war.

Zustand des Säuglings weiter ernst

Das Baby wurde zunächst ins Krankenhaus gebracht und notoperiert. Mittlerweile sei sein Zustand stabil, aber ernst, hieß es von der Staatsanwaltschaft. Welche Folgen die schwersten Verletzungen am ganzen Körper für das weitere Leben des drei Monate alten Säuglings haben werden, könne aber noch niemand absehen, sagte eine Sprecherin am Montag.

Um mehr über die Hintergründe der Tat zu erfahren, habe die Staatsanwaltschaft eine Obduktion beantragt.

Nachbarn sagten der Ostsee-Zeitung, sie hätten in den Tagen vor dem Unglück immer wieder laute Schreie aus der Wohnung gehört.

DPA/AFP